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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Zantoch (Santok)
11 km östlich von Landsberg, auf dem rechten Wartheufer
an der Einmündung der Netze. Langgestrecktes Straßendorf.

1097 bestanden in „Czanthokh“ eine polnische Burg in der Niederung und eine pommersche Burg auf dem Schloßberg. Der Platz war zwischen Pommern und Polen heftig umstritten. 1234 – 1247 ist Zantoch zeitweise im Besitz der Herzöge von Schlesien, um 1250 jedoch wieder in polnischem Besitz und Mittelpunkt des nordwestlichen Verwaltungsbezirkes des polnischen Reiches. Die 1255 verabredete und 1260 in Zantoch vollzogene Heirat des brandenburgischen Markgrafen Konrad und der polnischen Prinzessin Konstanze brachte Brandenburg einen großen Teil der Kastellanei, aber nicht die Burg. Diese ging erst nach schweren Kämpfen 1296 in brandenburgischen Besitz über. 1335 wird „Zantoch“ vom brandenburgischen Markgrafen als Lehen vergeben, 1337 ist es im Besitz der Wedinghe. 1365 nehmen die Brüder v. Ost Zantoch von der polnischen Krone zu Lehen. 1370 wird es jedoch von Brandenburg zurückerobert und in wechselnden Kämpfen gegen Polen behauptet. 1401 ist Zantoch an den Johanniterorden verpfändet. 1433 wird der Platz von den Polen und Hussiten durch Verrat genommen und zerstört, kommt aber beim Friedensschluß wieder an die Johanniter. 1438 wird vom Deutschen Orden die „Höhenburg“ zum letzten Mal ausgebaut. 1445 ist sowohl „Neddern“ oder „Alten Santoch“ wie „Niensantoch“ im Besitz der v.d. Marwitz. Zwischen den beiden Burgen hatte sich im 14. Jh. ein kleiner Marktflecken entwickelt, in dessen Ostteil sich der 1486 erstmalig genannte Kietz befand. 1446 – 49 schwebt zwischen dem Deutschen Orden und dem Markgrafen ein Streit über den Bau einer Brücke. Wir erfahren, daß hier schon früher eine bestanden hat. Nach der Erwerbung der Neumark durch die Hohenzollern und dem Ende der Ordenspfandschaft verliert Zantoch seine geschichtliche Bedeutung, wenn auch der Burgwall im 30jährigen Krieg noch eine Rolle spielte. Im 16.Jh. teilten sich in den Ort und seine Hintersassen die v.d. Marwitz zu Marwitz, die v. Strauß zu Wormsfelde und die v. Ruffen und v. Rülicke zu Gralow und Jahnsfelde. In Zantoch selbst war kein Rittergut. Noch 1805 bestanden Besitzteile der genannten Gutsherrschaften. 1820 brannte das Dorf ab und wurde in der heutigen Gestalt wieder aufgebaut. – Zantoch ist heute Tochterkirche von Garlow. 1270 bestand hier bereits eine Andreaskirche. Die mit dieser verbundenen Propstei wurde 1296 nach Soldin verlegt. Ein Propst von Zantoch wird erstmalig 1233 genannt.

Burgen (Von Fritz Buchholz)
Da die frühmittelalterliche Bedeutung Zantochs auf seiner natürlichen Lage als Tieflandpaß beruht und durch ihn eine wichtige Landesstraße von Posen nach Stettin führte, diente schon frühzeitig zur Sicherung eine umfangreiche, auf einer durch Faschinen geschützten Sandinsel von nur 60 m Dm. südlich der Netze an ihrem Zusammenfluß mit der Warthe gelegene Burganlage, die zu Anfang oder um die Mitte des 9. Jh von den Pomoranen erbaut und bis in die zweite Hälfte des 10. Jh. bestanden haben dürfte. Als Wehr besaß diese Burg einen aus starken Kiefernstämmen bestehenden Pfahlzaun. Die im Burginnern befindlichen Wohnbauten waren auf einer dicken mit Schilfhäcksel und Holzabfällen durchgesetzten Lage Stallmist errichtet. Die Wände waren aus Birkenreisern im ganzen, also ohne rechte Gliederung, geflochten. Die Hauspfosten befanden sich außerhalb der Flechtwände. Der Fußboden bestand teils aus Birkenreisig, teils aus sorgfältig geflochtenen Reisigmatten. Die Feuerstätte der Häuser war lediglich ein aus einer kräftigen Eichenbohle bestender Herd. Durch eine schmale Zwischenwand war die innere Hausfläche in einen fast quadratischen Hauptraum und einen schmalen Nebenraum gegliedert. Pfahlzaun und Flechtwände gehen wahrscheinlich auf germanische Einflüsse zurück. Die ungefähre zeitliche Festlegung dieser Burg ermöglicht die in ihr gefundene Topfware, die dem mittelslawischen Stil angehört. Um 990 muß Burg I in die Hände Mieszkos I. von Polen gefallen sein. Dieser Besitzwechsel macht sich bald deutlich bemerkbar. Augenscheinlich gelangt Zantoch auch erst jetzt zu größerer Bedeutung. Der Aufstieg beginnt vielleicht noch unter Mieszko I., spätestens aber kurz nach 1000 unter Boleslaw Chrobry. Nunmehr sind nach dem Ausweis der Topfware wie auch der Wehr- und Wohnbauten die Polen Herren des Platzes. In der bei ihnen bekannten Weise errichten sie über einem Holzrost, der hier 10 m Breite aufweist und zeitweilig durch ihn zusammenhaltende Asthaken gegen den Seitenschub gesichert wurde, einen hohen Erdwall in Ringform.
Mit einem Durchmesser des Innenraumes von 240 m gehört dieser Ringwall zu den größten derartigen Anlagen Ostdeutschlands. Diese große Burg erfährt mehrere Umbauten, die nur zum Teil auf Zerstörung durch Brand zurückzuführen sind. In einem dieser Bauabschnitte wird in der Nordwestecke dieser Riesenburg eine gleichfalls mit einem Ringwall (von etwa 80 m Dm.) umgebene kleinere Zitadelle eingebaut, diese auch noch später mit einem 5 m breiten Wehrgang umgeben. Im geschützten Innenraum dieser Burgen lagen die Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Blockbauten aus Rundhölzern, wie wir sie auch anderwärts in slawischen Siedlungen anzutreffen gewohnt sind. Ihre Größe schwankt zwischen 3,5 und 8 m im Quadrat; auch kommen nichtquadratische Formen vor. Üblich ist das Fehlen jeglicher Untergründung, die Errichtung auf isolierenden Dungschichten, die Herstellung von Fußböden aus Dielen oder Flechtwerkbelag und die Zweiteilung der Häuser durch eine Zwischenwand, von denen der größte Teil einen Herd aus Holzbohlen zu erhalten pflegt. Die Häuser schmiegen sich eng aneinander, bilden winklige Höfe und werden miteinander durch kaum 1 m breite Gäßchen (ohne Belag) verbunden. Auf ihnen und in den Häusern häuft sich der Unrat an. Die Topfware der Burgen 2 bis 5 und der dazu gehörigen Wohnbauten hat spätslawischen Charakter (11. bis 12. Jh.) und entspricht der auch sonst bekannten polnischen Ware. Eisengeräte sind nicht selten, vor allem Sicheln als Erntewerkzeuge. Daneben kehren Pfriemen aus Knochen und Geweih immer wieder. Zeitweilig (Burg 2) machen sich wickingische Einflüße (wohl Einfuhr) deutlich spürbar, die vor allem an Knochenkämmen – häufig sind einzeilige Dreilagenkämme – und einem mit Tierverzierungen geschmückten Eibenholzgriff auffällig in die Erscheinung treten, aber auch durch eine Schaftlochart mit ausgezogenen Spitzen und ein Schwert gekennzeichnet werden. Reste von Schuhen und groben Geweben, von Holzgefäßen, Holzeimern, Holzdeckeln und Holzlöffeln ergänzen das Bild des täglichen Lebens in Zantoch, das durch die Auffindung und Untersuchung von Nahrungsresten noch an Anschaulichkeit gewinnt. Danach wird Ackerbau betrieben, den noch der Anbau der Hirse völlig beherrscht; Roggenbau war in Zantoch nicht nachzuweisen. Der Obstbau umfaßt Kirschpflaume und Pfirsich, die Viehzucht Torfrind, Schaf, Pferd und Ziege. Daneben sind aber vor allem Fischerei und Jagd auf Hoch- und Niederwild, insbesondere auf den im Bruch noch häufigen Auerochsen, recht wichtige Quellen des Nahrungserwerbes.
Nachdem Heinrich der Bärtige von Schlesien alles Land links der Warthe und auch die Kastellanei Zantoch durch den Frieden vom 22.9.1234 erhalten hatte, entstand auf dem Platz der kleinen polnischen Burg eine völlig andersartige und offenbar eine deutsche Leistung verkörpernde Burganlage, die einen dreimaligen Neubau erlebte. Statt Dünger, Unrat und Abfälle bildeten nunmehr sauberer Kies- und Sandschichten den Untergrund der Bauten. Anfangs breite Holzstraßen, später kunstvolle Steinstraßen führten zur eigentlichen Burg, deren Gesamtgrundriß jedoch nicht mehr ermittelt werden konnte. Nur eine Gebäudegruppe wurde in manchen Einzelheiten klargestellt. Der Hauptbau war durch eine Zwischenwand in einen fast quadratischen Wohnraum und eine Küche geschieden, deren Herd anfangs aus gespaltenen Feldsteinen, später aus Backsteinen bestand. Rechteckig zugehauene Balken zeigten saubere Zimmermannsarbeit. Die Topfware hat deutsch – mittelalterlichen Charakter und weist die Burgen 6 bis 9 dem 13. Und 14. Jh. zu; wahrscheinlich erfolgte der erste Bau unter Heinrich dem Bärtigen von Schlesien um 1234, der letzte um 1370 nach der Befreiung Zantochs aus polnischer Hand. Die Tage größten Glanzes, die dieses Zantoch erlebte, spielten sich in Burg 6 ab, der polnischen Königsburg, in der u.a. 1260 die Hochzeit des Akaniers Konrad mit der polnischen Königstochter Konstanze stattfand.
Die am selben Platz errichteten letzten mittelalterlichen Burgen zeigen wiederum eine deutliche Wesensänderung. Sie sind sogenannte Turmbauten, d.h. auf einem Hügel errichtet und mit einem breiten Wassergraben umgeben. Der Turm hatte Steinfundamente, die Art des Oberbaues ließ sich nicht mehr feststellen, doch ist für das Dach die Verwendung von Ziegeln gesichert. Rheinisches Steinzeug und einheimisches Tongeschirr erlauben, diese Burgen 10,11und 12 in das 14. und 15. Jh. einzuordnen. Grundrisse urkundlich erwähnter späterer Anlagen ließen sich auch nicht mehr teilweise klarstellen.
Mit dem Rückgang der politischen Machtstellung Polens unternehmen die Pomoranen um 1097 einen kräftigen Vorstoß gegen die Warthe – Netze – Linie. Auf dem der polnische Burg gegenüber liegenden steilen Schloßberg setzen sich die Pomoraner fest und errichten hier in nächster Nähe der Polenburg eine Gegenburg. Da die Hochfläche außerordentlich steile Hänge hatte und nur nach Norden zu mit dem Hintergelände verbunden war, genügte die Anlegung eines lediglich den nördlichen Zugang abriegelnden Abschnittwalles. Hier wurde daher ein 6 m breiter und 4 m tiefer Graben ausgehoben und nach dem Innern zu ein Wall errichtet, der etwa eine flache Parabel beschrieb. Der Grabaushub wurde zur Aufschüttung einer breiten und sorgfältig mit Brettern verkleideten Erdmauer benutzt, deren Höhe wohl 4 m betragen haben dürfte. Diese Holzerdemauer erhielt als oberen Abschluß eine hölzerne Brustwehr. Da Polen den gefährlichen Nebenbuhler an dieser Stelle nicht dulden konnte und alle Kräfte zu seiner Vertreibung sammelte, zerstörten die Pomoranen um 1100 ihre Gegenburg selbst. Erheblichere Bedeutung hat der Schloßberg später nicht mehr erhalten. Erwähnung verdient lediglich die bescheidene Turmburg, eine kleine viereckige Festung mit einem Durchmesser der Innenfläche von etwa 30 m, die der Deutsche Orden 1437 an dieser Stelle errichtete. In nur wenig vergrößertem Umfang ist diese Turmburg auf dem Schloßberg wieder erstellt worden.

Kirche
Patron: Gut Gralow, Gut Jahnsfelde, Forstfiskus und Anhalts – Askanische Treuhandverwaltung. Kirchenbücher seit 1693, Rechnungen ab 1641, Matrikel 1693 und weitere Pfarrakten im Pfarrhaus in Gralow.
Neubau von 1858, nach Abbruch einer Fachwerkkirche von 1724 im Westen des Dorfes, veranlaßt durch Bau der Ostbahn.
Ausstattung: Kelch aus Silber, vergoldet. Inschrift: „Die Flamme zerstörte, aber vernichtete mich nicht am 19. Apr. 1820“.
Kruzifix aus Holz. Gute spätgotische Arbeit um 1500, neuerdings wiederhergestellt.
Maria mit Kind aus Lindenholz. Anfang  des 15.Jh.
Heilige Margarethe mit Drachen, Holzfigur.
Kruzifix aus Holz. Anfang 15. Jh.
Heiliger Bischof mit Kirchenmodell, Holzfigur. Ende des 15.Jh.

Glockenturm
Der alten Kirche, einzeln stehend in der Mitte des Dorfes an der Straße. Fachwerk, Wetterfahne mit der Jahreszahl 1796.

Dorfschmiede
An der Dorfstraße. Kleiner Ziegelbau, angeblich von 1802; hölzerne Laube an der westlichen Giebelseite mit einigen Zierformen. Auf dem Dach zierliche Wetterfahne in Form eines Reiters.

Quelle:
Die Kunstdenkmäler des Stadt- und Landkreises Landsberg (Warthe)
Bearbeitet von Kurt Reißmann
Vorarbeiten von Georg Voß () und Otto Korn
Mitarbeiter: Eberhard Küster und Fritz Buchholz
Deutscher Kunstverlag, Berlin 1937