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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
70jähriges Post und Eisenbahnjubiläum in Vietz.
Neumärkische Zeitung   18. September 1927

Postamt- Neubau in der Bahnhofstraße.  (Vietz)

Bis zur Eröffnung der Ostbahnstrecke, im Jahre 1857, befand sich die Vietzer Postanstalt in Balz; Vietz war ein Landbriefbestellbezirk. Die Post wurde bis 1849 dreimal in der Woche bestellt: Sonntags, dienstags und freitags, und von diesem Zeitpunkt an bis 1858 wöchentlich viermal: Sonntags, dienstags, donnerstags und freitags. Im Jahre 1851 erhielt unser Ort einen Briefkasten, der zweimal täglich, um 8 Uhr vormittags und um 2 Uhr nachmittags, geleert wurde. Die Post war nach Balz gelegt worden, da es gerade in der Mitte von Cüstrin und Landsberg lag. Die Poststelle soll zu den bedeutendsten der damaligen Zeit gehört haben und hatte im Jahre 1833 24 Pferde, 6 Postillione und 4 bis 5 Hilfsgespanne. Noch im gleichen Jahre erhielt sie insgesamt 56 Pferde, 14 Postillione, 4 bis 5 Hilfsgespanne, drei zwölfsitzige, 1 neunsitzigen und 6 viersitzige Chaisen. Die regelmäßigen Posten bestanden aus Fahr-, Schnell-, Kariol- und Reitposten; außerdem mußten die Schwager alle vorkommenden Extraposten, Kuriere, Estafetten und Beichaisen befördern. Kaiserliche,- königliche - und fürstliche Personen wurden mit vierspännigen Extraposten weiterbefördert. Zur Messe in Frankfurt mußten die Bewohner von Vietz, Balz und Pyrehne Gespanne stellen. Am 1. Oktober 1857 wurde die Ostbahn eröffnet und am 12. Oktober des gleichen Jahres hob die Behörde die Balzer Post auf, um sie nach Vietz zu verlegen. Vietz kann daher in diesem Jahre den siebzigsten Jahrestag als Postort feiern. Zuerst wurde die Post im Hause des Händlers Borchardt, Cüstriner Straße, untergebracht, aber bald wegen schlechten Weges nach dem Bahnhof verlegt. Das Personal bestand damals aus dem Vorsteher, einem Paket- und Ortsbriefträger und fünf Landebriefträgern. Die Telegraphenstation wurde am 1.April 1876 errichtet. Am 1. Oktober 1877 wurde die Post in das jetzt Haßforthsche Hotel verlegt, wo sie bis zum 1. April 1896 blieb. An diesem Tage zog sie in das Neuerbaute Postgebäude am Markt, das sie bald gegen ein zureichendes Gebäude eintauschen wird. Die Zahl der aufgegebenen Briefe betrug 1896: 115128, 1913: 313400, 1926: 428890. An eingegangenen Paketen wurde gezählt 1896: 12272, 1913: 22548, 1926: 31689. Die Zahl der abgegangenen Pakete belief sich 1896 auf 7228, 1913 auf 12310 und 1926 auf 10633. Schecks und Postanweisungen wurden eingezahlt 1896: 5074, 1913: 11776, 1926: 15265. Ausgegeben wurden an Anweisungen und Schecks 1896: 13703, 1913: 29441, und 1926: 39677. An Orts- und Ferngesprächen wurden gezählt 1913: 33574 bzw. 9734, 1926: 62853 bzw. 42194.
Derbgesteigerte Verkehr auf der Post hat ergeben, daß das von der Post zurzeit bewohnte Gebäude den Anforderungen nicht mehr entspricht. Außerdem ist es unmöglich, das zur wirtschaftlichen Notwendigkeit gewordene Selbstanschlußamt in dem Gebäude unterzubringen. Als störend dürfte auch empfunden werden, daß die derzeitige Garage für die Postautos sich nicht in unmittelbarer Nähe der Post, sondern in der Fischerstraße befindet. wie groß die Raumnot ist, geht daraus hervor, daß die Postverwaltung sich entschloß, um den allergrößten Übelständen abzuhelfen, die Renten im Saale des Hotels „Deutsches Haus“ auszuzahlen. um die Mißstände zu beseitigen, verhandelt die Gemeinde Vietz, die Oberpostdirektion Frankfurt und die Vertreter der Kaufmannschaft, der Industrie und des Handels seit Jahren über einen Postneubau. erst jetzt sind diese Verhandlungen zu einem gewissen Abschluß gelangt, der erkennen läßt, daß die Gefahr einer Errichtung des neuen Postgebäudes in der Eisenbahnstraße, also außerhalb des Ortes, beseitigt ist. Das neue Postgebäude wird wahrscheinlich auf dem Grundstück Bahnhofstraße 8 errichtet werden. Das Grundstück gehört der Gemeinde und war seinerzeit für das zu errichtende Katasteramt bestimmt. Nachdem dieses Projekt nicht zur Durchführung gelangte, lag das Grundstück unrentabel da und wartete seiner neuen Bestimmung. Diese neue Bestimmung ist die zukünftige Post! Als Bauherr tritt die Gemeinde Vietz auf, die das neue Gebäude entsprechend den Plänen und Wünschen errichtet und dann an die Postverwaltung vermietet. Die Kosten stehen zwar nicht fest, doch wird schätzungsweise mit einem Betrag von 80000 M. zu rechnen sein. Wird der Neubau die angenommene Summe erfordern, so ist mit Gewährung einer Hypothek von der Post in Höhe von 60 Prozent, 4800 M. zu rechnen, so daß die Gemeinde nur 40 Prozent der Baukosten durch anderweitige Anleihen oder sonstige Einkünfte aufzubringen hätte. Der Zinssatz für die Posthypothek beläuft sich nur auf 6 Prozent. Im übrigem ist damit zu rechnen, daß der Betrag für Verzinsung und Amortisation der Anleihen durch die Miete aufgebracht wird. Auf dem vorgesehenen Grundstück wird die Gemeinde auch zeitgemäße Garagen für die Postomnibus, Autos usw. errichten müssen, die jetzt nur provisorisch untergebracht sind. Die Post bringt heute die Sendungen nach den näher und entfernter liegenden Ortschaften der Umgebung, die früher zum Teil eigene Agenturen hatten. Erinnert sei an Balz, Neu- Balz, Kleinheide, Massin und an die vor zwei Jahren eingerichtete Autobuslinie nach Charlottenhof - Ludwigsruh, die auch günstige Postverbindung über Vietz nach Splintersfelde, Diedersdorf, Tornow, Briesenhorst usw. brachte. Es steht heute schon fest, daß in das neue Postgebäude ein Selbstanschlußamt eingebaut wird, das mit der Vollendung des Neubaues eröffnet werden dürfte. Nach den vorliegenden Plänen wird der Verbinder auf dem Markt errichtet werden, und zwar dort, wo gegenwärtig der Kandelaber steht. es ist anzunehmen, daß der Verwaltungskreis des Postamtes die Inbetriebnahme des neuen Gebäudes noch erweitern wird. wahrscheinlich werden weitere Autos und Omnibusse in Dienst gestellt werden müssen, um den ungünstiger gelegenen Orten die Postsendungen möglichst schnell und oft zuzustellen. Nach Fertigstellung der Brücke bei Fichtwerder und nach Vollendung der vorgesehenen Chaussee Vietz - Fichtwerder wird es möglich sein, die Ortschaften Kleinheide, Pyrehne, Fichtwerder, vielleicht auch die Orte bis einschließlich Kriescht, die eine schlechte Postverbindung haben, von hier aus zu versorgen. Mit dieser Postverbindung dürfte gleichzeitig eine Personen und Güterbeförderung, wenn auch nur im beschränktem Maße, möglich werden. Geplant ist auch, zu bestimmten Vorstellungen im Landsberger Stadttheater von Vietz aus Postsonderfahrten einzurichten. Die Fahrkosten sollen etwa denen der Eisenbahn dritter Klasse entsprechen. Unterwegs können noch weitere Fahrgäste aufgenommen werden. Die Landsberger Theaterleitung will diesen Besuchern eine Ermäßigung auf die Eintrittspreise einräumen. Diesem Plan wird von allen Seiten großes Interesse entgegengebracht, entspricht doch seine Durchführung einem lang gehegtem Bedürfnis. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Durchführung des Postneubaues nicht nur bestehende Mißstände beseitigt, sondern auch Möglichkeiten ergibt, an deren Ausschöpfung sowohl die Postverwaltung, als auch das Publikum stark interessiert sind.   -og.-