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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Die Vietzer Kusseln
Neumärkische Zeitung   14. April 1932

In diesen Blättern ist auf verschiedene Merkmale von Vietz und Umgebung hingewiesen worden, allein auf eine besondere Sehenswürdigkeit in der Nähe unseres Ortes hat man noch nicht aufmerksam gemacht. Gerade auf diese Seltenheit müßte ganz besonders hingewiesen werden, denn oft dürfte man schwerlich einen ähnlichen Kiefernwald finden, wie in den „Vietzer Kusseln“. In anderen Orten sieht man wohlgepflegte Parkanlagen und in deren Umgebung Waldbestände mit schlank gewachsenen Bäumen, welche die Freude des Forstamtes bilden, während bei uns ein wild herangewachsener Hain sie Freude des Naturfreundes bildet.
Auf elendem Sandboden, der an manchen Stellen zu kleinen Hügeln zusammengeweht worden ist, hat sich in vielen Jahrzehnten die Kiefer emporgequält, ohne Zucht des Hegers, und gerade dadurch sind die abenteuerlichen Formen, welche man bewundern kann, entstanden. Da sieht man häufig aus einer Wurzel neue Stämme sich entwickeln, die nach allen Seiten unter vielen Krümmungen in die Höhe gehen und an einer Stelle aus einer Wurzel herauswachsen. Da man bisher wenig Säge und Axt angelegt hat, so ist ein Wald entstanden, wie ihn der Naturfreund sicherlich nicht häufig sehen wird.
 Wenn der Besucher von der Massiner Chaussee zur Charlottenhofer Pflasterstraße durch die „Kusseln“ seinen Weg nimmt, wird er viele Bäume finden, die zunächst ein bis zwei Meter an dem Boden entlang zu kriechen scheinen, um dann unter den verwunderlichsten Windungen emporzustreben. Es gibt auch Kiefern, die erst leidlich gerade nach oben wachsen, dann sich aber in drei oder vier Stämme zerteilen und manchmal einer um den anderen sich windend in die Höhe gehen.
Zum Glück hat die „bessernde Hand“ des Menschen noch nicht zuviel von dieser Ursprünglichkeit vernichtet, so daß noch genügend Prachtexemplare mit den schönsten Verkrümmungen zu beobachten sind. Wenn nur das Vorhandene so erhalten bleibt, wie es zur Zeit dasteht, dann wäre für Vietz eine Sehenswürdigkeit sichergestellt, wie sie wohl anderweitig selten zu finden ist.