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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus der Geschichte des Ortes Vietz.
Neumärkische Zeitung   21. November 1926

Seinem Namen verdankt Vietz jenem kleinen Flüßchen, daß den Ort, aus den nordwestlichen Waldgebieten kommend, durchschneidet, um den südlich, neben der Straße zur Vietzer Ablage, in den Massow - Kanal zu münden. Er ist wendischen Ursprungs und bedeutet soviel, wie sich winden, sich drehen. Genannt wird der Ort erstmalig um etwa 1250, und zwar gehörte er damals zu den Gütern des Templer - Ordens. Unter den Einfällen der Polen, Litauer und Wallachen, die die Neumark wiederholt verwüsteten, hatte der Ort sehr zu leiden. Auch die Einwohnerzahl wurde merklich gelichtet. Später kam dann Vietz als Klosterdorf zu Einmalstädt, das von Zisterzienser- Mönchen verwaltet wurde. Wahrscheinlich haben auch die Hussiten hier gehaust, als sie in den Jahren 1427 bis 1433 in die Neumark einfielen und die Städte Landsberg, Soldin, Königsberg, Friedeberg sehr zu leiden hatten. Im Jahre 1535 wurde durch den Markgrafen Johann die lutherische Lehre eingeführt. Während des dreißigjährigen Krieges litt der Ort wiederholt unter den Einquartierungen, die ihm die Durchmärsche kaiserlicher Truppen brachten. Wallensteins Hauptquartier war, als er Landsberg belagerte, gleichfalls in Vietz. Um etwa 1750 dürfte der Ort eine Kirche erhalten haben, die dann im Jahre 1806, als zwei Drittel des Ortes von den Franzosen eingeäschert wurden, verbrannte. 1810 wurde an derselben Stelle eine neue Kirche errichtet, und zwar aus Holz, die dann 1878 der jetzigen Kirche weichen mußte. Bis 1843 gehörte zur Parochie Vietz die Orte Scharnhorst, Radorf, Bolz und Kleinheide, doch wurden die beiden letzteren davon abgezweigt. Bereits vor Beginn des Siebenjährigen Krieges begann der alte Fitz mit der Trockenlegung des Oder- und Warthebruchs. Vollendet wurde dieses Kulturwerk, dem Vietz ein gewisses Aufblühen zu verdanken hat, erst nach dem großen Schlesien- Krieg. Auch die Errichtung der Schmelze gehörte zu den wirtschaftlichen Neuerungen, die der König einführte. Sie erfolgte im Jahre 1753, weil in der Umgebung des Ortes Raseneisenerz gefunden wurde, und wegen der günstigen Lage des Ortes. Die ersten Eisengießer zog der König aus Württemberg heran. Während des Siebenjährigen Krieges lieferte die Vietzer- Schmelze den größten Teil der benötigten Kugeln. Aus der damaligen Zeit stammt noch ein Teil der Umfassungsmauern und die alte Eisen-Waage. Nach der Schlacht bei Zornsdorf, in den Augusttagen des Jahres 1758, brannten die Russe, neben vielen anderen Orten, die unmittelbar an der Heerstraße gelegene Schmelze nieder. Aber bereits 2 Jahre später konnte die Waffenfabrikation in vollem Umfang wieder aufgenommen werden. Am 1. Juli 1859 verkaufte die Regierung das Werk, wegen Unrentabilität, an die Familie Hoffman. Seitdem werden dort Maschinen für Landwirtschaft und Holzbearbeitung gebaut, sowie für auswärtige Maschinenfabriken Qualitätsguss  geliefert. Unter den Durchmärschen, die der siebenjährige Krieg in der Folgezeit brachte, hatte Vietz mehrfach zu leiden. Schlimm wurde es auch als die Franzosen nach der Einnahme von Cüstrin die Neumark durchzogen. Fast sämtliche Einwohner flüchteten damals in die Wälder. Im Jahre 1849 brannte der im siebenjährigen Kriege stehen gebliebene Teil des Ortes nieder. In den Jahren 1853, 1861 und 1866 wüteten Cholera, Scharlach und Pocken derart, daß viele Familien ausstarben. Vielfach hatten die Einwohner auch unter den Überschwemmungen zu leiden, die das Warthewasser oft bis zur Peripherie des Ortes führten, sämtliche Ländereien unter Wasser setzend. 1857, als die Bahnlinie dem Verkehr übergeben wurde, erhielt Vietz eine eigene Postanstalt. Das jetzige Schulgebäude wurde um die Jahrhundertwende errichtet. Das neue Rathaus wurde im Jahre 1910 errichtet, da das alte in der Bahnhofstraße gelegene Gebäude den Anforderungen der Neuzeit nicht mehr genügen konnte. Daß Vietz der Sitz eines Amtsgerichtes wurde ist nicht zuletzt ein Verdienst des verstorbenen Rittergutsbesitzers Georg von Klitzing, Charlottenhof, Anträge an die Regierung wurden bereits im Jahre 1877, und von da an wiederholt gestellt. Erfolg hatten diese erst 1905. Fertig wurde das Gebäude, das der Gemeinde gehört, 1908, und am 1.Oktober desselben Jahres konnte das Gericht mit dem Dienstbetrieb beginnen. Die Bodenschätze brachten es mit sich, daß in und um Vietz eine Industrie eigenen Gepräges erstand. Der Boden ist sehr ton- und lehmhaltig und liefert für Ziegel und Kachel ein gutes Rohmaterial. Andererseits bieten die Schneidermühlen große Verdienstmöglichkeiten. Zweifellos hat der Ort eine gute Zukunft. Die Gründe sind  mannigfacher Art, treten aber in der stetig zunehmenden Industrie am augenscheinigsten in Erscheinung. Eine gewisse geschäftliche Belebung wird auch eintreten, wenn die neue Autostraße, die Berlin mit dem Osten verbindet, hergestellt ist, und wenn- vor allen Dingen- endlich zum Bau der Warthebrücke, bei Vietz, die zur dringenden wirtschaftlichen Notwendigkeit wurde, geschritten wird. Dem derzeitigen Amts- und Gemeindevorsteher Schäfer, sowie den überaus rührigen Gemeindevertreter, hat die Einwohnerschaft hinsichtlich der gegenwärtigen Blüte des Ortes viel zu danken. Fleißig arbeiten sie an der Ausgestaltung und Hebung des Ortes, und auch die Belebung der Bautätigkeit ist ihr Verdienst. Erst der kommenden Generation werden die Erfolge der gegenwärtigen Männer als reife Frucht in den Schoß fallen. Möge diese dann eingedenk dessen bleiben, in welch schwerer Zeit wirtschaftlicher Not der Grundstein ihres Wohles gesetzt wurde.