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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Alexandersdorf, die erste Warthebruchkolonie.   
Neumärkische Zeitung   26.Oktober 1926

(Schluß)
Wie alle Orte der damaligen Zeit, so war auch die junge Kolonie zwangsmahlpflichtig, und zwar in der Obermühle bei Schwerin. Die Zusicherung, sich eine eigene Mühle erbauen zu dürfen, war daher als eine besondere Vergünstigung aufzufassen. Doch scheint der Plan erst nach hundert Jahren verwirklicht worden zu sein; denn 1721 führten die Nachfolger der v. Rülicken Beschwerde, weil die Polen eine Wassermühle gebaut und als Stau die Wiesen der Pollychener Einwohner benutzt hatten. Diese Mühle ist heute nicht mehr vorhanden; sie lag an dem bereits erwähnten Mühlengraben, dort, wo der von Pollychen nach Johanneswunsch führende Weg ihn kreuzt. Westlich des Weges, nördlich des Grabens, findet der jetzige Besitzer des Grundstückes, Herr Götzke (dem auch an dieser Stelle für freundliche Auskunft Dank gesagt sei), noch beim Pflügen Reste der Wassermühle, auch ist man im Graben an dieser Stelle wiederholt auf Pfahlreste vom Mühlenwehr gestoßen. Das besonders niedrig gelegene Gelände zwischen dem Johanneswunscher Wege und der Chaussee Lipke- Morrn mußte als Mühlenteich dienen, während bis dahin die Pollychener  es als Wiese und Weide genutzt hatten, und das sollte sie nicht ärgern? Noch bis in die neueste Zeit waren dort die Reste eines Teiches zu sehen. Wann die Mühle eingegangen ist, konnte nicht festgestellt werden. Später standen dicht nördlich von dieser Mühlenstätte auf den beiden Sandhügeln rechts und links der Straße Windmühlen; die westliche ist schon vor geraumer Zeit abgebrannt, man sagt, durch Selbstentzündung; es findet sich keine Spur mehr von ihr, der Hügel ist seit langem aufgeforstet. Die östliche wurde 1910 durch Blitzschlag eingeäschert; einige Fundamentreste und ein Brandgeschwärzter Mühlstein zeigen auf einer Waldhöhe ihren Standort an. Es ist die Höhe 38, die höchste Erhebung auf der Alexandersdorfer Feldmark; von ihr genießt man einen herrlichen Rundblick, der leider nach einigen Richtungen bereits durch die aufstrebenden Kiefern beeinträchtigt wird. Seit drei Jahren hat Alexandersdorf wieder eine Mühle; der Besitzer Krüger im „großen Holländer“ hat eine elektrische Mahlmühle errichtet. Auffällig ist ferner die Belohnung der ersten Ansiedler durch Zuweisung von zinsfreiem Land, was bei anderen Kolonien, soweit mir deren Gründungsurkunden zugänglich waren, nicht geschah; es erinnert uns an die im 13. Jahrhundert bei den neumärkischen Städtegründungen übliche Ausstattung der Lokatoren mit einer die übrigen Bürger überragenden Hufenzahl. Die Besiedlung des Ortes scheint nicht auf einmal erfolgt zu sein; auch 1637 wurden noch einige Holländereien von den Polen angelegt; 1667 wurde zwischen den Rülicken und dem Schloß Meseritz vereinbart, daß die Holländer auf dem Morrnschen Revier kein Holz weiter ausroden noch die Waldungen durch neues Landreißen verwüsten sollten (Eichholz, Beiträge zur Geschichte des Rittergutes Morrn, Neumark, 1. Jahrgang); doch kehrten sich die Polen nicht lange an diese Abmachung, noch 1700 wurden Holländer angesetzt, die Wald roden mußten. Um ihre Grundstücke wenigstens im Sommer vor Überschwemmung zu schützen, haben die Kolonisten, ob mit oder ohne Unterstützung des Schlosses Meseritz, war nicht zu ermitteln, einen so genannten Sommerwall aufgeführt, dessen Reste noch heute besonders im „kleinen Holländer“, erkennbar sind. Er begann auf dem höher gelegenen Gelände nördlich Morrn, zog sich hart westlich der Gehöfte des „großen Holländers“ entlang, ging dann wahrscheinlich zum „kleinen Holländer“ hinüber und endete beim Dorfe Pollychen. Dieser Damm hat sogar in der Geschichte des 30järigen Krieges eine Rolle gespielt. Am 8. Oktober 1633 kam der kaiserliche Oberst Graf v. Götzen vor Landsberg an und wollte nach Norden übersetzen, was ihm aber verweigert wurde. Da begann er am 19. Oktober mit dem Bau einer Schiffsbrücke bei Borkow; es schien, als wolle er dort die Warthe überschreiten, um nach Driesen zu gelangen. Sofort ließ die Regierung, um seinen Übergang zu verhindern, den Warthedamm bei Alexandersdorf durchstechen; doch das Vorgehen in der Richtung auf Driesen war nur ein Scheinmanöver gewesen. Die Polen in Schwerin stellten den Kaiserlichen eine Fähre bereit, die in der Nacht vom 24. zum 25. Oktober still an Zantoch vorbei gebracht und bis Zechow gefahren wurde. Dort setzten nun 1000 Reiter über (die Pferde schwammen neben der Fähre ); die 200 Mann, die in der Zantocher Schanze lagen, wurden überrumpelt und ohne Gnade niedergemacht, so daß nur der Major und fünf Mann entkamen; und bereits am 26. ergab sich Landsbergs Garnison. (Nach Schwarz, Die Neumark während des 30jährigen Krieges.) Ein  vom Besitzer Quast (neben der Kirche) 1922 beim Bau einer neuen Scheune gehobener Schatz rührt nicht, wie zuerst vermutet wurde, aus der Zeit des 30jährigen Krieges her, sondern ist erst in späterer Zeit vergraben worden. Dicht unter dem Boden der alten Scheune stieß man auf zwei kleine Töpfe, die mehrere Hundert Silbermünzen enthielten, Diese zeigten die Prägungsjahre 1615- 1705; vertreten waren Preußen (Friedrich Wilhelm), Österreich- Ungarn- Steiermark (Leopold), in einigen Exemplaren auch Braunschweig- Lüneburg (Friedrich und Christian Ludwig), zumeist aber Polen (Johann Kasimir). Der Schatz kann also erst nach 1705 oder ehestens in diesem Jahre verscharrt worden sein. Die beiden Gefäße wurden dem Museum in Landsberg überwiesen, die Münzen teils vom dortigen Museum, teils vom Münzkabinett der Staatlichen Museen in Berlin erworben. Es scheint aber, als ob man die Bruchgegend während jener langen Kriegswirren doch für sicherer gehalten habe als die Orte nördlich der Netze- Warthe- Linie; denn eine Notiz in den Gralower Pfarrakten besagt, daß die 1917 dem Weltkrieg zum Opfer gebrachte Zantower Glocke, die 1596 gegossen (1850 umgegossen) worden war, zur Zeit des 30jährigen Krieges ins „Holländerbruch zum Küster“ in Sicherheit gebracht wurde. Wie bemerkt, handelte es sich bei dem Deich nur um einen Sommerdeich, deshalb hatte Alexandersdorf häufig, bei hohem Wasserstande auch im Sommer, unter dem Hochwasser zu leiden. Darum gründete man 1854 den Morrn- Pollychener Deichverband und schüttete im folgenden Jahren von Kiewitz südlich Morrn bis nördlich Pollychen einen höheren Deich, und zwar so weit westlich des Alten, daß auch das Eichführ mitgeschützt wird. Um 1770 seufzten „die Holländer“ unter schweren Abgaben, die sie an Polen zu entrichten hatten und durch die sie fast bis zur Armut ausgezogen  wurden. Da machte die erste Teilung Polens allem Grenzstreit ein Ende; die ganze Feldmark Moorn und Alexandersdorf blieben fortan bei Brandenburg. Zum Schluß mögen noch einige Flurnamen und ähnliches erwähnt werden. Das Gelände östlich des Mittelgrabens, zum Teil niedrig gelegene Wiesen, heißt im großen Holländer „die Bülten“, ein westlich des Grabens liegender höherer Streifen Landes wird „die Horsten“ genannt, weiter südlich, schon auf Morrner Gebiet übergehend, ist der „Brodden“. Das größte, östlich des Johanneswunscher Weges liegende Gehöft führt die Bezeichnung „Schäferei“. Es war tatsächlich früher eine Schäferei des Gutes Eichführ. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde Gut Eichführ von dem damaligen Besitzer v. Janowsky veräußert, er baute sich auf der Schäferei ein geräumiges Wohnhaus und siedelte dorthin über. Nach Angabe des gegenwärtigen Besitzers Herrn Griese gehören zu dem Besitztum einschließlich Waldung etwa 250 Morgen. An einer Seite des Guthofes steht die stärkste  Eiche des Bruches; sie misst in 1 Meter Höhe 6,35 Meter Umfang, während die zweitgrößte, auf dem neuen Friedhof stehende nur 6 Meter Umfang hat. Wenn diese Riesen erzählen könnten, von wie viel Freude und Leid, von wie mancher Überschwemmung und Not, von wie viel hoffnungsfroher Arbeit, aber auch schwerer Enttäuschung der Bruchbewohner würden sie zu berichten wissen! Es dürfte sich lohnen, beide Veteranen der alten Zeit als Naturdenkmäler zu schützen. Wohl zur Erinnerung an die verschwundenen herrlichen Eichenwälder zeigt das Gemeindesiegel einen Eichenzweig mit drei Eicheln. Den im Weltkrieg gefallenen Söhnen des Ortes hat die dankbare Gemeinde auf dem neuen Friedhof ein würdiges Denkmal errichtet. Es trägt die Inschrift: „Weltkrieg 1914- 1920. Unseren Helden in Dankbarkeit gewidmet von der Gemeinde Alexandersdorf“. Auf der Rückseite liest man die Namen der 23 Gefallenen. An mehreren Stellen, besonders im kleinen Holländer, findet man noch Blockhäuser oder wenigstens Resten solcher. Wahrscheinlich stammen sie aus der Gründungszeit der Kolonie. Sie haben in mehr als 300 Jahren in ihrem Innern gar manche Generation  werden und vergehen sehen, aber ihr Kernholz hat dem Zahn der Zeit, der alles zerstört, bisher getrotzt. Als Entschädigung für abgelöste Waldhütungsrechte erhielten die Alexandersdorfer Besitzer vor etwa 70 Jahren je einige Morgen vom so genannten „Busch“ am Johanneswunscher Weg.