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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Alexandersdorf, die erste Warthebruchkolonie
Neumärkische Zeitung     24. Oktober 1926

Chronikalisches, von Häuseler (Zantoch)
1. Teil
Am Wege Pollychen - Morrn, von jedem dieser alten Dörfer etwa zwei Kilometer entfernt, zieht sich in fast genau Nord - Süd Richtung vier Kilometer lang die Kolonie Alexandersdorf hin. Sie ist in zwei Reihen angelegt, zwischen denen sich in einer Einsenkung der Mittelgraben oder Kanal hindurch zieht; er sorgt zusammen mit dem Wiesengraben, dem östlich des Kanals angelegten Heftgraben und dem von Johanneswunsch kommenden Mühlengraben für die Entwässerung des Bruches. Der südwestliche Teil der Kolonie heißt bei den Einheimischen „das große“, der nordöstliche „das kleine Holländer“. Etwa in der Mitte des lang gestreckten Ortes, im großen Holländer, liegen Gotteshaus und Schule. Alexandersdorf ist die älteste Warthebruch - Kolonie, hart am Rande des Bruches gelegen. Ehe die Gegend befriedet wurde, war das Bruch morastig, mit Busch und Wald, darunter herrlicher Eichenwald, bestanden. Einige Teile des Bruches konnten im Sommer als Hütungsfläche oder zur Heugewinnung genutzt werden. Eine größere Zahl von Bäumen hatten Pollychener und Morrner Zeidler zu Beutenbäumen hergerichtet. Die heutige Feldmark von Alexandersdorf…(unleserlich) hörigen Netzebruch- und Warthebruchgebiete) war in alter Zeit Zubehör zum Schlosse Zantoch und hat daher meistens die wechselvollen Schicksale desselben geteilt. Als am  16. Februar 1296 der polnische  König Premisl von seinem eigenen Gefolge ermordet wurde und daraufhin in Polen allerlei innere Kämpfe ausbrachen, machten sich die Markgrafen von Brandenburg das zunutze und eroberten die Burg Zantoch und das südlich davon gelegene, zur Burg gehörige Gebiet bis nach Meseritz hin. Der südliche Teil des eroberten Landes ging wohl bald wieder verloren, aber Zantoch, Pollychen, Morrn, das Lipker Gebiet und also auch die Flur des heutigen Alexandersdorf blieben märkisch.(Das östlich von Alexandersdorf heute liegende Johanneswunsch bestand damals ebenfalls noch nicht; es wurde erst 1788 angelegt.) 1353 gaben die brandenburgischen Markgrafen die Festung Zantoch an Betkin v. Ost ab; als er 1360 starb, übernahm sein Sohn Dobirgost von Ost. Dieser bekannte sich als Vasall der Krone Polen und nahm die Schlösser Driesen und Zantoch als polnische Lehen. Damit kam also auch die Feldmark von Alexandersdorf  vorübergehend wieder an Polen. Während die Burg Zantoch bald wieder zurück erobert wurde, blieb das Gebiet südlich Pollychen noch lange umstritten. Endlich einigte man sich dahin, daß Morrn, und damit die Flur des jetzigen Alexandersdorf halb polnisch, zum Schlosse Meseritz gehörig und halb märkisch, als Perinenz zum Schloß Zantoch gehörig, sein sollte. Mit der Herrschaft Schloß Zantoch wurden 1499 die v. Rülicke belehnt, die nun, solange sie diese Herrschaft besaßen (bis nach dem 30jährigen Kriege), in dauernden Streit mit den Polen lagen. Der Ausdruck „halb polnisch und halb märkisch“ will nicht besagen, daß Morrn und die Feldmark Alexandersdorf in Wirklichkeit geteilt worden sind; vielmehr haben beide unter der gemeinschaftlichen Verwaltung derer v. Rülicke und des Starosten von Meseritz gestanden. Es scheint aber, als ob zeitweise, besonders zu Anfang des 17. Jahrhunderts und zur Zeit des 30jährigen Krieges, als die v. Rülicke häufig von Hause abwesend sein mußten, die Polen sich völlig als die alleinigen Herren des ganzen Gebietes bis an die Pollychener Grenze gebärdet haben. So ist es auch erklärbar, daß 1608 der Landreiter Steffen Puchner in seiner „Relatin“ über den Landsberger Kreis zwar Pollychen und Lipke, nicht aber Morrn erwähnt. Und daher ist auch die 1613 ausgefertigte Gründungsurkunde von Alexandersdorf nur von dem Starosten, nicht aber von den Rülicken unterzeichnet, ja er erwähnt sie und ihre Anrechte in der Urkunde nicht einmal. Die Gründungsurkunde lautet: Alexander Barowski, Staroste zu Meseritz, demnach aus meiner adelichen und starosteilichen Schuldigkeit höchst nötig zu sein erachtet, daß die Einkünfte der Respublique Güter in allen Stärken vermehrt werden möchten, habe einen nicht brauchbaren sumpfigen und verwilderten Ort in dem Busche Splawy genannt, in meiner Staroste Meseritz am Grund des Dorfes Morrn, zu der Starostei gehörig, angetroffen. Deshalb habe er ernstlich überlegt und solchen Ort zu Ausrodung und Besitzung einigen Holländern auf solche Condition überlassen. Zuvörderst nachdem sie an dem Orte, Splawy genannt, so ihren von meinem Podstarosten angewiesen worden, am Ende der Hufen des Dorfes Jastreblec ihren Sitz genommen, sollen sie ordentlich ihre Hufen in der Länge dreißig Morgen und in der Breite zehn Morgen, nach preußischen Maßen gewissenhaft ausgemessen, nach der Schloßwiese zu nach Ausrodung des Busches und Ausführung des Morastes hinausführen, jedoch die Wiesen und Beuten unbeschadet, und wo ferne einige Beuten auf ihren Hufen sich finden sollten, so sollen sie sich deshalb mit den Zeidler vergleichen, damit das Schloß in Honigpacht keinen Schaden leide. Welches Dorf, vom Ende der Hufen des Dorfes Jastrebiec durch andere Holländer besetzt und, Alexandrowo genannt, soll in sich haben nach preußischen Maß 40 Hufen, und von jeder Hufe sind sie schuldig jedes Jahr auf St. Mariä Reinigung oder Lichtmeß aufs Schloß Meseritz zu ewigen Zeiten 25 polnische Gulden, schreibe fünfundzwanzig polnische Gulden, jeden Gulden zu 30 Groschen gerechnet, abzugeben, jedoch wegen vollkommener Aufbauung ihrer Gebäude vergönne ich ihnen auf 3 Jahre vollkommene Freiheit von allen und jeden Zinsen, und wenn die 3 Jahre ihrer Freiheit von dato an zu Ende laufen, so sind sie schuldig, oben erwähnte Zinsen, von jeder Hufe 25 Gulden polnisch, uns abzugeben. Aber von allen und jeden Reisen, Arbeiter, Scharwerken sind sie zu ewigen Zeiten frei. Bei ihrer Religion sollen sie erhalten werden, jedoch daß sie keine Macht haben mögen, sich eine Kirche ihres Glaubens aufzubauen, ausgenommen, wenn sie von Gott zum wahren Glauben gebracht würden. Ich vergönne diesem Dorfe auf ihren ausgemessenen Hufen alles Holz, ausgenommen die Beute und die gewachsenen Bäume zu Aufbauung ihrer Wohnung und Nutzen anzuwenden, zu Ausbauung ihrer Stuben Kiefernholz in der Schloßheide, so was zu finden, zu Notdurft, freie Hütung für ihr Vieh ohne Nachteil der Wiesen, wenn sie verboten, und des Getreides; freie Fischerei in Ihren Teichen, und Bienen zu halten in ihren Gärten. Allerhand Handwerker in diesem Dorf zu halten ist erlaubt, in gleichen Bier zu holen nach ihrem eignen Belieben, jedoch bleibt das Brauhaus und der Krug zur Schänke in diesem Dorfe zum Nutzen des Schlosses. Sie sollen Freiheit haben, das Getreide und Zuwachs von ihren Äckern und nach ihrem eigenen Gefallen zu Wasser und zu Lande allenthalben (zu) verkaufen, in gleichen ihre Hufen wieder anderen Holländern, jedoch mit darauf gesetzten Zins. Anbei sind sie schuldig, 2 Candidaten zum Schulzen zu erwählen und dem Schlosse zu repräsentieren, von welchen einen das Schloß approbieren wird, von welchen sich das Dorf richten lassen (soll), jedoch soll jedem Teil freistehen die Appelation aufs Schloß. Das Dorf ist schuldig, in der Obramühle zu mahlen, bis sie sich die neue Mühle an dem Ort Mymelshear oder Mühle genannt, nicht aufgebaut haben, jedoch nach Aufbauung derselben sollen sie ihre Meße nach Einrichtung des Schlosses abgeben. Zur Vergeltung ihrer Arbeit derjenigen, so das Dorf zu besetzen angefangen, gebe ich zu ewigen Zeiten zum Besitz und Nutzen eine Hufe Land. Zum Besitz und Nutzen eine Hufe Landes, neben den 40 Hufen auszumessen den arbeitsamen Michael Mischker, Martin Witten, Jochim Dezyr, Jakob Dost, Jakob Lyrett Holländern  und Nachkommen, Welche Hufe unter sich zu teilen sie frei haben sollen und selbige ohne einigen Zins förderlich genießen und besitzen. Zu desto mehrerer Gewißheit verspreche ich ihnen den königlichen Consens hierüber zu verschaffen, als welche Privilegium ich jetzt mit eigner Hand unterschreibe und mit meinem Insiegel besiegeln lassen.
Gegeben auf dem Schloß Meseritz den 1. September im Jahre Christi 1613.
Alexander Zborowski
M.S.Z Rytwian m. ppr.

Soweit die Gründungsurkunde, die nach der im Schulzenamt aufbewahrten Abschrift wiedergegeben ist. Einiges in ihr Bedarf für den Fernerstehenden der Erläuterung. Der Ort hat also seinen Namen Alexandrowo nach dem Vornamen des Starosten  von Meseritz erhalten, doch scheint noch lange Zeit hindurch die Bezeichnung  „Morrner Holländer“ für den Ort üblich gewesen zu sein, und erst in neuerer Zeit hat sich der Name Alexandersdorf durchgesetzt. Doch hört man auch jetzt noch häufig: „Er wohnt im Holländer“, und daher auch noch heute die bereits erwähnte Unterscheidung in großes und kleines Holländer. Die als „Holländer“ bezeichneten  Ansiedler waren nicht etwa aus Holland herbeigerufene Kolonisten, sondern diese Bezeichnung besagt lediglich, daß diese Leute „ nach holländischer Art“ wirtschaften wollten.