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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Landrätliche Bekanntmachung
Landsberger Kreisblatt 15. Mai 1849

Die neuerdings erfolgte Einziehung von Landwehr - Mannschaften macht es zur unabweislichen Pflicht, daß die Hinterbliebenen bedürftigen Frauen und Familien derselben die nöthige Unterstützung erhalten.
Der vor mehreren Monaten gebildete Unterstützungsfonds für Landwehrfamilien ist durch die aus demselben gewährten Unterstützungen ganz erschöpft, und es muß darauf Bedacht genommen werden, demselben durch neue Beiträge wieder zu ergänzen.
Mit Bezug auf die Amtsblatt - Bekanntmachung des Herrn Regierungs - Präsidenten zu Frankfurt a.d.O. vom 8. Mai (Außerordentliche Beilage zu Nr. 19 des Amtsblatts) ersuche ich daher die Gutsherrschaften und Gemeinden angelegentlich, sich der Sammlung von Beiträgen für dürftige Landwehrfamilien und Frauen zu unterziehen und über den Erfolg derselben unter Einsendung des Betrages binnen 14 Tagen zu berichten.
Die eingegangenen Summen werde ich durch das Kreisblatt veröffentlichen. Daß sich die reclamirten und zurückgestellten Landwehrmänner bei dieser Sammlung nach Kräften mit betheiligen werden, glaube ich nicht bezweifeln zu dürfen.
Um den Zweck vollständig zu erreichen, empfehle ich vorzugsweise die Bildung von Unterstützungsvereinen, an welchen besonders die Herren Rittergutsbesitzer, Geistlichen, Schullehrer und überhaupt alle wohlhabenden Kreis Eingesessenen Theil nehmen werden, um auf die Mildthätigkeit den nöthigen Einfluß zu üben und solche stets rege zu erhalten, auch den Gemeinden dabei mit Rath und That an die Hand zu gehen.
Wo sich dergleichen Vereine gebildet haben und ins Leben getreten sind, ersuche ich, mir davon unter Angabe der Mitglieder derselben, gefälligst Kenntniß zu geben, um mit diesen in nähere Verbindung treten zu können.
Nicht aber allein durch bare Unterstützung ist dem Nothstande der Landwehrfamilien Abhülfe zu verschaffen; es können auch noch dem Staatsministerial - Beschlusse vom 19. August v. J. die Gemeinden folgende Begünstigungen und Naturalgewährungen für selbige eintreten lassen:

1) Befreiung von Gemeindelasten, während der dienstlichen    
    Abwesenheit des Familienvaters;
2) Befreiung vom Schulgeld;
3) Unentgeltliche ärztliche Pflege und Arznei für erkrankte
    Familienglieder;
4) Unentgeltliche Verabreichung von Brennholz, Streuling, Viehweide,
    usw., insoweit dergleichen Naturnutzung vorhanden ist;
5) Unterstützung durch Bearbeitung ihrer Grundstücke;
6) Unterstützung durch unentgeltlich verabreichte Kartoffeln, Gemüse
    und Brotkorn.

Ich habe Vertrauen zu den Kreis Einsassen, daß dieselben ein williges Entgegenkommen dieser Angelegenheit widmen und dadurch den dürftigen Landwehrfamilien ihre bedrängte Lage mildern werden.

Landsberg a.d.W., den 15. Mai 1849