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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Landräthliche Bekanntmachung
Landsberger Kreisblatt 23. August 1849

Unsere junge Flotte, welche erst neulich in der Nordsee einen Kampf mit dem Geschwader der dänischen Elbblockade ehrenvoll bestanden, die vor Kiel die unzweideutigsten Zeichen einer energischen Thätigkeit wiederholt gegeben, hat nun auch an unserer preußischen Küste unter der Leitung des ruhmvollen Kommodore Schröder, die Ehre unserer Flagge gewahrt. Dürfen wir nicht auf Erfolg stolz sein, die auf solche Art mit so geringen Mitteln erzielt werden? Wie wenig Zeit ist verflossen, seit der Gedanke an Gründung einer deutschen Flotte lebendig wurde? Mit welchen verhältnismäßig beschränkten Mitteln, unter welchen ungünstigen Umständen wurde das vorhandene geschaffen und Größeres vorbereitet. Wahrlich auch der Laie muß jetzt einsehen, daß Deutschland zur Seegeltung berufen ist, und daß es nur der günstigen Zeit, so wie des gemeinsamen Willens bedarf, um das glücklichste Resultat herbeizuführen.  
Um bei unseren preußischen Küsten zunächst stehen zu bleiben, machen, im Verein mit den Strandbatterien, 30 Wohlbewaffnete und ausgerüstete Kanonenboote jeden feindlichen Landungsversuch unmöglich. Das unsere junge Marine bereits gelernt hat, ihren Gegner auf offener See aufzusuchen, hat unser „Adler“ bewiesen, und die übrigen ausgerüsteten Dampfer, so wie unsere jugendliche „Amazone“ werden ihm freudig folgen, sobald sich eine Gelegenheit zum neuen Kampfe bietet, oder diese erzwungen wird.
Und solchen rühmlichen Anfängen gegenüber hat eine österreichische Zeitung die Stirn, zu sagen: Preußen habe den Befehl zur Abtakelung der Reichsflotte gegeben! Das ist eine ebenso hämische als hirnlose Floskel! Preußen abtakeln? Der Wiener Schwätzer gehe nach Swinemünde und sehe, ob das was dort geschieht, abtakeln heißt. Er sehe und schäme sich. Es wird sich dort Alles vielmehr kräftiger regen, und nächstens werden wir in Stettin sowohl als in Danzig den Kiel zu neuen Kriegs- Dampf- Korvetten legen sehen.
Unsere Landsleute werden solche Unternehmungen würdigen; sie werden sie zu rühmen und zu unterstützen wissen. Sie haben es schon gethan. Zeugnisse davon geben die in verschiedenen Städten zusammengetretenen Vereine zur Beschaffung von Geld und anderen Mitteln, um den Bau vaterländischer Kriegsschiffe zu fördern.
Unter diesen Vereinen, denen Allen für ihre patriotischen Bestrebungen der beste Dank gesagt sei, zeichnet sich der Frauen- Verein von Berlin und Potsdam aus, der wegen des Ernstes und der Konsequenz, womit er, trotz der ungünstigen Zeitumstände, seine Zwecke verfolgt, die allgemeine Teilnahme und Anerkennung verdient.
Schon steht eine namhafte Summe zu seiner Verfügung bereit. Um diese zu mehren und endlich den Bau eines Kriegsfahrzeuges beginnen zu können, hat er eine Lotterie von Schmucksachen, Oelgemälden und anderen Kunstgegenständen, das Loos zu 1 Rthlr. Veranstaltet, woran Jeder sich durch Abnahme von Loosen beteiligen und so für die große Sache des Vaterlandes sein Scherflein beitragen kann.
So thue man dazu und lege Hand ans Werk!
Wenn viele redlich das Eine wollen, können sie das Außerordentliche leisten.
Wenn einst der Tag kommt, wo der deutsche Handelschiffer - der sich sonst in bedrängten Zeiten angstvoll nach fremden Beistand umsehen musste, wollte er nicht für gute Prise erklärt werden - jetzt furchtlos seine Segel schwellen lässt, weil die heimische Flagge als ein schützendes Palladium sich vor ihm entfaltet und der Siegesdonner aus den Kanonen unserer Orlogschiffe ihm die Gasse öffnet, dazu wollen wir uns des Werkes freuen, was wir geschaffen haben und es rühmen, daß wir so große Zwecke mit verhältnismäßig so geringen Mitteln erreichten.   
Heinrich Schmidt

Der Frauen - Verein zu Berlin hat mir 11 Stück Loose nebst Programme zu der veranstalteten großen Privat - Landeslotterie, behufs Erwerbung eines vaterländischen Kriegsfahrzeuges als patriotisches Geschenk der Frauen und Jungfrauen an unsere Regierung, zugehen lassen. Der Preis des Looses beträgt 1 Thlr., welcher bei Empfangnahme desselben gleich erlegt wird.
Die Gewinne bestehen in Patriotischen Gaben an Schmuck, Gold- und Silber- Sachen, Bijouterien, Münzen, Kunstgegenständen aller Art, Oelgemälden, Aquarelle, Handzeichnungen, Kupferstichen, Lithographien, Albums, musikalischen, literarischen und illustrierten Werken usw. Kein Gewinn wird unter dem Wert von 1 ½ Thlr. sein. Sämtliche Geschenke, aus welchen die Gewinne bestehen, werden vor der Ziehung öffentlich, mit Bezeichnung der Namen der gütigen Geber, ausgestellt. Die Ziehung geschieht öffentlich. Der Tag derselben, so wie die gezogenen Gewinn- Nummern werden durch die Zeitungen bekannt gemacht werden.
Das namentliche Verzeichnis von den auszuspielenden Geschenken liegt in meinem Büro zu Jedermanns Einsicht während der Dienststunden bereit, und können die Loose gleichfalls in demselben in Empfang genommen werden bis zum 15. September d.J.
Landsberg a.d.W., den 16. August 1849