[../adb/alle.html]
[../stadtplan/plan_1.html]
[../index.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[../adb/ihv_nz.html]
[../adb/impressum.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Landräthliche Bekanntmachung
Landsberger Kreisblatt 2. August 1849

Anleitung  zum zweckmäßigen Verhalten bei der Cholera.
Nothwendigkeit, sich mit der Krankheit bekannt zu machen.

Der Feind, welcher schon mehr als einmal die Grenzen seines Geburtslandes, Ostindiens, überschritten, und zuerst über Russland, und nach und nach über einen großen Theil des mittleren und westlichen Europas sich verbreitet hat, - die asiatische Cholera, hat während des letzten verflossenen Winters fast das ganze Russland abermals durchzogen, und ist mit dem Sommer bis zur Hauptstadt des Russischen Reiches, und im Süden bis nach Galizien vorgedrungen.

Die im Jahre 1831 gemachten Erfahrungen über die Art der Verbreitung dieser gefährlichen  Krankheit rechtfertigen nur zu sehr die Besorgniß, daß sie auch unsere Grenzen binnen kurzem erreichen, und uns größere oder geringere Gefahr bringen werden. Sollte dieser Fall wirklich eintreten, sollten die in den Seehäfen der Ostsee angeordneten Quarantäne Maßregeln das Eindringen der Krankheit nicht zu verhüten vermögen oder sollte sie uns von Süden und Osten her überfallen, wo die Errichtung von Quarantäne Anstalten unmöglich ist und nutzlos sein würde, so wird sie uns wenigstens nicht unvorbereitet treffen und es wird die wirkliche Gefahr, die sie mit sich führt, nicht vergrößert werden durch die Vorspiegelung einer aufgeregten Phantasie, durch welche die Leiden, welche die Cholera Epidemie der Jahre 1831- 1832 und 1837 über uns gebracht haben, um vieles erhöhet worden sind. Möge man dem Feinde, welcher aufgehört hat ein unbekannter zu sein, ruhig ins Auge sehen; die Gefahr abzuleugnen, sich blind gegen sie zu stellen, wäre ebenso töricht, als sich einer übertriebenen Furcht zu überlassen. Vielmehr wollen wir, von der Erfahrung geleitet, eine so genaue Kenntnis als nöthig sein wird, von der Krankheit zu gewinnen bemüht sein; wobei sich die beruhigende, überall beobachtete Thatsache ergibt, daß wenn gleich die höhere Grade der Krankheit der ärztlichen Kunst nicht selten Trotz bieten, doch die niederen Stufen derselben durch angemessene ärztliche Behandlung überwunden werden können und daß es sogar leicht ist, durch ein zweckmäßiges diätisches Verhalten sich gegen die Krankheit zu schützen.
Die nachstehende, dem Anhange zum Reglement über das Verfahren bei ansteckenden Krankheiten vom 28. Oktober 1835 entnommene Beschreibung der Erscheinungen und des Verlaufs der asiatischen Cholera wird den Leser in den Stand setzen, die Krankheit bei ihrem ersten Beginn zu erkennen, und ihr die in den ersten Augenblicken und bis zur Ankunft eines Arztes anzuwendenden Mittel entgegen zu setzen.

Beschreibung der Erscheinung der asiatischen Cholera.
Die Krankheitserscheinungen, welche gewöhnlich den Eintritt der asiatischen Cholera begleiten, bestehen zuerst in einem Gefühl allgemeiner Mattigkeit, einem ungewöhnlichen Kollern im Unterleibe, und dem Gefühl von Kälte und Zittern in den Gliedern, besonders im Rücken, den Ober- und Unterschenkeln. Bald gesellt sich zu diesen Symptomen ein wässriger Durchfall, mit einem sehr lästigen Gefühl von Druck in der Herzgrube, später auch Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.
Anfänglich zeigt der Durchfall nicht auffallendes, und die Ausleerungen sind dunkel gefärbt und übel riechend, und so lange sie diese Beschaffenheit haben, ist keine Gefahr vorhanden; allmählich werden dieselben aber wässriger, geruchlos, ungefärbt, und dem Molken, oder dem Reiswasser ähnlich, und diese Beschaffenheit der Ausleerung ist es, welche den Eintritt der eigentlichen Cholera bezeichnet.
Nicht selten geschieht die Entleerung mit großer Heftigkeit, als wenn Wasser aus einer Gießkanne gegossen würde; die durch das Erbrechen ausgestoßenen Materien sehen gleichfalls weißlich, wie dünner Graupenschleim oder gekochte Hafergrütze, aus, kürzere oder längere Zeit nach dem Eintritt des Durchfalls und des Erbrechens, gesellt sich dazu Kälte und schmerzhafter Krampf in den Gliedern, besonders in den Beinen, große Unruhe und Herzensangst, Unterdrückung der Harnabsonderung.
Gelingt es nicht, der Krankheit Einhalt zu thun, und schreitet dieselbe weiter fort, so werden, unter Fortdauer der angegebenen Erscheinungen, allmählich die Hände, die Nase und die Ohren, die Zunge, und endlich der ganze Körper kalt, das Gesicht wie die Hände und Füße und oft auch andere Theile des Körpers werden blau, die erschlaffte Haut lässt sich in Falten erheben, die nur langsam verschwinden, der Puls wird allmählich schwächer, und zuletzt nicht mehr fühlbar, die Stimme schwach und heiser, die Gesichtszüge entstellt. Das Bewusstsein ist in der Regel nicht gestört.

Vorbeugungsmittel.
So höchst lebensgefährlich diese durch die genannten Symptome sich kundgebende Krankheit auch ist, und so wenig es bis jetzt gelungen ist, ein sicheres Gegenmittel gegen den ihr zum Grunde liegenden Krankheitsstoffe aufzufinden, so leicht ist es, wenigstens in der größten Mehrzahl der Fälle, sich vor der Krankheit zu schützen, was jedoch nicht durch den Gebrauch so genannter Präservativ- Mittel, Pulver, Tropfen, Pflaster, Streukügelchen, Räucherungen, Amulette oder dergleichen, sondern nur durch Anwendung nachstehender Schutzmaßregeln bewirkt werden kann.

1) Regelmäßigkeit in der Lebensweise. Man führe eine in jeder Beziehung regelmäßige Lebensweise, wobei man sich von dem einmal gewohnten Verhalten, sofern dasselbe nicht gerade zu nachtheilig ist, so wenig als möglich entfernen soll.

2) Tägliche Körperbewegung. Namentlich sorge man für eine angemessene körperliche Bewegung, wessen Berufsgeschäfte eine solche nicht mit sich führen, der mache es sich zur Pflicht, keinen Tag vergehen zu lassen, ohne wenigstens eine Stunde lang sich Bewegung in freier Luft gemacht zu haben.

3) Vermeidung der Überladung des Magens. So schädlich es ist, ganz nüchtern an seine Tagesgeschäfte zu gehen oder sich die gewohnte und dem Körper nothwendige Nahrung zu entziehen, eben so sorgfältig ist jede Unmäßigkeit im Genusse auch solcher Speisen und Getränke, die an sich gesund sind, also jede Überladung des Magens und jeder zu reichliche Genuß geistiger Getränke zu vermeiden. Dagegen kann der mäßige Gebrauch eines guten, nicht sauren Weines, oder einer kleinen Portion eines gebrannten Wassers, besonders wenn dasselbe mit Gewürzen, Kümmel, Anis, Calmus, Pomeranzen, Wermuth, Wachholderbeeren bereitet ist, empfohlen werden.

4) Schlaf und Wachen. Man beobachte eine bestimmte Ordnung des Schlafes und Wachens. So nützlich eine angemessene Beschäftigung am Tage ist, so schädlich ist das Arbeiten bis in die Nacht hinein und das Durchwachen der Nächte.

5) Vermeidung zu großer Anstrengung. Schwächung der Kräfte, durch übermäßige Anstrengungen des Körpers sowohl als des Geistes, durch Ausschweifung irgendeiner Art usw., suche man zu vermeiden.

6) Gemütsbewegungen. Heftige Gemütsbewegungen, besonders traurige, als Angst, Kummer, Furcht, muß man, soweit es möglich ist, entfernt zu halten bemüht sein; durch ihre nachtheilige Wirkung auf die Nerven erhöhen sie die Anlage zum Erkranken, während ruhige und heitere Stimmung des Geistes und angemessene Zerstreuung dieselbe vermindern.

7) Reinlichkeit des Körpers und der Wohnung. Von großer Wichtigkeit ist ferner die Erhaltung der Reinlichkeit des Körpers und seiner Kleidung. In dieser Beziehung ist der öftere Gebrauch lauwarmer Seifenbäder von 26- 28° Reaumur vorzugsweise zu empfehlen. Wem die Gelegenheit zum Baden fehlt, der wasche wenigstens zweimal wöchentlich den ganzen Körper mit warmem Wasser, wobei natürlich jede Erkältung sorgfältig zu vermeiden ist.

8) Wäsche. Öfterer Wechsel der Bett- und Leibwäsche mit der Vorsorge, daß dieselbe gehörig trocken sei, ist gleichfalls nützlich.

9) Hausgeräthe. Auch die Hausgeräthe und Wohnungen müssen möglichst rein gehalten werden.

10) Reine Luft in den Wohnungen. Sehr wesentlich und nothwendig ist die Erhaltung einer reinen Luft in allen Wohn und Schlafzimmern, sowie in allen Räumen, wo mehrere Menschen sich versammeln, also besonders in allen eine größere Menschenzahl umfassende Instituten, als: Kasernen, Armen und Krankenhäusern, Gefängnissen usw. Das beste Mittel zur Erreichung jenes Zweckes ist die tägliche Erneuerung der Luft mittels Öffnens der Fenster, und wenn die Jahreszeit dieses nicht erlaubt, der Klappen in den Windöfen. Nicht minder nöthig ist es, solche Dinge, welche durch übliche Ausdünstungen die Luft verderben, z.B. Gerätschaften mit Abgängen der Menschen, möglichst schnell aus den Zimmer zu entfernen, und auf die Vermeidung oder Beseitigung jeder Verunreinigung der Atmosphäre in der nächsten Umgebung der Wohnung achten.

11) Vermeidung der Erkältung. Jede Erkältung des Körpers muß sorgfältig vermieden werden. Man hüte sich daher vor plötzlichen Wechsel von Wärme und Kälte und vor Zugluft. Man vermeide so viel als möglich die kalte Abendluft, nasse Fußböden, setze sich nicht auf kalte Steine, feuchten Rasen und dergleichen, bediene sich der Fußbäder nicht ohne gehörig Vorsicht und Berücksichtigung der Witterung, schlafe weder im Freien noch bei offenen Fenstern, auch nicht unter einer zu leichten Bedeckung. Vorzüglich nachtheilig ist Erkältung der Füße und des Unterleibes.

12) Kleidung. Die Sorge für eine gehörige, weder zu erhitzende, noch zu dünne, sondern der Jahreszeit angemessene Bekleidung ist in dieser Beziehung vorzüglich wichtig. Der Gebrauch der wollenen Strümpfe, Beinkleider und Leibbinden, bei kühler Witterung, ist zwar nicht allgemein, doch für empfindliche Personen allerdings zu empfehlen.

13) Schädliche Speisen. Da die Erfahrung gezeigt hat, daß sehr häufig nicht nur durch Überladung des Magens, sondern auch durch den Genuss mäßiger Quantitäten von unpassenden Nahrungsmitteln die Anlage zur asiatischen Cholera erhöht, und die Krankheit zum Ausbruch gebracht ist, so wird das sorgfältige Vermeiden derjenigen Speisen, welche sich als besonders nachtheilig erwiesen haben, zu einem der wichtigsten Schutzmittel gegen die Krankheit.
Zu diesen, für vorzugsweise schädlich zu haltenden Speisen und Getränke, gehören namentlich folgende:
Alles den Magen erkältende Obst, besonders rohes und unreifes (Melonen, Pflaumen und dergl.), Pilze, Morcheln, blähende Gemüse, Kohlarten, Sauerkraut, Kohlrüben, rothe Rüben, Rettig, Salate aller Art, rohe Gurken, ferner: fette Mehlspeisen, Pasteten, fettes und hartes Backwerk, zähe Klöße, warmes frisch gebackenes Brod und ähnliche Dinge, fettes hartes und zähes oder ein gepökeltes Fleisch, fette Wurst, Speck, fette Saucen, desgleichen fette und schwer verdauliche Fische, wie Aale, Lachse, vorzüglich wenn sie geräuchert sind, Neunauge, Bicklinge, Krebse, alter scharfer und fetter Käse, auch weißer Milchkäse, hart gekochte Eier, und damit bereitete Speisen.
Schädliche Getränke. Unter den Getränken haben sich junges, nicht gehörig ausgegorenes, oder altes sauer gewordenes Bier, saure Milch, Buttermilch, so genannte Schale, junge und saure Weine, Gefrorenes, als nachtheilig erwiesen. Selbst kaltes frisches Wasser soll man nicht in zu großer Quantität auf ein Mal trinken.

Übertragung der Krankheit auf andere Personen.
Da die asiatische Cholera unleugbar einen flüchtigen Krankheitsstoff entwickelt, welcher sich dem Dunstkreise der Kranken und ihren nächsten Umgebungen mitheilen und die Krankheit auf andere dazu disponierte Personen übertragen kann, so sind nachstehende Vorsichtsmaßregeln in Beziehung auf den täglichen Verkehr der Menschen unter einander zu empfehlen:

1) Vorsicht beim Verkehr mit unbekannten Personen. Man vermeide den Besuch solcher Orte, wo ein großer Zusammenfluß unbekannter Personen stattfindet und eine nahe Berührung mit denselben nicht zu vermeiden ist, man achte auf den Verkehr, den Hausbewohner, Dienstleute, Lehrlinge usw. außer dem Hause treiben, und beobachte eine gewisse Zurückhaltung gegen Personen, die von Haus zu Haus gehend, mit vielen Unbekannten in Berührung kommen.

2) Vorsicht bei der Berührung gebrauchter Kleidungsstücke und Betten. Man hüte sich vor der Berührung und dem Ankauf gebrauchter Kleidungsstücke, Betten, und anderer Gegenstände, deren früherer Besitzer nicht bekannt ist.

3) Vermeidung der Lokale, in welcher Kranke sich befinden. Von solchen Lokalen, in welchen ein oder mehrere Kranke sich befinden, soll jeder sich entfernt halten, den nicht sein Beruf zum Besuch derselben nöthigt.

4) Genaue Befolgung der vorgeschriebenen Sicherheitsregeln. Es versteht sich, daß die von den Behörden zur Verminderung der Gefahr der Übertragung der Krankheit angeordneten Sicherheitsmaßregeln gewissenhaft befolgt und unterstützt werden. Das Gesetz verlangt in dieser Beziehung nur diejenigen Beschränkungen des freien Verkehrs, welche jeder verständige und gewissenhafte Familienvorstand sich und den Seinigen von selbst auferlegen wird.

5) Tägliches mehrmalige Waschen. Mehrmaliges tägliches Waschen, wenn auch nur des Gesichts und der Hände, wird eine sehr nützliche Vorsichtsmaßregel sein. Diejenigen, welche durch ihren Beruf genöthigt, oder durch Pflichten der Humanität bewogen werden, Räume zu betreten, in welchen Cholera Kranke sich befinden, oder mit den letzteren in Berührung zu kommen, haben außer den eben erwähnten allgemeinen Vorsichtsmaßregeln noch folgende besondere Schutzmittel in Anwendung zu bringen:

1) Vorsicht beim Besuch von Kranken. Man besuche wo möglich dergleichen Kranke nicht, wenn man unwohl ist, oder die Nacht zuvor nicht geschlafen hat, oder noch ganz nüchtern ist. Wird man früh Morgens oder Nachts zu ihnen gerufen, so genieße man zuvor irgend ein erwärmendes Getränk, Kaffee, Thee, oder Wein, etwas bittern Gewürzhaften Branntwein oder dergleichen, je nachdem man an dieses oder jenes dieser Getränke gewöhnt ist. Auch das Kauen von eingemachten Ingwer, Kalmus oder Pomeranzenschalen ist bei einem solchen Besuche nicht unangemessen.

2) Man verweile nicht länger als nöthig bei dem Kranken und vermeide jede überflüssige Berührung desselben, so wie das Einatmen der von ihm ausströmenden Ausdünstungen.

3) Unmittelbar nachdem man den Kranken verlassen hat, wasche man Gesicht und Hände mit kaltem Wasser, oder besser noch mit Seifwasser, einer schwachen Chlornatron oder Kalkauflösung, oder mit verdünnten Essig, spüle den Mund aus, schnaube die Nase und kämme das Haar aus, ehe man mit anderen Personen in Berührung tritt.

Besonders werden diese Vorsichtsmaßregeln von solchen Personen pünktlich zu befolgen sein, welche sich längere Zeit in Krankenzimmern aufzuhalten, oder mit den Effecten der Kranken in anhaltende Berührung zu treten genöthigt sind, z.B. von Krankenwärtern, Wäscherinnen usw. Strenge Reinlichkeit, Reinigungsbäder mit Seife oder Essig. Allenfalls auch öftere Waschungen mit einer schwachen Chlornatron oder Kalkauflösung, nächstem eine nahrhafte Diät (die solchen Personen in nature zu verabreichen ist), endlich von Zeit zu Zeit Ablösung des ermüdeten Wärters, und wenn es sein kann, öfteres verweilen derselben in freier Luft, sind als die kräftigsten Schutzmittel für sie zu betrachten.
Erhaltung reiner Luft in den Krankenzimmern. In den Zimmern, in welchen Cholera- Kranke sich befinden, muß die Luft möglichst rein erhalten werden. Es muß daher nicht nur die Überfüllung der Krankenzimmer verhütet werden, sondern die letzteren fleißig gelüftet, und mit Essig, salpetersauren oder Chlordämpfen durchräuchert werden, wozu die Ärzte die nähere Anweisung zu ertheilen und sich dabei nach den hierüber bestehenden gesetzlichen Vorschriften zu richten haben. Räucherungen mit Wacholderbeeren, Räucherpulver, Besprengungen des Fußbodens mit wohlriechenden Essenzen, verbessern zwar den Geruch, nicht aber die Reinheit der Luft. Die Temperatur der Zimmerluft halte man mehr kühl als warm.
Auch in jeder anderen Beziehung muß in den Krankenzimmern die größte Reinlichkeit beobachtet werden. Alles, was die Luft verderben kann, z.B. schmutzige Wäsche, überflüssige Betten, altes Lagerstroh, muß entfernt werden. Besonders sind die Ausleerungen der Kranken schleunigst fortzuschaffen und zwar in verdeckten Gefäßen, allenfalls mit etwas Chlorkalk, oder gelöschten Kalk, oder auch nur mit Sand oder Asche zu bestreuen. Die Geschirre, in denen sie enthalten waren, sind mit Seifensiederlauge oder Chlorkalklösungen sogleich auszuspülen und zu reinigen.
Ist ein Kranker genesen oder nach einem Hospital gebracht, oder gestorben, so sind sowohl seine Kleider und Betten, als auch die Wohnung, einem sorgfältigen Reinigungsverfahren nach Anleitung des Arztes zu unterwerfen, welche dabei die hierüber bestehenden gesetzlichen Vorschriften zu befolgen hat. Einer ebenso gründlichen Reinigung haben die Personen sich zu unterziehen, welche mit dem Kranken in nahe Berührung getreten sind.
Verfahren bei Ausbruch der Krankheit. Bei den ersten Zeichen des Ausbruchs der Cholera in einem Menschen beeile man sich, einen verständigen Arzt herbei zurufen und befolge pünktlich die von demselben gegebenen Verordnungen, ohne dabei sein Vertrauen auf Geheim Mittel, Tropfen, Pulver, Amulette und dergleichen zu setzen. Bis zu der Ankunft des Arztes sind die nachstehend angegebenen Hülfeleistungen in Anwendung zu bringen.

Maßregeln vor der Ankunft des Arztes.

1) Erwärmung des Kranken. Der Kranke werde sogleich entkleidet in ein wohlerwärmtes Bett gebracht und darin warm bedeckt, womöglich mit Flanell umhüllt. Zur schnelleren Erwärmung des Bettes dienen, außer den gewöhnlichen Wärmflaschen irdene Krüge, oder mit erwärmter Kleie, Sand oder Hafer gefüllt sind, und die zu den Seiten des Körpers neben Brust und Unterleib und an den Armen und Beinen angebracht werden.

2) Senfpflaster. Man lasse sogleich ein Senfpflaster, aus gestoßenen schwarzen Senf und warmen Wasser bereitet, und von der Größe einer Mannshand auf die Herzgrube und den Unterleib legen, welches bis zum Rotwerden der Haut, d.h. ¼ - ½ Stunde liegen bleibt. In Ermangelung des Senfes kann frisch geriebener Meerrettig oder im Notfall auch schwarzer Rettig genommen werden.

3) Reiben des Körpers. Man reibe fleißig unter der Bettdecke die Arme und Beine des Kranken mit erwärmten wollenen Tüchern, die man mit Kampferspiritus, oder gewöhnlichem Branntwein von Zeit zu Zeit besprengt.

4) Warme Getränke. Alle viertel oder halbe Stunde gebe man dem Kranken eine halbe Tasse eines warmen Getränks, am besten von Fliederblumen, Camillen, Feldkümmel, Melisse, Krausemünze, oder Pfeffermünze; auch Graupen, oder Haferschleim. Bei großem verlangen des Kranken nach kühlen Getränk kann ihm auch diese in kleinen Portionen gereicht werden.

5) Bad. Man bereite inzwischen wo möglich ein warmes Bad von etwa 30° Reaumur, welches man durch einen Zusatz von scharfen Essig oder Seifenlauge (½ - 1 Quart, je nach ihrer Stärke) oder durch einlegen eines Beutels mit Holzasche verstärken kann. In diesem Bade lasse man den Kranken eine Viertel bis zu einer Stunde sitzen, reibe ihn während dieser Zeit mit flanellenen Tüchern und bringe ihn dann schnell abgetrocknet wieder in das erwärmte Bett.

6) Dampfbad. Falls ein Wasserbad nicht beschafft werden kann, so bereite man statt dessen ein Dampfbad, indem man den Kranken auf ein Rohr oder Lattenstuhl setzt, mit großem, bis zur Erde reichenden wollenen Decken so umhängt, daß nur der Kopf frei bleibt und auf einer Schüssel mit erhitzten Steinen oder Bolzen, die man unter den Stuhl stellt, heißes Wasser gießt. Sehr zweckmäßig kann man ein solches Dampfbad auch aus Weingeist bereiten. Es wird zu diesem behuf unter den Stuhl, auf welchem der kranke sitzt, auf einem Teller ein Tassenkopf mit 1/16  - 1/3  Quart Brennspiritus gestellt, und darüber ein Kessel oder großer Topf auf untergelegten Stücken Holz dergestalt gestülpt, daß der Spiritus in der Tasse angezündet werden und die Luft zur Unterhaltung der Flamme zuströmen kann. Durch die neue stattfindende Entwicklung der weingeistigen Dämpfe wird unter der Decke ein bedeutender Grad von Wärme erzeugt. Sollte dieselbe dem Kranken lästig werden, so lüfte man ein wenig die Decke.
In diesem Wasser oder Weingeistdampfbade verweilt der Kranke wo möglich so lange, bis er in Schweiß geräth, worauf er, in warme Decken gehüllt, wieder zu Bett gebracht wird. Nöthigenfalls wird alsdann mit den früher angegebenen Mitteln wieder Fortgefahren.
Diese Behandlung allein ist, zeitig genug angewendet, sehr oft zureichend, die leichten Grade der Cholera in ihrer Entwicklung zu hemmen; wo dies nicht gelingt, kann nur der Arzt, der in jedem Falle so schleunig als möglich herbeigerufen werden muß, die weiteren erforderlichen Mittel anordnen.

Ist der Arzt nicht sogleich zu erreichen und sollte der Zustand des Kranken bei der Anwendung der oben angegebenen Behandlungsweise sich nicht bessern, so kann man allenfalls noch von folgenden Mitteln Gebrauch machen.     

1) Klystier.   Bei heftigen und zugleich schmerzhaften Durchfall gebe man ein Klystier von Haferschleim und Chamillenthee oder auch von einem Theelöffel voll Waschstärke, mit einer Tasse Wasser eingerührt. In diesem Falle ist Brodtwasser, aus stark gerösteten schwarzen oder weißen Brodte bereitet, ein zweckmäßiges Getränk.

2) Brausepulver. Bei häufigem Erbrechen lässt man Selterswasser trinken oder einen Theelöffel voll Brausepulver von Zeit zu Zeit nehmen. Auch ein Schluck leichten Weißbiers wird in diesem Falle passend sein.

3) Blutegel. Wenn der Druck und die Beklemmung in der Magengegend, auf die wiederholte Anwendung der Senfpflaster, nicht weicht, so können, besonders bei starken Personen, 15 - 20 Blutegel in die Gegend der Herzgrube gesetzt werden.

4) Reibung der Gliedmaßen. Schmerzhafte Krämpfe in den äußeren Gliedmaßen sucht man durch starkes Reiben mit der bloßen Hand, oder mit erwärmtem und mit Kampferspiritus besprengtem Flanell zu lindern.

5) Innere Mittel, kalte Begießung. Wird trotz dieser Behandlung der Puls schwächer, werden die Glieder kälter, so kann man dem Kranken 20 - 30 Tropfen Kampferspiritus und Hirschhorngeist oder 15 - 20 Tropfen Hoffmannschen Liquör reichen. Auch hat man schon ganz pulslose und kalte Cholera kranke nach Begießung des Kopfes und Rückgrats mit kaltem Wasser im warmen Bade und kalten Überschlägen über dem Kopf und den Unterleib genesen sehen, nachdem alle übrigen Mittel fruchtlos geblieben waren.