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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Landräthliche Bekanntmachung
Landsberger Kreisblatt 2. August 1849

Da in verschiedenen Orten des Kreises, namentlich in Lorenzdorf, Blumenthal, Ludwigsthal, kürzlich mehrere Personen an der Cholera plötzlich verstorben sind, und diese Krankheit weiter um sich zu greifen droht; so ist es höchst nothwendig, die sanitätspolizeilichen Vorschriften in Ausführung bringen zu lassen.
Indem ich auf das Gesetz vom 8. August 1835 (Gesetzsammlung von 1835 Nr. 27, Seite 243 er.seg.) und dessen Beilagen Hinweise und deren genaue Beachtung dringend empfehle, bemerke ich Folgendes:

1) Jeder Hausvater ist verpflichtet, jeden plötzlichen eingetretenen verdächtigen Erkrankungs- und Todesfall seiner Familie und sonstigen Angehörigen der Ortbehörde und resp. dem Geistlichen, (event. Küster und Lehrer) bei 2 bis 5 Thlr. Strafe anzuzeigen.

2) Die Herren Geistlichen (event. Küster Lehrer) und die Schulzen oder Ortsvorsteher haben zur rascheren Herbeischaffung ärztlicher Hülfe, - die bei der Cholera die Hauptsache ist,- sofort per Expr. dem Herrn Kreis Physikus Dr. Stanelli hierselbst die nöthige Mittheilung zu machen.

3) Die zur Behandlung der Kranken in einer Gemeinde nothwendigen ärztlichen Fuhren zur Hin und Rückreise, sowie ferner die Kur und Medizinkosten für ganz unbemittelte Personen, müssen von der Gemeinde getragen werden und erfolgt deren  Einziehung im administrativen Wege.

4) Wird den Gemeinden recht dringend anempfohlen, sich einen Vorrath von Medicamenten zum schleunigen Bedarf vor Eintritt der ärztlichen Hülfe bereit zu halten, wodurch ernstlichen Erkrankungen häufig vorgebeugt und auch die erste Hülfeleistung bei Kranken schon mit Erfolg bewirkt werden kann. Der Kreisphysikus Dr. Stanelli ist bereit, diese Medicamente zu verschreiben und werden solche einer mittleren Gemeinde nicht über 1 Thlr. 15 Sgr. Kosten. Sie müssen womöglich in der Mitte der Ortschaft beim Schulzen, Lehrer usw. aufbewahrt werden, damit jeder Bewohner möglichst gleich nahen Zutritt zu denselben hat. Es bleibt dann Sache der Gemeinden, sich von den Entnehmern der Medicamente nach Verhältniß den Betrag erstatten zu lassen. Auch würde auf diese Weise für ganz arme Einwohner ohne zeitraubende Schwierigkeiten wohlfeile Medicin beschafft sein.

5) Die Leichname der in Privatwohnungen an der Cholera verstorbenen sind, sobald die ärztliche Anerkennung des wirklich erfolgten Todes stattgefunden hat, in besondere, möglichst isolierte Räume zu bringen und bis zur Beerdigung nach Vorschrift der Desinfections- Instruction zu behandeln. Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Krankheit und wo es die örtlichen Verhältnisse der Bewohner nicht gestatten, die Verstorbenen während des gesetzlichen Zeitraums in einem besonderen Lokale über der Erde stehen zu lassen, wird den Gemeinden die nur mit wenigen Kosten verbundene, sonst aber sehr zweckmäßige Aufstellung von Notleichenhäusern aus Brettern auf den Kirchhöfen dringend empfohlen. Die Beerdigung der Leichname darf vor Ablauf der allgemeinen gesetzlichen bestimmten Frist nur dann erfolgen, wenn der Arzt die dringende Nothwendigkeit der früheren Beerdigung bescheinigt. Wo aber diese bei großer Sterblichkeit und Weiterentlegenheit eines Arztes nicht sofort auszuführen ist, muß doch von der Ortsbehörde ganz besonders darauf geachtet werden, daß die an der Cholera Verstorbenen nicht unter 36 Stunden beerdigt werden. Nur wenn dringende Umstände obwalten, kann ausnahmsweise eine Beerdigung erst nach 24 Stunden gestattet werden. Bei anderen Leichen, die nicht an der Cholera verstorben sind, bleibt das Beerdigen derselben nach Ablauf von 72 Stunden vollauf in Kraft, und darf davon bei gesetzlicher Strafe nicht abgewichen werden.
Übrigens wird den Dominien und Ortsbehörden eine Anleitung zum zweckmäßigen Verhalten bei der Cholera in diesen Tagen per Couvert zugesandt, und solche im Kreisblatt abgedruckt werden, welche dieselben in den Gemeinden zur Belehrung und Nachachtung auf geeignete Weise sofort bekannt zu machen haben.

Landsberg a.d.W., den 25. Juli 1849