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5. Hermann Pauksch, ein Mann der Arbeit.

Wenn der auswärtige Besucher in Landsberg a.W. seine Schritte nach der Brückenvorstadt lenkt, so kann er an Wochentagen das rastlose Pochen und Hämmern und das Rasseln der Maschinen vernehmen, das ihm aus der weltberühmten Maschinenbauanstalt von Pauksch entgegenschallt; näher tretend, erblickt er mit Staunen die weitausgedehnten Fabrikanlagen, wo durch tausend fleißige Hände mit Hilfe sinnreich konstruierter Getriebe die mächtigen Dampfkessel entstehen und Maschinen verschiedenster Art hergestellt werden. Noch mehr aber wird das Erstaunen des Besuchers wachsen, wenn er hört, dass alle diese Stätten emsiger Tätigkeit ihre Entstehung der rastlosen Arbeit und unermüdlichen Schaffenskraft eines Mannes verdanken. Dieser Mann war Hermann Pauksch.
Sein Lebensgang bewegte sich, unten beginnend, zuerst durchaus nicht auf sorgenloser, geebneter Bahn, sondern des Lebens und Strebens Mühen waren seine Begleiter; es ging ihm wie allen den Männern, die aus kleinen Anfängen und mit geringen Mitteln durch ihren eisernen Fleiß, durch ihre Ausdauer und Willensstärke Großes geleistet haben.
In bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen wurde Hermann Pauksch am 13. April 1816 als Sohn eines einfachen Handwerkers, eines Drechslers, in Landsberg geboren. Der Knabe besuchte die Bürgerschule und kam zu dem damaligen Gürtler Kolitz in Pflege; hier erlernte er das Gürtlerhandwerk, das sich mit der Herstellung getriebener oder gegossener Arbeiten aus Messing oder Bronze beschäftigte. Sein Lehrmeister und Pflegevater erkannte die hohe Begabung des Knaben und schrieb ihm nach beendigter Lehrzeit in seinen Lehrbrief das Gesamturteil: „Im übrigen ist er ein wahres Genie“: Nach damaliger Handwerkssitte begab sich Hermann Pauksch auf die Wanderschaft. In Berlin suchte und fand er in einer Fabrik Anstellung als Metalldreher und widmete sich ganz dem Maschinenfach. Um in die Kenntnis desselben recht einbringen zu können, suchte er seine mangelhafte Schulbildung zu erweitern und sein Wissen und Können zu bereichern. Darum nahm er Jahre lang, bevor er morgens um 6 Uhr seine schwere Arbeit begann, Unterricht im Rechnen und in Raumlehre, und abends nach Schluß der Arbeit übte er sich im Zeichnen. Das Geld für diese Privatstunden musste er sich oft genug vom Munde absparen; aber mit rastlosen Fleiß und zäher Ausdauer strebte er vorwärts, um das Ziel, das er sich gesteckt hatte, zu erreichen. So verschaffte er sich die eingehende Fachkenntnis, welche später die Grundlage des jetzt so blühenden Werkes werden sollte.
Sechsundzwanzig Jahre alt, kehrte Hermann Pauksch im Jahre 1842 in seine Vaterstadt zurück. Seine gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen suchte er zu verwerten, indem er in der Poststraße eine Maschinenanstalt errichtete, worin er Maschinen aller Art anzufertigen und zu reparieren versprach. Er schaffte von früh bis spät mit wenigen Gehilfen in seiner Werkstatt, sodass es ihm gelang, sich emporzuarbeiten und durch seine Leistungen die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu lenken. Infolgedessen erhielt er vom Staate mehrere größere Werkzeugmaschinen zur leihweisen Benutzung mit der Bestimmung, dass sie nach einer gewissen Anzahl von Jahren in seinem Besitz übergehen sollten. Der Mechaniker Hermann Pauksch war es auch, der die erste Dampfmaschine in der Neumark rechts der Oder aufstellte und zwar in Driesen. Im Frühjahr 1843 begann er jenseits der Warthe mit einer größeren Fabrikanlage, die heute mehr als 800 Arbeiter und 90 Beamte Beschäftigung und Verdienst gewährt. Bis in sein hohes Alter hinein verfolgte er mit unermüdlichem Eifer und väterlicher Sorgfalt die Entwicklung seiner Schöpfung.
Neben seiner Arbeit fand er auch noch Zeit, sich in der Verwaltung der Stadt und im öffentlichen Leben zu bestätigen. So beteiligte er sich trotz seines hohen Alters an den Beratungen zur Einrichtung des städtischen Wasserwerkes. Seiner Vaterstadt, der er sehr zugetan war, übergab er an seinem 80. Geburtstage ein hochherziges Geschenk, den Monumentalbrunnen auf dem Marktplatze, für die Nachwelt auch in fernen Zeiten eine Erinnerung an die ehrwürdige Greisengestalt. Er war auch ein Vater der Bedürftigen, ein Wohltäter der Armen; es gereichte ihm zur Freude, unzählige Tränen des Kummers und der Sorge im Stillen zu trocknen. Trotz der Ehrungen, die ihm zu teil wurden – er erhielt den Titel eines Kommerzienrats und wurde zum Ehrenbürger der Stadt Landsberg ernannt – bewahrte er doch seine bescheidenes, liebenswürdiges, leutseliges Wesen bis zu seinem Tode am 5. März 1899. Die allgemeine Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung bei seinem Begräbnisse gab noch einmal ein beredtes Zeugnis von der Verehrung, die sich der schlichte Mann in seinem arbeitsreichen und segensvollen Leben allgemein erworben hatte.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)