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2. Kloster Himmelstädt

Am 22. März 1900 sind 600 Jahre verflossen, dass Markgraf Albrecht III. aus dem Hause der Askanier während seines Aufenthaltes im Dorfe Kladow bei Landsberg a.W. die Stiftungsurkunde für ein neues Kloster des Mönchsordens der Cisterzienser ausstellte.
Der Markgraf war ein frommer, kirchlich gesinnter Mann, der nach Kräften bemüht war, für sein Seelenheil zu sorgen. In Pommern, wo er schon einige Jahre vor 1300 das Kloster Himmelpfort gegründet hatte, lag auch das Cisterzienserkloster Colbatz im Lande Pyritz. Von Ditmar, dem Abte dieses Klosters, ließ sich Albrecht leicht bewegen, ihm durch die oben angeführte Urkunde den Hof Crewetsdorp oder Kreuzdorf (Krebsdorf) bei Kladow als Geschenk mit der Bestimmung zu überlassen, an dieser Stelle ein Tochterkloster zu erbauen. Es sollte nach dem Willen des Stifters locus coeli, d.h. Himmelsstätte, genannt werden. Albrecht zeigte sich sehr freigebig; denn er bestimmte gleichzeitig vor Zeugen, dass dem neuen Kloster 14 Dörfer und eine große Zahl von Seen in dem Waldgürtel nördlich von Landsberg gehören sollten. Das Klostergebiet umfasste mehr als zwei Quadratmeilen; seine Grenzen wurden in der Urkunde genau angegeben und zogen sich noch weit in den heutigen Soldiner Kreis hinein. Nebst den Gütern stattete Albrecht seine Schenkung mit weitgehenden Rechten aus; die Mönche durften in allen Teilen ihres Gebietes die Jagd und Försterei ausüben. Mühlen bauen und die etwa vorhandenen mineralischen Schätze des Erdinneren heben. Das Patronatsrecht über die Kirche ihres Bezirks, wie auch die weltliche und geistliche Gerichtsbarkeit standen ihnen ebenfalls zu. Dazu sollten sie frei von allen Abgaben und Diensten sein; nur die Honigverträge behielt sich der Markgraf, so lange er lebte, vor.
Der Mönchsorden der Cisterzienser wurde von dem Benediktinerabt Robert in Frankreich gegründet, um dem sehr verweltlichten Benediktinerorden eine ernstere Richtung zu geben. Mit mehreren Gleichgesinnten errichtete er in der Wildnis bei Dijon 1098 das Kloster Cineaur, wonach sie den Namen „Cisterzienser“ erhielten. Innerhalb der Klostermauern tragen sie die weiße und beim Landbau die schwarze Kutte; darum heißen sie auch die schwarzen oder weißen Brüder. Sie waren keine gelehrten Mönche; ihre Ordensregel verpflichtete sie vielmehr zu harter körperlicher Arbeit in Feld und Wald, in Haus und Hof. Ihre Klöster waren Musteranstalten für die Landwirtschaft. Die Bauten führten sie im gotischen Stil auf. Groß ist die Bedeutung der Cisterzienser für die Kultivierung des slavischen Ostens Deutschlands; deshalb wurden ihre Gründungen von den brandenburgischen Markgrafen sehr begünstigt.
Kehren wir zurück zu den Mönchen, die als Pioniere der Kultur von dem Mutterkloster Colbatz gesandt, 1300 in Himmelstädt einzogen.
Ein langer Zug bewegte sich langsam seinem Ziele zu; dienende Brüder trieben allerlei Haustiere, wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine vor sich her; Geräte und Werkzeuge aller Art wurden auf Wagen mitgeführt. Die Gegend war ganz für die Arbeit der Mönche geschaffen; denn sie befand sich fast noch in völliger Wildnis und hat ein ergiebiges Arbeitsfeld für die fleißigen Gottesmänner. Mit sichtlichem wohlgefallen schweifte der Blick von der nördlichen Anhöhe über den urwüchsigen Wald, der ihnen Wildbrett in Fülle für die Klosterküche liefern würde, über die sonnige Wasserfläche des Sees, der ihnen in verschiedenen Maße ihre Lieblingsspeise, Fische aller Art, versprach und in seinem Schilfdickicht schmackhaftes wildes Geflügel für den Tisch barg. Der Platz wo sich heute die Wirtschaftsgebäude des Amtes Himmelstädt erheben, wurde als Wohnsitz ausersehen, durch Phähle abgesteckt, der heiligen Mutter Gottes geweiht, mit Weihwasser besprengt und unter Gesang und Gebet in Besitz genommen. Dann ging man mit Axt und Säge daran, die Waldriesen zu fällen, um daraus zunächst ein einfaches Holzkloster auszuführen, umgeben von Wohnhäusern, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen. Der Wald wurde ausgerodet und der Boden für den Ackerbau zubereitet. In der sumpfigen Niederung des Kladowfließes zog man Abflussgräben, um durch Entwässerung ertragreiche Wiesen für das Vieh zu gewinnen. In wenigen Jahren hat die Gegend ein verändertes Bild; ringsum bebaute Felder; zwischen den umgebenen Ährenfeldern die dunklen Gestalten der Mönche, die plötzlich durch die Klänge der weit in den friedlichen Wald erschallenden Klosterglocke veranlasst werden, in ihrer emsigen Arbeit inne zu halten und die vorgeschriebene Gebetsübung an Ort und Stelle zu verrichten; auf den Wiesen wohlgenährte Rinderherden; im schwankenden Kahn ein Mönch der seine Netze auswirft; die friedliche Stille unterbrochen durch ndas anmutige Klappern eines Mühlenwerkes, das die Mönche am Abfluß des Sees kunstvoll errichteten. Betritt man den Klosterhof, so bietet sich auch hier dem Auge ein Anblick regen Lebens und tätigem Schaffens. In den Handwerkstätten fertigen dienende Brüder Geräte und Kleidungsstücke; andere sind in der Bäckerei und Brauerei beschäftigt, um für des Leibes Bedürfnisse zu sorgen; unter den blühenden Obstbäumen des Klostergartens, zwischen durstenden Blumen, heilkräftigen Arzneikräuter und Gemüsebeeten gehen die Gärtner unter den Mönchen geschäftig ihrer Arbeit nach. Auf dem schmalen Damm im See treiben andere die gewinnbringende Seidenzucht. Einzelne ziehen die Landstraße entlang in die Klosterdörfer, beladen mit Kräutern und Arzneien, um dort zu predigen, Kranke zu heilen; bedürftigen zu helfen und des Klosters verbriefte Rechte geltend zu machen und auszuüben. Besonders lebhaft wird es in der Umgebung des Klosters, wenn an den Quartalstagen die Bewohner der zinspflichtigen Dörfer herbeieilen, um die Abgaben zu entrichten, bestehend in Getreide, Eiern, Honig, Wachs, Wild und Haustieren aller Art, vielleicht auch in barem Geld.
Aus den überlieferten Urkunden geht hervor, dass es den Himmelstädter Mönchen nicht leicht gemacht wurde, sich in den Besitz der von Albrecht gestifteten Dörfer zu setzen, die dazu in einem elenden Zustande waren. Ein ungünstiges Geschick waltete über der jungen Gründung, als  schon am Ende des Jahres 1300 ihr freigebiger Stifter und wohlwollender Beschützer starb. Dessen Nachfolger waren nicht ohne weiteres geneigt, auf so viele Besitztümer großmütig zu verzichten. Markgraf Waldemar bestätigte als Vormund Johannes des Erlauchten den Colbatzer Mönchen, von denen die Himmelstädter immer noch abhängig waren, nur die fünf Dörfer Kladow, Zanzin, Heinersdorf, Merzdorf und Loppow, wofür sie ihm 300 Mark brandenburgisch Silber zahlen mussten und noch zu Abgaben verpflichtet wurden.
Schlimme Zeiten brachen für das Kloster an, als die Polen und Litauer im Jahre 1326 auf Geheiß des Papstes in die Neumark einfielen. Diese wilden, zum Teil noch heidnischen Horden hausten auch in Himmelstädt in furchtbarer Weise. Die Mönche flüchteten sich in die Wälder, um den unmenschlichen Grausamkeiten zu entgehen; ihre Heimstätte wurde geplündert und verbrannt. So war der Bestand des Klosters in Frage gestellt, und die Kulturarbeit eines Vierteljahrhunderts schien vernichtet. Dazu kam, dass sich räuberische Ritter in den Besitz der Klostergüter setzten und die zurückgekehrten Mönche vertrieben. In ihrer höchsten Not wandten sie sich mit der Bitte um Abhilfe und um Rückgabe der widerrechtlich angeeigneten Güter an den bayerischen Markgrafen Ludwig den Älteren, der damals gerade in Landsberg weilte. Dieser zeigte sich in einem freundlichen Schreiben an den Abt gern bereit, ihnen zu ihrem Recht und ihren Besitztümern zu verhelfen, wenn das Kloster wieder aufgebaut sein würde. Der Bruder Ludwigs, Markgraf Otto, bestätigte den Mönchen den Besitz des Klosters, das noch nicht errichtet war, 1368 aufs neue und stellte sie unter den besonderen Schutz seiner Hauptleute und Vögte; das geschah jedoch nur unter der Bedingung, dass die Mönche an seinem Todestag für ihn die Messe lesen sollten.
Mit dem Aufbau des Klosters hatten die Colbatzer Mönche nicht besondere Eile, da ihrem Kloster dann um so länger die Abgaben aus den verbliebenen Gütern zuflossen. Erst um das Jahr 1370 wurde das Kloster aus Stein erbaut, und zum zweitenmal hielten die Mönche ihren Einzug in Himmelstädt. Die Versprechungen Ludwigs aber wurden nur in geringem Grade erfüllt; denn noch 10 Jahre später fanden sich Klostergüter im widerrechtlichen Besitz von mehreren Adligen. – Die Herrschaft der Luxemburger war durchaus nicht geeignet, dem Lande wie auch den Himmelstädter Mönchen friedliche Zeiten zu bescheren. Es war ein Zustand allgemeiner Unsicherheit; der anmaßende Adel drückte die Schwächeren hart. Raub- und beutelustige Ritter nahmen die Klostergüter aufs neue in Besitz; die Klosterleute weigerten sich, ihre Abgaben zu entrichten. Diesmal wandten sich die Mönche um Hilfe an den Papst. Er beauftragte 1389 den Probst der Marienkirche zu Stettin, die Räuber und Ungehorsamen am Himmelstädter Kloster zu ermahnen, die Güter herauszugeben und ihren Zehnten an das Kloster abzuliefern; durch Verhängung kirchlicher Strafen sollten sie nötigenfalls gezwungen werden. Ob diese Drohungen geholfen haben, davon berichten uns dir Urkunden nichts. – Ein neuer Feind erstand den Mönchen in dem Bischof von Lebus, der im Jahre 1406 den Zehnten ihrer fünf westlich gelegenen Dörfer forderte. Der Papst Gregor XII. suchte auf die Beschwerde der Mönche diesem Streite ein Ende zu machen, indem er dem Abte des Klosters Paradies die Untersuchung übertrug.
Während der Herrschaft des deutschen Ritterordens waren dem Kloster auch keine goldenen Tage beschieden. Infolge der zunehmenden Ohnmacht der Hochmeister erlaubten sich ihre Feinde fortgesetzt Einfälle in das Land. Die Dörfer des Klosters waren besonders den Übergriffen des Bischofs von Lebus ausgesetzt, gegen den der Hochmeister auch nichts tun konnte, da der Kurfürst I. sich das in ironischem Tone verbat. Darum ging der Hochmeister schon mit der Absicht um, das Kloster 1445 nach Preußen zu verlegen; aber die Mönche weigerten sich und blieben in Himmelstädt. Ihre Privilegien und Besitztümer wurden ihnen 1469 von Kurfürst II. aufs neue – es heißt „für ewige Zeiten“ – bestätigt; aber schon im Jahre 1575 wurde das Kloster aufgehoben und in ein landesherrliches Besitztum verwandelt. Im Jahre 1668 berührte der Große Kurfürst mit seiner Gemahlin auf der Reise nach Preußen auch Himmelstädt.
Dem Wechsel im Strome der menschlichen Einrichtungen musste auch das Kloster Himmelstädt nach kaum 300jährigem Bestehen zum Opfer fallen. Die Gebäude samt der alten Klosterkirche wurden 1875 durch Feuer zerstört. Wenn nun auch fast nichts mehr vorhanden ist, was von dem Bestande des Klosters erzählt, so wird doch der Name des jetzigen Dorfes stets an die fleißigen Mönche erinnern, die unter schwierigen Verhältnissen ein Werk hoher Gesittung vollbrachten, das als ein wichtiger Abschnitt im Entwicklungsgange der neumärkischen Kulturgeschichte dasteht.
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)