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§ 37. Ortschaftskunde

Der Westen des Kreises
Tamsel, am Fuße des Höhenlandes gelegen, ist die nächste Station der Ostbahn hinter Küstrin. Name und Ort sind slawischen Ursprungs; früher hieß es Tamprosowe und bezeichnete einen mit Mühe zu durchschreitenden Ort, entsprechend seiner Lage am unzugänglichen Bruch. Jahrhunderte hindurch war Tamsel der Wohnsitz von Fischern, die sich mit dem Fang und Verkauf der in den Armen der Warthe massenhaft vorhanden Fische und Krebse beschäftigten. Ums Jahr 1232 nahm der Templerorden von dem Fischerdorf Besitz; dann gehörte es vorübergehend den Markgrafen Johann und Otto, die es den Johannitern überließen. Im dreißigjährigen Krieg kam es in den Besitz der Familie von Schöning. Hans Adam von Schöning gehörte zu den hervorragendsten märkischen Kriegsobersten des 17. Jahrhunderts. Als junger General verfolgte er während des Winterfeldzuges 1679 die in Ostpreußen eingefallenen Schweden bis Riga. Den höchsten Ruhm errang er mit seinen Brandenburgern bei der Belagerung und Erstürmung der von den Türken verteidigten Festung  Osen in Ungarn 1686. Nach seiner Heimkehr ließ er das väterliche Schloß durch ausländische Künstler und Handwerker mit fürstlicher Pracht erbauen. Er starb 1696 als Feldmarschall in sächsischen Diensten. Nach dem Tode seines einzigen Sohnes kam Tamsel in Besitz der Familie Breech. Als Friedrich der Große als Kronprinz nach Küstrin verbannt war, begab er sich oft nach Tamsel und fand hier in ländlicher Stille Erholung und Aufheiterung. Vor der Schlacht bei Zorndorf plünderten und verwüsteten Russen 1758 Schloß und Dorf Tamsel; Friedrich nahm nach seinem Siege hier vorübergehend sein Hauptquartier. Jetzt befindet sich das Schloß in Besitz der Familie von Schwerin. Es ist mit einem prachtvollen Park umgeben, in dem sich zahlreiche Gedenksteine befinden. Ein vierseitiger Obelisk ist dem Andenken Friedrichs des Großen errichtet; er trägt an einer Seite die Worte: „Hier fand Friedrich II. als Kronprinz von Preußen in seinem Duldungsjahre 1731 erwünschte Aufheiterung in ländlicher Stille“. Darunter steht am Postament der auf seine trübe Jugendzeit bezügliche Vers:
Eh’ die Sonne mit des Schöpfers Macht im Bunde
Sendet ihren Glückstrahl über Welt und Ozean,
Geht des Frühlingsmorgens Nebelstunde
Thränenschwer, doch Segen bringend, ihr voran.“
In der Nähe des Schlosses erhebt sich die von Schinkel erneuerte Kirche, in deren Gruft Hans von Schöning beigesetzt ist. In einer Nische stehen die großen Steinbilder des „Türkenbesiegers“ und seiner Gattin.
Im Bruch liegt Warnick, das ebenfalls 1261 an die Markgrafen überging. Hof und Mühle gehörte 1460 den Johannitern; erst 1565 kam Tamsel und Warnick zum Landsberger Kreise. Auf dem Höhenrande liegen Groß- Kamin und Blumberg. Beide Dörfer werden 1295 als zu Brandenburg gehörig erwähnt; in ihrer Nähe ging die Grenze des Templerordens vorüber. Nach der Schlacht bei Zorndorf nahm Friedrich II. in Blumberg  kurze Zeit sein Hauptquartier. In Kamin befindet sich das Neanderhaus, eine Rettungsanstalt für jugendliche Verwahrloste. Nördlich breitet sich die Kaminer Heide mit dem Großen See aus, den die Vietze entwässert. An dieser liegt Vietz an der Ostbahn, der bedeutendste Ort im Landkreise. Vor 100 Jahren war es noch ein kleines Fischerdorf, aus dem es sich infolge des regen Verkehrs zu einem stattlichen Marktflecken entwickelt hat. Der Ort ist slawischen Ursprungs; denn der Name Wize ist von dem slawischen Wort Wid abgeleitet, das Seher oder Sonne bedeutet. Ehe der Ort 1261 an die Brandenburger kam, gehörte er den Templern; 1300 wurde er dem Kloster Himmelstädt zinspflichtig, doch erhob auch der Bischof von Lebus Ansprüche auf den Zehnten. Vietz besitzt eine evangelische Kirche. An industriellen Einrichtungen sind fünf Dampfsägemühlen, Ziegelbrennereien, eine Ofen- und Thonwarenfabrik, zwei Brauereien und das Eisenhüttenwerk Vietzer Schmelze vorhanden, zu dem Friedrich II. den Grund legen ließ. Eine Fähre vermittelt den Verkehr ins jenseitige Warthethal. Die nördliche gelegene Massiner Forst mit dem Dolgen und Raaksee begünstigt den Holzhandel. Westlich schließen sich an Vietz die Dörfer Scharnhorst und Radorf, östlich das Dorf Balz. Diese hatte 1806 beim Durchzuge der Franzosen sehr unter Plünderung zu leiden.
Im Warthebruch liegen die Ortschaften Pyrehne, Fichtwerder, Spiegel und die Bahnstation Döllensradung. Der Name Pyrehne ist nach Klödens märkischen Forschungen, den die Erklärung der Ortsnamen entnommen sind, in seiner Entstehung auf slawische Gottheit Poreweit zurückzuführen und bezeichnet einen im dunklen Walde gelegenen Ort. Pyrehne gehörte zu den Himmelstädter Klosterdörfern. Fichtwerder hat seinen Namen der Örtlichkeit entlehnt; denn es ist auf dem Vorland der Warthe erbaut. Über letztere vermittelt eine Fähre den Verkehr nach Kriescht im Bruch.
In steigender Entwicklung befindet sich die ehemalige Kolonie Dühringshof an der Ostbahn mit Bahnhof. Die mit herrlichen Laub und Nadelhölzern bewachsenen Abhänge locken in der warmen Jahreszeit zahlreiche Besucher aus Landsberg hinaus in ihren Schatten. Von hier aus führt die Chaussee nach Norden zum westlichen Teil der neumärkischen Hochebene empor. Auf dieser liegen die Ortschaften Stennewitz, Liebenow, Diedersdorf, Massin, Tornow, Hohenwalde, Ludwigsruh, Briesenhorst, Lindwerder und Berneuchen. Stennewitz besitzt eine alte Kirche und ein Schloß mit Parkanlage; westlich liegt in einer Waldsenke Stennewitzer Hütte, wo Friedrich II. eine Glashütte errichten ließ. Das alte Stenewice war den Himmelstädtern zinspflichtig,, teilweise auch dem Domstifte zu Soldin und der Marienkirche zu Landsberg.
Liebenow enthält ein im neueren Stil erbautes staatliches Schloß mit weithin sichtbarem Turm und umgebenen Park. In der Nähe werden Braunkohle aus dem Schacht gefördert. Ein polnischer Graf Wlosto schenkte den Ort 1241 den Templern, die das Recht hatten, den Zehnten zu erheben; 1262 kam Liebenow an die Mark und 1300 in den Besitz des Himmelstädter Klosters. Diedersdorf  (Dietrichstorff) war ebenfalls ein Dorf der Templer. Massin liegt an der Chaussee von Vietz nach Berneuchen und ist Sitz einer Königlichen Oberförsterei. Hier stand im 13. Jahrhundert ein Jagdschloß, das von den askanischen Markgrafen besucht wurde, z.B. von dem frommen Albrecht, dem Stifter von Himmelstädt. Tornow, an der Chaussee von Landsberg nach Neudamm gelegen, hat seinen Namen vielleicht von dem slawischen Kriegsgotte Tur; es gehörte zu Himmelstädt wie auch Hohenwalde. Dieses liegt weiter auf Landsberg zu an derselben Chaussee. Schloß (Haus Hohenwalde) nebst Gut befindet sich im Besitz der Familie Kalkreuth. In Hohenwalde befindet sich eine Königliche Oberförsterei. Ludwigsruh und Briesenhorst sind Kolonistendörfer aus dem 18. Jahrhundert (1765). Berneuchen, an der Chaussee nach Neudamm und an der Mietzel gelegen, war früher eine Stadt, bildete sich jedoch zu einem Dorf um, da die übrigen Städte den Bedürfnissen der Landbevölkerung genügten. Der heutige Name ist aus Neu Bernau entstanden. Zuerst im Besitze der Templer, fiel es 1261 an Brandenburg. Lange Zeit war das Rittergut im Besitz der Familie Wedel; heute gehört es dem Geschlecht von dem Borne, das sich durch seine Pflege der künstlichen Fischzucht einen Ruf erworben hat.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)