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§ 35. Die Bewohner des Kreises

1. Die heutigen Bewohner
a. Zahl, Religion und Sprache
Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 betrug die Zahl der Einwohner rund 58 500 (58 466) Personen, 28 298 männliche und 30 168 weibliche. Sie verteilen sich auf 13 293 Haushaltungen. Die Bevölkerung hat gegen die Zählung von 1895 um 4890 Personen abgenommen. Die überwiegende Mehrheit bekennt sich zur evangelischen Landeskirche. Die Bewohner sprechen alle deutsch. Die Umgangssprache auf dem Lande weicht wesentlich von der hochdeutschen Büchersprache ab. Der neumärkische Dialekt hat sich noch am reinsten auf der nördlichen Hochebene in Hohenwalde und Tornow erhalten.

b. Beschäftigung
Die Mehrzahl der Bewohner beschäftigt sich mit Landwirtschaft; vielen gewähren die großen Forsten Arbeit und Verdienst durch Pflanzung, Pflege, Durchforstung und Verarbeitung des Holzes. Die Industrie tritt gegen die genannten Erwerbszweige zurück. Von Bedeutung ist neben der Holzindustrie die Tonwarenfabrikation; so liefert Wepritz Kunststeine zu Bauten und Denkmälern, die Vietzer Tonwarenfabrik Ofenkacheln. Das Hüttenwerk Vietz betreibt Eisengießerei. Der Betrieb des früher staatlichen Hüttenwerkes Zanzhausen ist zurückgegangen; jetzt werden hier nur noch wie auch in Zanzhammer Schare und Streichbretter für gewöhnliche Pflüge und für Dampfpflüge aus Stahleisen (alten Eisenbahnwagenrädern) hergestellt. Neuerdings ist hier auch eine Hufeisenfabrik angelegt worden. Mit den großen Gütern sind teils Brennereien verbunden, während die Wasserkräfte allenthalben im Dienste des Mühlengewerbes ausgenutzt werden. In der Warthe und den zahlreichen Seen wird die Fischerei ausgeübt. Während des Sommers verlassen die landwirtschaftlichen Arbeiter in großen Scharen ihre heimatlichen Dörfer, um im Westen als „Schnitter“ höhere Verdienste zu suchen und erst beim Nahen des Winters zurückzukehren (etwa 6600 Personen). Zantochs Einwohner betreiben teilweise Flößerei. Das Kaufmannsgewerbe beschränkt sich nur auf Kleinhandel. Aus den großen Forsten werden Beeren nach Berlin versandt; die Gegend von Lotzen liefert besonders die Walderdbeere in bedeutenden Mengen.

2. Die vorgeschichtlichen Bewohner des Kreises
Bis zum Anfange des 13. Jahrhunderts fehlen die geschichtlichen Nachrichten über die Bewohner zu beiden Seiten der unteren Warthe; doch ist es gewiss, dass das Land schon in grauer Vorzeit, wenn auch nur schwach, bevölkert gewesen ist. Spuren jener Bewohner sind in den aufgefundenen Gegenständen, Werkzeugen, Geräten und Waffen, vorhanden. Die ältesten Bewohner Europas, die Zeitgenossen des Mammuts, des Höhlenbärs und des Rentiers, konnten hier keine wohnliche Stätte finden, weil die Gletscher noch den Norden bedeckten. Erst nach dem Abschmelzen dieser Eismassen können von Süden her eindringende Völker die Gegend in Besitz genommen haben. Die spärlichen Überreste ihrer Kultur lassen vermuten, dass sie nicht sesshaft waren, sondern umherschweifende Jäger, die ihre Hausgeräte aus Ton, ihre Waffen und Werkzeuge aus Stein fertigten. Darum hat man ihre Zeit den Namen Steinzeit gegeben. Die Gefäße dieser Zeit bestehen aus einer mit Quarzstücken vermengten Tonmasse, die durch die Hand die gewünschte Form erhielt und dann getrocknet und gebrannt wurde. Zahlreich sind die Funde an Steinhämmern und Steinäxten. Ein bei Vietz gefundener Steinhammer zeigt an seinem Kopfende eine rings herumlaufende Rinne, um die Befestigung an einem Holzschaft mittels Bast- oder Lederstreifen zu erleichtern. Im städtischen Museum zu Landsberg befinden sich durchbohrte Steinhämmer aus der Umgebung von Pollychen, Fichtwerder; der Zechower Berge, von Rodental, Dechsel und Landsberg. Aus Feuerstein gefertigte Messer, Dolche, Meißel, Pfeil- und Lanzenspitzen sind bei Landsberg, Zantoch und Pollychen gefunden worden. Über die Art der Bestattung jener Zeit gab ein Grab bei den Zechower Bergen Aufschluß; in einer Steinkammer lagen zwei Skelette, dabei ein Beil und zwei Meißel aus Feuerstein, eine Bernsteinperle und das Gebiß eines Schweines. Durch den Handel mit Nachbarvölkern fanden bei den Bewohnern bald Gegenstände aus Kupfer und Bronze, eine Mischung aus 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn, Eingang, wodurch die mühsam herzustellenden Steingeräte nach und nach verdrängt wurden und die sogenannte Bronzezeit hervorgerufen wurde. Aus dieser Zeit stammen die großen Urnenfelder; sie sind ein sicherer Beweis, dass sich aus den umherschweifenden Jägern eine zahlreiche sesshafte Bevölkerung entwickelt haben muss, die sich hauptsächlich vom Ackerbau ernährte. Die Leichname wurden verbrannt und die Aschenreste in bauchigen Tongefäßen aufbewahrt. Oft sind diese Knochenurnen mit kleinen Beigefäßen umstanden, nicht selten mit der Mündung nach untengekehrt. Urnenfunde der Bronzezeit sind bei Landsberg, Pollychen, Groß-Czettritz, Loppow und Zanzin gemacht worden. Während Beigaben aus Bronze bei diesen Urnen selten sind, fand man bei Hohenwalde eine ganze Menge von Bronzegegenständen auf einer Stelle beisammen, es waren über 70 einzelne Stücke, Werkzeuge und Schmucksachen. Vielleicht gehörten sie einem reisenden Händler, der sei einst hier in Sicherheit gebracht hat.
Als zur Zeit Christi Geburt die Römer in Deutschland vordrangen, fanden auch Waffen und Werkzeuge aus Eisen Eingang. Die kriegerischen Zeiten brachten es mit sich, dass die Bewohner mehr als je Waffen zu Schutz und Trutz führten. Zur Ausrüstung gehörten nach den gemachten Funden Lanzen und Pfeile mit eiserner Spitze, eiserne Schwerter und Sporen, sowie Schilder aus vergänglichem Material, wovon noch die eisernen Bucket aufgefunden worden sind. Die Gewänder bestanden aus Wollstoff; aber auch selbstverfertigtes Leinenzeug muss verwandt worden sein, da die zu seiner Herstellung notwendigen schweren Spinnwirtel aus Ton darauf hindeuten. In dieser Zeit kam auch die Bestattung der Leichen ohne Verbrennung wieder auf. Dieser Kultur wurde teilweise ein Ende bereitet, als die Stürme der Völkerwanderung die Wohnsitze der germanischen Stämme veränderten und ungefähr im 5. Jahrhundert n.Chr. von Osten her die Slaven in das Land eindrangen. Sie vermengten sich mit dem Rest der germanischen Bevölkerung, wie es die noch heute vorhandenen Sagen deutschen Ursprungs erraten lassen. Ein solcher Besitzwechsel bedeutet für das Land keinen kulturellen Fortschritt, da die neuen Bewohner auf einer viel niedrigen Stufe der Bildung standen. Von der Kultur der Slaven zeugen Überreste von den Wohnungen, Befestigungen und Gräbern. Danach erfolgte die Anlage der slavischen Ansiedlung an Stellen, die möglichst Schutz gegen feindliche Überfälle gewährten. Sie waren meist mit Burgwällen umgeben und durch Gräben geschützt. In kriegerischen Zeiten retteten sich die Bewohner samt ihrer beweglichen Habe hinter diese Schutzwehren; hier befanden sich auch die religiösen Opferstätten. Slavische Verwallung sind z.B. bei Heinersdorf nachweisbar. Die Slaven trieben Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei. Die Felder bebauten sie mit Hirse, Buchweizen und Flachs. Eine im Museum zu Landsberg befindliche steinerne Handmühle stammt von Gennin und belehrt uns, wie die Slaven die Getreidekörner zerkleinerten. Diese Mühle besteht aus zwei kreisförmigen Steinen von ungefähr 40 Zentimetern Durchmesser; auf dem gleichmäßig muldenförmig ausgehöhlten unteren Stein liegt ein zweiter in Gestallt einer erhobenen Nase und füllt die Aushöhlung. Der Deckstein besitzt im Mittelpunkt ein Loch, das jedenfalls zur Aufnahme eines senkrechten Stabes diente, mittelst diesen die schnelle Umdrehung erfolgte. Die Berührungsflächen beider Steine zeigen künstliche Unebenheiten, um das Zermalmen der Körner zu erleichtern. In ihrer Häuslichkeit benutzen die Slaven Töpfe aus Ton, die teilweise schon mit Hilfe der Drehscheibe hergestellt wurden. Die Kunst des Spinnens geschah mit Spinnwirteln aus Ton oder Sandstein, die des Webens mit Hilfe eines Webermessers aus Knochen; Knochennadeln dienten zum Stricken der Fischnetze und lange Knochenstücke als Schlittschuhe. Waffen und Werkzeuge wurden aus Eisen hergestellt, da Bronze den Slaven fast unbekannt war. Als Schmuckgegenstände dienten außer Armbändern, Fingerringen, Ohrringen und Perlen besonders die kreisrunden Schläfenringe, die aus Silber hergestellt waren und wahrscheinlich zu mehreren an einem Lederstreifen an den Seiten des Kopfes getragen wurden. Im Handelsverkehr bedienten sich die Slaven des Hacksilbers, das aus größeren Silberstücken gewonnen und dessen Gewicht mittels kleiner Wagen bestimmt wurde. Hacksilber fand man bei Gralow. Die Slavenzeit umfasst einen Zeitraum von einem halben Jahrtausend. Dann trat der germanische Rückstrom ein und eroberte das Land dem Deutschtum zurück.
Näheres über vorhistorische Funde: Dr. Alfred Götze, die Vorgeschichte der Neumark. Über die Kolonisation im 13. Jahrhundert siehe § 21.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)