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§ 34. Die natürlichen Erzeugnisse des Kreises.

a. Mineralien
Im allgemeinen ist der Boden arm an nutzbaren inneren Schätzen. Die unter den diluvialen Erdschichten liegende Braunkohle ist zwar allenthalben vorhanden; da sie jedoch zu sehr mit Erde vermengt ist, ist sie als Heizmaterial wenig brauchbar. Vorübergehend wurde sie in Gruben zwischen Landsberg und Kladow, bei Hohenwalde und Blumberg gewonnen. Aus einem Schacht bei Liebenow wird sie gegenwärtig noch gefördert. In den sumpfigen Niederungen bildet sich Raseneisenstein (Ortstein), der aber wegen seiner mäßigen Güte heute nicht mehr zur Eisengewinnung benutzt wird. Friedrich der Große ließ zur Ausbeutung des Sumpferzes an einigen Stellen Hammerwerke anlegen, wie die Vietzer Schmelze, die Hammer an der Zanze und am Hammerfließ bei Marienspring, das früher auch den Namen Himmelstädter Hammer führte. Bei Stennewitz, Lotzen und Rohrbruch waren vorübergehend Glashütten im Betriebe. Die Geschiebemergelhochfläche ist reich an erratischem Gestein, das als Baumaterial für Häuser und Straßen benutzt wird. Gleichen Zwecken dienen Sand und Kies. Am Silberfließ wird Formsand gewonnen. Aus dem Lehm werden Ziegel und Kunststeine bereitet. Die tiefen Bruchwiesen liefern Torf als Brennmaterial.

b. Pflanzenwuchs
Von der Gesamtfläche des Kreises nehmen Acker- und Gartenland 45,8 - Wiesen und Weiden 11,1 - Holzungen 37,1 und die Wasserflächen 1,2 Prozent ein. Der Ackerbau ist besonders auf der Geschiebemergelhochfläche und in der Netze- und Wartheniederung lohnend. Der Höhenboden ist zwar nicht so reich an Humus wie der Bruchboden, dafür aber enthält er verwitterten Kalk und Feldspat. Der beigemengte Ton und Lehm wirken günstig auf die Feuchtigkeit des Bodens; denn er lässt das Wasser nicht tief eindringen, sondern hält es fest. Der Sandboden, der öfters die fruchtbare Strecke unterbricht, ist für den Ackerbau sehr ungünstig, weil Sand die Feuchtigkeit leicht durchlässt. Durch den Anbau und das Unterpflügen von Lupinen sucht man den Sandboden zu verbessern. Den Moorboden untermischt man mit Sand und macht ihn dadurch ertragreich. Am meisten werden im Kreise Roggen und Kartoffeln angebaut, letztere in so großen Mengen, dass sie nicht nur zur Ernährung hinreichen, sondern auch zur Gewinnung von Stärke und Spiritus verwandt werden. Weizen- und Rapsfelder trifft man nur hier und da, Hafer und Gerste dagegen in größeren Schlägen, besonders im Bruch. Der Hafer dient fast ausschließlich als Pferdefutter, die Gerste zur Bierbrauerei. Den Sandboden bestellt man häufig mit Buchweizen. Flachsfelder sind selten; Hopfen baut man besonders im Netzebruch bei Alt Lipke und Antoinettenlust. Tabaksbau wurde früher bei Wepritz betrieben. Als Futterpflanzen werden Rüben, Klee, Senf, Mais, Seradella und Luzerne ausgesät. Die Wiesen der Bruchlandschft werden zweimal gemäht; doch vernichtet oft das Frühjahrshochwasser die Heuernte. – Gartenbau wird überall, wenn auch oft nur in einem Hausgärtchen gepflegt. Im Bruche findet man Gemüseanlagen im freien Felde; denn auf dem moorigen Boden gedeihen besonders die Kohlarten. Gärtnereien versorgen allenthalben die Umgebung mit Gemüse und Blumen; auch die Spargelkultur findet ihre Pflege. Obstbäume (1900 = 268 822 Stück), besonders Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen, besäumen die Wege; im Frühjahr blicken die Dörfer aus dem Blütenschmuck ihrer Obstbäume. Trotzdem reicht das gewonnene Obst nicht für den einheimischen Bedarf aus, sodass noch viel von auswärts eingeführt werden muss. Junge Obstbäume liefern die Baumschulen in Tamsel und Groß- Kammin. Der Weinbau war in früheren Zeiten im Kreise bedeutender als heute. So war einst der Wein von Wepritz ziemlich beliebt; besonders gut fiel er im Jahre 1565 aus, und er wurde an den Stadtkeller in Landsberg verkauft. Der sehr strenge Winter von 1740 vernichtete sämtliche Weinanlagen. Aus jener Zeit stammt noch die häufige Bezeichnung „Weinberg“ für Bergabhänge. Heute zieht man Weinreben nur noch im Hausgarten an der Mauer; doch kann man dazu nur frühe Sorten benutzen, da die raue Witterung im Herbst oft der Reife ungünstig ist. Beerensträucher werden vielfach angepflanzt, um Beerenwein zu gewinnen. Durch Gartenbau- Ausstellungen sucht man den einheimischen Gartenbau zu heben.
Der Wald bedeckt etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Kreises. Den schönsten Waldbestand trifft man im nördlichen Gebiet; hier ziehen sich in einem breiten Gürtel die Massiner, Hohenwalder, Kladower und Wildenower Staatsforsten hin. Der Süden ist ärmer an Wald und weist fast nur die Kiefer als Waldbaum auf; bemerkenswert sind hier die Stadtforst bei Altensorge und Eulam und die Morrner Heide. Nach seiner Beschaffenheit trägt der Boden Laubwald, Nadelwald und gemischte Waldungen. An den tieferen Stellen wachsen Buchen und Eichen in zusammenhängenden Beständen, so bei Hohenwalde, Loppow und Dühringshof. Auf den sandigen Strecken herrscht die genügsame Kiefer, in sumpfigen Senken stehen Erlen, weißstämmige Birken, Lärchen, Weiden und Fichten durcheinander. Die Linde ist bei uns kein Waldbaum, sondern beschattet Dorfauen und Wege; dasselbe gilt auch von Esche, Rüster, Pappel und Ahorn. Zwischen den Hochstämmen wachsen Himbeer- und Brombeersträucher, Haselnuß und Pfaffenhütchen, der beerentragende Wacholder und der kriechende Bärlapp, der stachlige Ginster und der immergrüne Besenstrauch. Sie alle bilden das Unterholz des Waldes. Der Waldesgrund ist in den trocknen Kiefernwäldern oft weithin mit Heidekraut überzogen, dessen Blüten den Bienen eine willkommene Honigweide darbieten; dazwischen wachsen Preißelbeeren und Blaubeeren. Stellenweise bildet die weißgraue Rentierflechte die Bedeckung des sandigen Heidbodens. Der fruchtbare Grund des Laubwaldes gleicht im Frühling einem bunten Teppich, der aus Waldblumen, Farnen und Moosen gewebt ist.
Zwischen weiß- und gelbblühenden Anemonen blickt der zierliche Sauerklee, leuchtet das himmelblaue Leberblümchen hervor, verheißen die weißen Sterne der Walderdbeere wohlschmeckende Früchte und wächst der duftende Waldmeister. Am Waldbach blinken die gelben Blüten von Feigwurz und Milzkraut; den Rand besäumen Waldveilchen und Wintergrün. Später erhebt sich aus dem Waldesgrund die bleiche Nestwurz, der zierliche Siebenstern, die zweiblättrige Platanthere. Das Heer der Moose und Flechten prangt in schwellenden Polstern und zierlichen Formen; gleich Tapeten hängen die breiten Lungenflechten, die graugrünliche Tartschenflechte, Moosbart, Bartflechte und Astflechte von den alten Buchen- und Eichenstämmen herab. Schlafmoose und Gipfelmoose verschiedenster Art, Stachel- Säulchen- und Becherflechten durchbrechen das Blütenkleid des Waldgrundes, während die selteneren Lebermose nur ein bescheidenes Dasein führen. Im Spätsommer schießen aus dem Waldboden essbare und giftige Pilze in Mengen hervor; Steinpilze, Reizker und Pfefferlinge erscheinen reichlich auf den Wochenmärkten zum Verkauf, wo schon im Frühjahr die essbare Morchel feilgeboten wurde. Von den Giftpilzen können Fliegenpilz, Satanspilz und Giftreizker gefährlich werden. Giftige Blütenpflanzen sind im Laubwald der blassgelbe Fingerhut und die vierblättrige Einbeere, im Feuchten der Gifthahnenfuß, Wasserschierling und bittersüße Nachschatten, auf Schutthaufen und in Gärten das Bilsenkraut, der Stechapfel, die Giftbeere.
Der Wald ist von großen Segen für die Bewohner und ein herrlicher Schmuck unserer Heimat. Strecken, die sich für den Ackerbau nicht eignen, macht er nutzbar, indem er Bau-, Nutz- und Brennholz, Streu, Beeren und Pilze liefert und vielen Personen Beschäftigung und Verdienst gewährt. Groß ist der Einfluß des Waldes auf die Beschaffenheit des Bodens; denn das Blätterdach verhindert das Austrocknen durch die versengenden Sonnenstrahlen. Unter seinem Schutz gedeihen andere Pflanzen, bilden sich Quellen, und der Boden bedeckt sich aus den verwesenden Pflanzenresten mit einer fruchtbaren Humusschicht. Wo der Wald vernichtet und nicht mehr angepflanzt wird, da entstehen öde Strecken, deren Flugsand keiner Pflanze mehr Halt gewährt. Ein Beispiel dafür liefern die Höhen zwischen Landsberg und Wepritz, die einst mit Eichenbestanden waren. Von besonderer Bedeutung ist der Wald für das Klima der Gegend und die Gesundheit der Bewohner. Der Wald verwandelt die verdorbene Luft in gesunde, hält sie durch die stete Ausdünstung feucht und schützt gegen heftige Stürme. Bei starken Regengüssen saugt der Waldboden wie ein Schwamm die Wassermassen auf, schützt so vor Überschwemmungen und speist auch in trocknen Zeiten unsere Waldbäche. Darum: Schutz dem deutschen Wald!

c. Tierleben
Die Viehzucht (1900 wurden gezählt 7941 Pferde, 27011 Stück Rindvieh, 20455 Schafe, 28651 Schweine, 5230 Ziegen, 142052 stück Federvieh) wird in Verbindung mit Ackerbau im ganzen Kreise eifrig betrieben. Im Warthebruch lässt man die Rindviehherden auf umzäumte Wiesen den ganzen Sommer über im Freien umherlaufen. Ein großer Teil der gewonnenen Kuhmilch wird an die Genossenschafts- Molkerei zu Landsberg abgeführt, wo sie weiter verkauft oder zur Gewinnung von Sahne, Butter und Käse verarbeitet wird. Ein Teil der Butter findet Absatz in Berlin. Auf den größeren Gütern wird vielfach ein starker Ochsenschlag zum Beistellen der Landwirtschaft benutzt. Leider beeinträchtigen oft Seuchen die Rinderzucht. Pferdezucht wird hier und da betrieben und seitens des Staates unterstützt. Mit dem Auffüttern von Schweinen beschäftigten sich auch die kleinen ländlichen Besitzer, die auch zuweilen noch die Ziege als milchgebendes Haustier halten. Die Schafherden trifft man nicht mehr in dem Umfange an wie früher, weil die Wolle aus überseeischen Ländern in großen Massen billig auf die Wollmärkte gebracht wird. Die Bienenzucht (1900 = 3127 Bienenstöcke) erfährt eine erhöhte Pflege durch Vereine für Bienenzüchter, während die Geflügelzucht noch wenig allgemein und ergiebig betrieben wird. Hervorragendes leistet die künstliche Fischzüchterei zu Berneuchen, wo Setzfische aller Art aus Laich gezogen und dann zum Bevölkern von Fischteichen, Seen und Flüssen versandt werden. – Wild ist in den Wäldern nicht mehr in solchen Mengen vorhanden wie früher, als sich viele Strecken noch im urwüchsigen Zustande befanden. Das große zusammenhängende Waldgebiet beherbergt noch genug Edelhirsche; auf den Waldweiden kann man Rudel von Rehen äsend finden; Wildschweine sind auch nicht ganz selten und verursachen in nahen Ackerstücken oft empfindlichen Schaden. Hasen- und Rebhuhnjagd werden eifrig betrieben. Die wilden Kaninchen bilden bald an manchen Orten eine Landplage, indem sie den Waldboden arg durchwühlen; sie werden darum sehr verfolgt. Von Raubtieren sind Fuchs, Fischotter, Marder, Wiesel und Iltis zu nennen. Die Seen und Flussufer beherbergen jagdbares Geflügel: Wildenten, Bekassinen, Reiher, Fasanen. Reiherstände befanden sich bis vor kurzem am oberen Bestiensee. Eine Gefahr für Landwirtschaft und Waldwuchs bildet oft das massenhafte Auftreten der Saatkrähe bei Eulam und Altensorge; durch Wegschießen der Jungen und Zerstörung der Nester sucht man ihrer zu starken Vermehrung Einhalt zu tun. Im Frühjahr kann man auf den Warthewiesen oft Schwärme von durchziehenden Möwen beobachten. Kiebitz und Storch sind bekannte Erscheinungen auf den Niederungswiesen; der Trappe ist selten. Raubvögel sind in den großen Forsten reichlich vorhanden. Dort findet sich auch die unschädliche Ringelnatter, seltener die gefährliche Kreuzotter. Der Fischbestand der Gewässer ist gegen früher sehr zurückgegangen. Während mittelalterliche Schriftsteller die Warthe wegen ihres Fischreichtums rühmen, hat diese heute infolge der Stromregulierung, der störenden Schifffahrt und der Aufnahme schädlicher Abwässer sehr abgenommen. Den Sommer über werden in der Warthe Aale durch „Schnüren“ gefangen; im Spätsommer zieht man die großen Netze über den Flussgrund hin; sie bringen Lachse, Barsche, Plötzen, Bleie und Naape an Land, selten Störe und Welse. Hechte fängt man hinter den Buhnen. Lachse von besonderer Größe gehen oft bei Zantoch ins Garn. Die Krebse, welche früher die Gewässer in sehr großen Mengen bargen, sind jetzt infolge der „Krebspest“ fast ausgestorben; nur einzelne Gewässer hegen sie noch, z.B. die Seen im Gebiet der Zanze.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)