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§ 32. Bodenform und Bewässerung

Die Oberfläche des Kreises weist zwei Bodenformen auf; das Tiefland der Warthe und das Höhenland der nördlichen Neumark.

a. Das Tiefland der Warthe und ihres Nebenflusses, der Netze, bildet den südlichen Teil des Kreises. Es gehört zu dem Thorn – Eberswalder Haupttal, welches den nördlichen der alten Flussläufe in der norddeutschen Tiefebene einst in sich aufnahm. Das Tief- oder Bruchland erstreckt sich in der Hauptrichtung von Osten nach Westen und geht bei Küstrin in das Odertal über. Es bildet eine Ebene, die sich stromabwärts senkt; denn das Netzebruch liegt 25 Meter über dem Meeresspiegel und das Oderland bei Küstrin nur 11 Meter. Die Tiefebene nimmt nach Westen an Breite zu. Das Tal der Netze ist bei deren Mündung nur etwa 2 Kilometer breit; das Warthetal dagegen zeigt eine durchschnittliche Breite von 10 Kilometer. Das ebene Bruch wird nur an einigen Stellen von Erhebungen unterbrochen, die zum größten Teil aus Flugsand bestehen. Solche sind die Hottosberge im Netzebruch, der Borkower Tanger, die Landsberger Stadtforst bei Eulam und die Sandhügel bei Pyrehne und Vietz.
Die Warthe, der größte Nebenfluss der Oder, entspringt nördlich von Krakau bei Kromolov in Russisch- Polen, fließt erst nach Norden bis Kola und behält von hier ab im allgemeinen die westliche Hauptrichtung bis zu ihrer Mündung bei. Bei Kola empfängt sie rechts den Ner und bei ihrem Eintritt in preußisches Gebiet unterhalb Konin links die Prosna. Von Konin an ist ihr Lauf auf eine Strecke von 425 Kilometer schiffbar. Oberhalb dieser Stadt geht ein Kalksteinriff quer durch den Fluß, wodurch die Schifffahrt verhindert wird. In den Kreis Landsberg tritt die Warthe bei Morrn und fließt in nördlicher Richtung bis Zantoch, wo sie von rechts die Netze aufnimmt und durch den hohen nördlichen Talrand gezwungen wird, nach Westen weiter zu strömen. Von hier ab hat sie eine Breite von 80 bis 100 Meter. Den nördlichen Höhenrand begleitet sie bis unterhalb Landsberg; hier wendet sie sich bei Wepritz nach Südwesten und fließt in der Mitte des Bruches bis zu ihrer Mündung unterhalb der Festung Küstrin.
Die Netze entsteht aus zwei Quellflüssen, die den See an der russischen Grenze entströmen. Bei Nakel wendet sie sich nach Westen, wird hier schiffbar und ist nach Osten durch den Bromberger Kanal mit Brahe und Weichsel verbunden. Die schiffbare Strecke der Netze beträgt 230 Kilometer, ihre Strombreite an der Mündung etwa 60 Meter. Ihre bedeutendsten Zuflüsse sind rechts die Küddow und die Drage. (Über Entwässerung des Bruchs siehe § 27.)

b. Das Höhenland der nördlichen Neumark ist ein südlich gerichteter Ausläufer des baltischen Landrückens und erfüllt den nördlichen Teil des Landsberger Kreises. Es fällt steil zur Netze und Warthe ab und begleitet die Bruchlandschaft. Bei Zantoch erhebt sich der Höhenzug im Schlossberge und in den Schwedenschanzen bis 70 Meter und setzt sich nach Westen in den quellreichen Zechower Bergen fort. Nur vom Kladowtal unterbrochen, zieht er sich durch Landsberg, trägt die Schanzen an der Zechowerstraße, bildet den Galgenberg und liefert in Lehm- und Sandgruben Material zu industriellen Zwecken. Zwischen Landsberg und Wepritz ist der vielfach vom Wasser zerrissene Abhang meist unbebaut und gewährt einen öden Anblick. Die abgerundeten Kuppen bei Wepritz und Loppow treten besonders hervor. In der weiteren Fortsetzung nach Westen ist der Abhang mit herrlichen Nadel- und Laubwäldern bedeckt, so besonders bei Dühringshof. In den Horstbergen bei Döllens- Radung tritt der Höhenrand steil an das Tal heran und gewährt eine weite Fernsicht in das Bruch bis an die Waldgrenze des Sternberger Höhenlandes. Die westlichen Erhebungen des Höhenzuges im Kreisgebiet sind die Höhen von Kammin. Tamsel und Gernheim. – Nach Norden schließt sich an diesen Höhenrand die Hochfläche. Sie ist nicht vollständig eben, sondern wellenförmig gestaltet und besteht an der Oberfläche aus lehmhaltiger Erde oder Mergel und aus Sand, untermengt mit zahlreichen Gestein, das man auch Geschiebe nennt. Die Hochebene heißt darum Geschiebemergelhochfläche. Sie steigt nach Norden an und erreicht bei Diedersdorf, Liebenow und Stennewitz die höchsten Erhebungen bis zu 140 Meter über d. Meeresspiegel. Am nördlichen Rande des Kreises geht die wellige Hochfläche in ein mehr ebenes Sandgebiet über.
Die Geschiebemergelhochfläche ist reich an Tälern und Schluchten, welche durch die ausspülende Tätigkeit des Wassers entstanden sind, als die Hochfläche noch dichter bewaldet war als heute. Zahlreich sind die kurzen, vertrockneten, ehemaligen Wasserläufe, besonders bei Zantoch, Zechow, Landsberg, Wepritz, Loppow und Dühringshof. Die ganze Hochfläche durchziehen drei Haupttäler, nämlich das Tal der Puls und Zanze, das der Kladow und das der Vietze. In ihren Gebieten befinden sich meist südlich gerichtete Becken, die reihenförmig angeordnet sind. Sie bildeten einst zusammenhängende Wasserläufe; heute sind sie entweder versumpft, oder sie enthalten an den tieferen Stellen Seen. Die Puls entströmt den Pulsseen bei Bernstein, berührt den Kreis Landsberg nur an der Ostgrenze und mündet in die Netze. Die Zanze sammelt das Wasser aus den Lübbeseen, dem Kloppsee und den Seen bei Zanzhausen; auch mit dem großen Berlinchener See steht sie in Verbindung. In ihrem Unterlauf durchbricht sie die Hochebene und fließt zwischen hohen, steilen Ufern der Netze zu. Die Kladow kommt aus dem Karziger See, durchströmt den Himmelstädter See und mündet in Landsberg in die Warthe. Sie wird links durch den Abfluß des Grävensse und durch das Silberfließ, rechts durch das Zanziner Fließ verstärkt; letzteres entwässert den ehemaligen Marwitzer Mühlenteich, heute nur noch ein langgestrecktes Wiesenthal. Das Silberfließ kommt aus der Gegend von Lotzen und Wormsfelde. Die Vietze entströmt dem großen Kamminer See und fließt zur Warthe. Der nordwestliche Teil des Kreises gehört dem Tal der Mietzel an. Diese kommt aus dem Soldiner See, nimmt den Abfluss des Stegsees auf und fließt nach Westen zur Oder.

c. Geologisches.
Die Oberfläche des Gebietes verdankt ihre jetzige Bodenform der Tätigkeit des Eises und des Wassers. In der vorgeschichtlichen Zeit, welche die Geologen als das Diluvium bezeichnen, besaß das ganze nördliche Europa eine niedrigere Temperatur als heute. Es erfolgten stärkere Niederschläge an Regen und Schnee, und dichte Schneemassen begruben auch den Landsberger Kreis. Sie kamen an ihrer Oberfläche vorübergehend zum und hüllten das Land in eine starre Eismasse, in einem großen Gletscher. Die Gletschermasse bewegte sich von Skandinavien her infolge ihres Druckes und ihrer Lagerung auf einer schiefen Ebene langsam nach Süden. Das Gesteinsmaterial ihrer Unterlage wurde zerrieben und in gleicher Richtung bewegt. Es bildete die Grundmoräne des Gletschers. Am Südrande tauten die Eismassen; die Schmelzgewässer strömten unter dem Eise hervor, führten große Mengen Sand aus der Grundmoräne mit sich und trugen, da sie nur nach Westen abfließen konnten zur Bildung der in Norddeutschland nachgewiesenen alten Flussläufe bei. Der ausgewaschene Sand setzte sich als unterer Geschiebesand nieder, und darauf legten sich nach vollständigem Abtauen der Eismasse die Trümmer der Grundmoräne als untere Geschiebemergel.
Als der Inlandgletscher auf das baltische Höhenland zurück gedrängt war, bildeten die Schmelzgewässer das breite Flußthal der Netze und Warthe, worin auch das Wasser der Weichsel seinen Weg nach Westen zum Oderthal nahm. In der folgenden Zeit entwickelte sich auf den eisfreien Gebieten ein reges Tier und Pflanzenleben; auf ersteres lassen zahlreiche Funde von Schnecken und Muschelschalen oder deren Abdrücke im Ton der Gruben bei Landsberg schließen. Doch noch einmal drangen die Eismassen von Nordosten her vor und begruben das organische Leben. Diese zweite Vereisung reichte jedoch nicht soweit nach Süden als die vorhergegangene, sondern ließ höher gelegene Gebiete frei, so dass sich dort eine infolge der niedrigen Temperaturen zwar nur dürftige Pflanzendecke erhalten konnte. Vermutlich waren es nur die Pflanzen welche heute noch auf den Hochgebirgen und im Norden Europas zu finden sind; einige haben sich bis heute auf ihrer Stelle behauptet, so der an die Alpenrosen erinnernde Sumpfporst im Gebiet der Kladow bei Himmelstädt und der Zanze bei Zanzhausen. Indem die zweite Eisdecke abtaute, schichtete sich über den unteren Geschiebelehm ein oberer Sand und der oft zu Tage tretende obere Geschiebelehm, als die Reste der aus nordischen Gesteintrümmern bestehenden Grundmoräne des zweiten Gletschers. Die Feldsteine, besonders Granit und Feuersteine, die der Pflug aus den Acker zum Vorschein bringt, stammen also aus dem Norden Europas; man nennt sie erratische; d.h. verirrte Blöcke. Nach dem Abtauen der Gletscher begann das Wasser seine Tätigkeit, die Oberfläche zu verändern. Die Gewässer der Warthe und ihrer Nebenflüsse gruben sich tiefe Rinnsale in den oberen Geschiebelehm, bis ihre Strombetten ihre jetzige Tiefe erlangten. Wo das Wasser floss, setzten sich Schlamm und gelöste Erdmassen nieder, die sich bald mit Pflanzenwuchs bedeckten, als sie frei wurden. So bildete sich auf den überschwemmten Gebieten eine schwarze Erdschicht die man Humus nennt. Diese Schicht erlangte in den Niederungen der Netze und Warthe eine besondere Stärke, ebenso auch in den Wasserbecken der Hochebene.
Diese Zeit der Erdbildung in der wir uns noch gegenwärtig befinden, nennt man Alluvium. Der Boden des Landsberger Kreises besteht als, wie fast überall in der norddeutschen Tiefebene, aus fünf übereinander liegenden Schichten: Humus, oberer Geschiebelehm, oberer Sand, unterer Geschiebelehm, unterer Sand. In erschlossenen Sandgruben treten sie oft zu Tage.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)