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§ 30. Landsberg vor 100 Jahren.

Zu Anfang des jetzt vollendeten Jahrhunderts sah die Stadt nicht so schön und freundlich aus als heute; sie zeigte vielmehr noch durchweg das altertümliche Gepräge früherer Zeiten. Ringsum war sie von der mittelalterlichen Mauer eingeschlossen, über welche eine große Anzahl altersschwacher Türme emporragte. Die Eingänge waren noch mit Toren versehen, die am Tage frühzeitig geöffnet und um 10 Uhr abends geschlossen wurden. An die Tortürme lehnten sich die Torhäuser, worin der Torschreiber wohnte und auch oft die Torwache untergebracht wurde. Jeder einziehende Fremde musste sich beim Torschreiber melden und über seine Person Auskunft geben. Des Abends eilten die Bürger der Stadt zu, um noch vor Toresschluss hineinzukommen; denn wer sich verspätete, der musste den Schreiber herausklopfen und für das Öffnen einen Groschen bezahlen. An dem Tore wurde auch die Accise entrichtet, eine Warensteuer. Mit deren Aufhebung geschah auch die Beseitigung der Tore. Die Türme und Wachhäuser des Zantocher- und Mühlentores wurden 1828 abgebrochen, die an der Warthe 1834. Mit der Zeit verschwanden auch bis auf wenige heute noch erhaltene Reste die alten Mauern, um dem freien Verkehr Platz zu machen.
Die aus Holz und Fachwerk erbauten, meist einstöckigen Häuser waren mit Schindeln oder wie in den Vorstädten mit Stroh gedeckt und drehten ihre Giebel nach den krummen, engen Straßen. Nur wenige Wohnhäuser waren aus Mauerstein ausgeführt. Auf dem Markte überragte das altehrwürdige Rathaus mit dem „Blaseturm“ die niedrigen Häuser. Der Marktplatz, der durch den geebneten Kirchhof vergrößert worden war, hatte durch den Bau- und Brandschutt im Laufe der Jahrhunderte eine bedeutende Erhöhung erfahren, so dass man nicht mehr wie früher zur Marienkirche einige Stufen hinauf, sondern hinabsteigen musste. Die Umgebung der Kirche wurde durch eine geschlossene Reihe von Kirchenbuden verunstaltet, in welchen den Käufern die Waren feilgeboten wurden.
Einen trostlosen Anblick gewährten die Straßen. Sie waren nicht regelmäßig angelegt, sondern durch vorspringende Gebäude, Gärten und Keller verengt. Da die meisten eines Steinpflasters entbehrten, bildeten sich besonders zur Regenzeit grundlose Moräste und zeigten tiefe Löcher, die für den Verkehr gefährlich werden konnten. Besonders schlimm war es damit in der Mühlenvorstadt bestellt, wo das Wasser keinen freien Abfluss hatte und darum durch ungesunde Ausdünstungen die Luft verpestete. In der Mitte der Straßen führten die meist mit Schlamm gefüllten Rinnsteine oder nur offenen Gräben; die Schlammmassen wurden von einem Hause zum anderen weitergekehrt und blieben an gewissen Stellen häufig für immer liegen. Bis zum Jahre 1810 war keine Straßenbeleuchtung. Um nun nicht auf den Straßen zu verunglücken, nahm sich jeder Mensch abends bei Ausgängen eine brennende Laterne mit. Wer ohne diese ausging, konnte leicht in einem Schlammhaufen geraten oder in tiefe Löcher fallen.
Die Wohnungen waren einfach und schmucklos und bestanden meistens nur aus einer mit Kalkfarbe geweißten Stube nebst Kammer. Der große Kachelofen, hinter dem sich die „Hölle“ befand und der von einer breiten Bank umgeben war, nahm einem großen Teil des Wohnraumes ein. Dieser wurde abends durch eine einfache mit Rüböl gefüllte Lampe aus Zinn oder Blech oder auch nur durch ein Licht aus Rindstalg dürftig erhellt und dadurch mit einem übelriechenden Dunst erfüllt.      
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)