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§ 29. Landsberg während der Erhebung Preußens.

Im Frühjahr 1812 entwickelte sich in der Stadt neues kriegerisches Leben, als Napoleon die unterworfenen Völker gegen Russland aufbot. Über Landsberg führte die von französischen Kurieren besetzte Verbindungslinie zwischen Paris und dem jeweiligen Hauptquartier Napoleons. Die Heeresmassen entfernten sich jedoch bald nach Osten, drangen in die Steppen Russlands ein, wo das Strafgericht über Napoleon ergehen sollte. Lange Zeit blieb man in Landsberg  ohne Nachricht; der Winter brach auch hier mit furchtbarer Strenge herein, und jedermann setzte darauf seine patriotische Hoffnung. Endlich kam ein den Landsbergern von früher her bekannter kaiserlicher Kurier hier an, der mit großer Redseligkeit von einem großen entscheidenden Siege der Franzosen an der Beresina berichtete; er ließ sogar die Siegesnachricht an das Stadttor heften. Aber bald traf die sichere Kunde von der vollständigen Vernichtung der französischen Armee ein. Das erweckte große Freude, die jedoch die Bürger noch verheimlichen mussten, da Stadt und Land noch von Feinden besetzt war. Im geheimen wurden bald gedruckte Blätter verteilt, die das Volk aufforderten, sich gegen den Feind des Vaterlandes zu erheben. Russische Kosaken schweiften schon bis in die Gegend von Landsberg und lagerten bei Zanzthal. Davoust zog mit einem kleinen Truppenteil hier durch nach Küstrin, während in Landsberg eine schwache Besatzung blieb, von der gesagt wird, dass sie „keine Hähne auf den Flinten und den Tod im Leibe hatte“. Durch das Erscheinen der Kosaken wurde sie zerstreut. Gegen Ende des Jahres erfolgte nun die fast endlosen Durchmärsche der Trümmern des geschlagenen Heeres. Die Bewohner Landsbergs sahen nicht nur den Ausmarsch der stolzen, siegesbewussten Armee, sie erblickten nun auch ihre traurigen Überreste, in elenden Zustande, jämmerlich zerrissen und erfroren. Mancher Sohn einer fernen Heimat fand in der Stadt auf dem „Franzosenkirchhofe“ an der Friedebergerstraße seine letzte Ruhestätte, ein Opfer der korsischen Ruhmsucht.
Die Bewohner der Stadt blieben indes nicht untätig. Es wurde eine Bürgergarde organisiert, der jeder bis zum 60. Jahre angehörte und die 3000 Mann zählte; ebenso wurde das Schützenkorps aufs neue gebildet. Erlaubten sich nun die durchziehenden Franzosen Übergriffe, so waren sofort die Bürgersoldaten zur Stelle und zwangen einmal einen Obersten, mit seiner Schar die Stadt zu verlassen. Auch Davoust sah sich bei seinem letzten Durchzuge genötigt, wegen der drohenden Haltung der Einwohner vor dem Gasthause „Zur Krone“ einen gefangenen und gefesselten Preußen freizugeben und die Stadt schleunigst zu meiden. Die Russen unter Tschernitschew vernichteten am 4. Februar 1813 eine 1500 Mann starke Abteilung vom Davoust’schen Korps, und am 18. Februar kam es in und vor der Stadt zu einem Gefechte zwischen demselben russischen General, der mit 2000 Mann Landsberg besetzt hatte, und einem polnischen- westfälischen Korps, das in der Stärke von 5000 Mann von Süden her über die Brücke rückte und auf dem Markte kampfbereit den Angriff der Russen erwartete. Die Bewohner waren in großer Angst und befürchteten das Schlimmste. Ängstliche Stille herrschte in den Straßen. Da erschallten Schüsse, untermischt von Geschrei und Lärm. Eine kleine Abteilung Kosaken war von dem Feinde bemerkt worden und zog sich schnell zurück. So blieb der Stadt glücklicherweise das Schicksal erspart, der Schauplatz eines erbitterten Kampfes zu werden. Im weiteren Verlauf folgten den letzten Franzosen bald weitere Durchzüge russischer Truppenteile.
Im Frühjahr 1813 leisteten zahlreiche Landsberger dem Aufruf ihres Königs Folge,, um ihren Teil an der Befreiung des Vaterlandes beizutragen; von den Gefallenen geben uns die Gedächtnistafeln in den Kirchen Kunde. Die Zurückgebliebenden entwickelten einen regen patriotischen Eifer zur Pflege der Verwundeten, wie auch zur Unterstützung der Witwen und Weisen der Gefallenen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)