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§ 28. Landsberg zur Zeit der französischen Fremdherrschaft.

Durch die unglückliche Schlacht bei Jena und Auerstädt im Jahre 1806 wurde der stolze Bau des Staates Friedrichs des Großen zertrümmert. Die Folgen dieses französischen Sieges machten sich auch bald in Landsberg bemerkbar. Alles, was irgend konnte, flüchtete nach dem Osten der Monarchie und benutzte die über Landsberg nach Preußen führende Heerstraße, gefolgt von den schnell nachdringenden Franzosen. König Friedrich Wilhelm III. und die edle Königin Luise berührten – in zwar trüber aber gefasster Stimmung – am 26. Oktober die Stadt, um sich nach dem äußersten Osten der in ihrem Grundfesten erschütterten Monarchie zu flüchten. Schon am Anfange des nächsten Monats sahen die Bewohner die ersten Franzosen in ihren Mauern; denn die Festung Küstrin hatte sich trotz des bestimmten Befehls des Königs, sich so lange als möglich zu halten, ohne Widerstand einer schwachen Abteilung französischer Kavallerie ergeben. In Landsberg nahm ein französischer Oberst als Kommandant seinen Sitz. Die feindlichen Soldaten plünderten auf dem Lande überall in roher Weise; besonders wurde dem Dorfe Balz hart mitgespielt, wo die französischen Nachzügler die Betten aufschnitten und die Federn ausstreuten, Gänse und Hühner auf ihre Bajonette aufspießten, Fenster und Türen zerschlugen und sich mit ihrem Raube entfernten.
In der Folge entwickelte sich auf den Straßen Landsbergs ein eigenartiges, kriegerisches Bild, indem sich Tag und Nacht feindliche Heermassen fast ohne Unterbrechung nach Osten wälzten; die Bürger hatten oft in einer Nacht 15 000 Mann Franzosen zu beherbergen. Die Erwartung und Unruhe wuchs, als die Ankunft des Kaisers Napoleon angesagt und dafür von der Stadt die Bereithaltung einer großen Anzahl Pferde verlangt wurde. Es war an einem trüben, regnerischen Novembertage, als der Kaiser in einem Wagen, neben ihm der General Berthier, in Landsberg ankam. Auf dem Markte ließ er halten und eine Abteilung Soldaten bildeten um ihn einen engen Kreis. Nachdem die Pferde gewechselt worden waren, fuhr er über die Brücke weiter nach Posen. Ihm folgte sein Schwager Murat, der zum Könige von Polen ausersehen war. – Später zog auch der russische Kaiser Alexander durch Landsberg und wurde hier von dem Marschall Lannes empfangen. Der Kaiser befand sich auf der Reise nach Erfurt, um an der Zusammenkunft der Herrscher vor Napoleon teilzunehmen. Im Jahre 1811 erschien Davoust, dieser grausame und hochmütige Marschall, in dessen Nähe die Offiziere nicht wagten, sich zu setzen oder ungefragt zu reden.
Die Bewohner der Stadt hatten unter der fortwährenden Einquartierung sehr zu leiden; die Soldaten waren anmaßend und stellten übermäßige Forderungen an ihre Wirte. Die Erbitterung gegen die Eroberer wuchs und die Schmach des Friedens von Tilsit erzeugte bei den Bewohnern glühenden Haß. Landsberg musste auch oft hohe Summen als Kriegssteuer zahlen und trug aus dieser Zeit eine hohe Schuldenlast davon.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)