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§ 27. Friedrichs des Großen Fürsorge für Landsberg und das Warthebruch

Nach dem Hubertsburger Frieden 1763 trat der große König als Helfer in der größten Not ein; auch Landsberg durfte sich seiner landherrlichen Fürsorge erfreuen. Es erhielt Lieferungen an Getreide und bedeutende Summen zum Aufbau der Häuser.
Im Jahre 1764 wurde die Stadt von einem großen Brandunglück betroffen, indem fast die ganze Zechower Vorstadt nebst der Konkordienkirche ein Raub der Flammen wurde. Der Geheime Finanzrat von Brenkenhof machte beim König den Vorschlag, den Abgebrannten freies Bauholz und den Bedürftigen die Hälfte der Baugelder zu überweisen. Der König ging darauf ein; das Bauholz wurde aus den königlichen Forsten geliefert und der Wiederaufbau der Stadt mit 40 000 Thalern unterstützt. In einigen Jahren waren durch des Königs Fürsorge die 225 abgebrannten Gebäude wieder hergestellt.
Den größten Vorteil erlangte die Staat durch die vom Könige veranlasste Entwässerung und Fruchtbarmachung des angrenzenden Netze und Warthebruchs. Wohl hatte schon Friedrich Wilhelm I. die Absicht gehabt, diese Sumpflandschaft der Kultur zu gewinnen, indem er einige Kolonien anlegen ließ; aber die vollständige Ausführung dieses großen Friedenswerkes ist Friedrich dem Großen zu verdanken. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges ließ er das ganze Gebiet vermessen, eine Landkarte davon anfertigen und einen Plan zur Entwässerung und Urbarmachung aufstellen. Die Ausführung wurde Brenkenhof übertragen. Es galt zunächst, das Wasser der Warthe, das bisher in vielen Armen das Gebiet durchströmte, auf sein Hauptbett zu beschränken. Darum wurden die großen Wälle erbaut, so der Wall von Borkow bis Költschen, von Wepritz bis Fichtwerder und abwärts bis Warnick. Das geschah in den Jahren 1775 bis 1785. Die Einengung der Warthe bei Landsberg musste bei Hochwasser eine große Gefahr für die Stadt zur Folge haben; darum wurde südlich der Stadt ein Kanal angelegt, der Brenkenhofkanal, der dazu bestimmt war, bei Hochfluten einen Teil des Wassers vor der Stadt abzuleiten. Zum Schutze der Brückenvorstadt wurde der Rundungswall erbaut.
Gleichzeitig mit der Verwallung der Wartheufer betrieb man die Entwässerung und Besiedlung des Bruchs. Zu diesem Zwecke wurden Abzugsgräben gezogen und Schleusen angelegt, um das Wasser zu sammeln und abzuführen. Auf dem trockengelegten Boden erhoben sich Kolonien, die von eingewanderten Kolonisten angelegt wurden. Es waren Ansiedler aus der Pfalz, aus Ansbach, Bayreuth, die sich hier eine neue Heimat gründeten. Die Zahl der neugegründeten Kolonien betrug auf der rechten Wartheseite 22, auf der linken 72, im Netzebruch 30. Die Bezeichnung dieser Ortschaften lieferten die Namen berühmter Männer aus der Umgebung Friedrichs des Großen, wie Seydlitz, Czettritz, Alvensleben, Massow, Hagen, Leopld von Dessau, Cocceji, Gerlach u.s.w. Eine größere Anzahl verdankt ihre Namen Orten und Landschaften Nordamerikas, das damals durch seinen Freiheitskrieg die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zog, z.B. Philadelphia, Saratoga, Yorkstown u.s.w.
Für die weitere Entwicklung Landsbergs war die „im Frieden gewonnene Provinz“, wodurch über 4 Quadratmeilen sumpfiges Land in fruchtbare Gefilde verwandelt wurden, von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Obwohl die Stadt damals auch Verpflichtungen übernahm und sich mit einer erheblichen Beitragsschuld belastete, so floss der  weiter Kämmerei doch jährlich ein bedeutender Betrag an Grundzins zu. Das fruchtbare Warthebruch lieferte in der Zukunft seine reichlichen Erzeugnisse auf den Markt zu Landsberg und trug so zur Hebung des Verkehrs bei. Auch die Wartheschifffahrt wurde jetzt eine lebhaftere, da alle Fahrzeuge nur in nächster Nähe der Stadt vorübergehen mussten. Die Bedeutung der Warthe als Schifffahrtsstraße wuchs seit der Anlage des Bromberger Kanals durch Friedrich den Großen im Jahre 1772. So gereichten die Friedenswerke des Königs der Stadt und ihren Bewohnern zum großen Vorteil, und Handel und Gewerbe erfreuten sich eines bedeutenden Aufschwungs. Der Name des großen Königs ist aber noch auf andere Weise mit der Entwicklungsgeschichte der Stadt für immer verknüpft. Auf seinen Befehl erfolgte im Jahre 1772 die Anlage der Friedrichstadt auf der schmalen Talsohle zwischen dem Höhenzuge und der Warthe im Westen der Stadt. Der Empfang, den die Einwohner ihrem königlichen Beschützer und Fürsorger bei seiner Anwesenheit in der Stadt 1780 bereitet haben werden, wird darum die Dankbarkeit und Anhänglichkeit zum Ausdruck gebracht haben, die ihrem Wohltäter im reichsten Maße gebührten.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)