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§ 26. Die Schicksale Landsbergs zur Zeit des siebenjährigen Krieges.

Während Landsberg von den Vorgängen der beiden ersten Kriege, die Friedrich der Große um Schlesien führte, nicht berührt wurde, so zog um so furchtbarer das Ungewitter des siebenjährigen Krieges über die Stadt herauf. Nach dem Siege der Russen bei Groß Jägersdorf im Jahre 1757 stand denselben der Weg in preußisches Gebiet offen. Die russischen Heerhaufen bewegten sich, dem Laufe der Ströme folgend, nach Westen. Sie führten ein unermessliches Gepäck mit sich und kamen darum nur langsam vorwärts, sodass sie täglich etwa nur eine halbe Meile zurücklegten und von Königsberg i. Pr. bis Küstrin 7 Monate brauchten. Gleich einer vernichtenden Lava ergossen sich die wilden Kosaken und Kalmückenhorden des Generals Fermor über das Land, verheerten alles in unmenschlich grausamer Weise und verbreiteten Schrecken und Entsetzen. Sie hausten schlimmer als die Kaiserlichen und Schweden während des dreißigjährigen Krieges. Die wilden Horden verwandelten die Neumark in eine Wüste, plünderten und verbrannten Dörfer und kleine Städte, zerschlugen alle Gegenstände in den Häusern, vernichteten das Getreide und misshandelten und mordeten die Bewohner.
Um sich vor den russischen Grausamkeiten zu retten, flüchteten die meisten Bewohner Landsbergs in die fast unzugänglichen Schilf- und Erlenbüsche des Warthebruchs, während die wertvollsten Gegenstände und wichtigsten Schriften nach der Festung Küstrin in Sicherheit gebracht wurden. Am 23. Juli 1758 wurde die fast wehrlose Stadt Landsberg von den Russen besetzt, und bald folgte auch Fermor mit der Hauptmacht, die sich in unabsehbarem Zuge von Süden her über die Brücke wälzte und in Stärke von 50 000 Mann in der Stadt und ihrer Umgebung lagerte. Der Feldheer war zwar bestrebt, strenge Manneszucht zu halten und belegte die Übergriffe mit schweren Strafen; aber schließlich liefen seitens der Bürgerschaft soviel Klagen ein, dass es ihm zuviel wurde und er ungeduldig ausrief: „Lieber verklagt doch die ganze Armee!“ Nun hatten die Kosaken im Plündern freie Hand. Es war darum für die Bewohner eine Erlösung, als sich Fermor mit der Hauptmacht gegen Küstrin wandte und nur eine Besatzung in Landsberg zurückließ.
Da nahte Friedrich der Große als Retter und Rächer in Eilmärschen aus Schlesien her mit 14 000 Mann und vereinigte sich bei Frankfurt a.O. mit dem Grafen Dohna, der vor der Übermacht hatte zurückweichen müssen. In dem Winkel zwischen Warthe und Oder zwang er am 28. August bei Zorndorf die barbarischen Feinde nach einer der blutigsten Schlachten zum Rückzuge. Der König schrieb damals an den Feldmarschall Keith: „Ich habe die Russen gesehen und geschlagen, fand aber wilde Tiere vor mir“. Fermor entwich über Kammin, Vietz und Landsberg, und Friedrich schlug sein Hauptquartier im Schlosse zu Tamsel und darauf in Blumberg auf. Noch furchtbarer als auf dem ersten Durchmarsch hausten die Russen auf ihrem fluchtartigen Rückzuge in der Neumark. Was sie zuerst noch übrig gelassen hatten, das fiel jetzt ihrer Raubgier und Zerstörungswut zum Opfer. Im Dorfe Zantoch blieb ein einziges Haus stehen; ebenso erging es den meisten Ortschaften.
Während Friedrich der Große dem Grafen Dohna die Verfolgung der Russen überließ, ging er selbst nach Sachsen. Die Besatzung, welche Fermor in Landsberg zurückgelassen hatte, musste bald den nachdrängenden Preußen weichen. Damit hatten aber die Kriegsleiden der geplünderten Bewohner noch kein Ende. 1759 wälzte sich ein russisches Heer unter Soltikow gegen die Stadt heran; es wurde jedoch durch preußische Truppen, die bei Landsberg ein Lager bezogen, im Vordringen aufgehalten. Noch einmal wurde Landsberg nach der unglücklichen Schlacht bei Kunersdorf 1759 durch die Raubzüge der Kosaken und Kalmücken furchtbar mitgenommen. Dem Vorrücken der Generäle Soltikow und Fermor im Jahre 1760 warf sich Prinz Heinrich, der Bruder Friedrichs, von Schlesien her entgegen und schlug im Juli in Landsberg sein Hauptquartier auf. Im weiteren Verlaufe des Krieges berührten noch öfters russische Abteilungen den Landsberger Kreis; doch konnten sie keinen längeren Aufenthalt nehmen, weil das verwüstete Land keinen Unterhalt mehr bot. Endlich machte 1751 der Tod der Kaiserein Elisabeth, der erbittersten Feindin Friedrichs den russischen Grausamkeiten ein Ende. Durch den siebenjährigen Krieg verlor die Neumark mehr als 60 000 Menschen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)