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§ 23. Die Hussiten in der Neumark und vor Landsberg.

Während die streitbaren und raublustigen Hussiten schon vorher in der Mark bis Bernau vorgedrungen waren, wurden sie im Jahre 1433 von dem Polenkönige veranlasst, in die Neumark, welche damals dem deutschen Ritterorden gehörte, einzufallen. Sie drangen von Schlesien her unter ihrem Hauptmann von Saan vor; Dörfer und Städte wurden von ihnen erobert, geplündert und verbrannt, die Bewohner gemißhandelt und getötet. In der Neumark war man auf ihren Einfall wenig vorbereitet; das Land war schlecht gerüstet, die festen Orte nur dürftig mit Wehren, Waffen und Verteidigern besetzt. Die Söldner des Ritterordens zeigten sich meistens unwillig, zum harten Kampfe nicht geneigt, da ihre Soldforderungen oft nicht befriedigt werden konnten. In Landsberg befand sich zur Zeit der Ordensvogt der Neumark. Auf die Nachricht von dem Anrücken der Hussiten zog er mit 1000 Reisigen und viel Fußvolk nach Süden über die Warthe und verwüstete das polnische Grenzgebiet, um den Feinden in der Gegend den Unterhalt zu entziehen und keine befestigten Orte in der Nachbarschaft in ihren Besitz gelangen zu lassen. Darauf begab er sich wieder in die Mauern Landsbergs zurück.
Das Heer der Hussiten und der mit ihnen verbündeten Polen bestand aus 700 Reitern und etwa 8000 Mann Fußvolk mit Büchsen, Streitwagen und Belagerungsgeräten. Sie nahmen ihren Weg über den alten Netzepaß Zantoch und besetzten die Feste durch Verrat des Schlosshauptmanns der Johanniter, der dadurch erreichte, dass seine Besitztümer vor Plünderung verschont blieben. Nun stand den wilden Scharen der Weg in die ganze Neumark offen. Zuerst wandten sie sich gegen Friedeberg, das ebenfalls durch Verrat genommen wurde. Der Sturm dauerte zwei Tage und zwei Nächte; die Stadt ging in Flammen auf, und alle Einwohner wurden erschlagen. Das gleiche Schicksal hatte Woldenberg. Ein Heerhaufen zog über Stolzenberg und Wormsfelde auch gegen Landsberg heran, dass der Vogt mit seinem Heere kurz vorher geräumt hatte, um den nördlichen Teil der Neumarkt, besonders Königsberg, zu schützen. Die Hussiten besetzten die Schanzen vor dem Zantocher Tore und lagerten hier vom 9. bis 15. Juni. Doch die Befestigungen boten ihnen unerwartete Hindernisse. Die Stadt war auf den anderen Seiten durch das alte Warthebett, den Kladowteich und den Kupfergraben geschützt; vom Zantocher Tore führte nur ein schmaler Damm ins Innere der Stadt, der leicht verteidigt werden konnte. Die Hussiten sahen sich in ihrem Angriff darum darauf beschränkt, die Stadt von den Schanzen aus mit glühenden Kugeln zu beschießen, wodurch viele Häuser in Brand gesetzt wurden. Mit großer Tapferkeit verteidigten die wehrhaften Bürger, durch Söldner verstärkt, ihre Stadt und suchten durch kühne Ausfälle die Belagerer zu vertreiben. Die Umgebung litt furchtbar unter dem kurzen Aufenthalt dieser wilden Horden. Da sie wohl das vergebliche ihrer Belagerung einsehen mochten, so zogen sie endlich ab und wandten sich gegen Soldin, das sie von den Bewohnern, die sich in die Wälder geflüchtet hatten, verlassen fanden und vollständig nieder brannten. Ebenso erging es Lippehne, Schönfließ und Bärwalde; erst vor dem gut befestigten und tapfer verteidigten Königsberg wurde Halt geboten. Sie wandten sich durch Pommern nach Preußen, um den Orden im eigenen Lande anzugreifen.
So waltete auch dieses Mal über Landsberg ein großes Geschick. Aber schwere Opfer hatte der Einfall und die Belagerung der Stadt gekostet. Der vierte Teil der Stadt war durch Feuer verwüstet; die Zahl der Bewohner war sehr herabgesunken; noch immer drohte der König von Polen als ein sehr gefährlicher Nachbar, und nur eine starke Hand wäre imstande gewesen, den kriegerischen Zuständen ein Ende zu machen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)