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§ 20 Gründung der Stadt

a. Der Ort vor der Stadtgründung
An der Stelle, wo sich heute die verkehrsreiche, durch die Anhöhen vielfach gegliederte Stadt ausbreitet, befanden sich schon seit uralten Zeiten menschliche Ansiedlungen, wovon uns die zahlreichen Funde an vorhistorischen Werkzeugen, Waffen und Geräten Kunde geben. Der Ort hatte eine günstige Lage; denn er war im Süden durch die weiten unpassierbaren Sümpfe des vielarmigen Stromes, im Norden durch fast undurchdringliche Urwälder geschützt. Auch führte längs des Flusses eine alte Handlesstraße von Polen nach Westen, die schon von etruskischen Kaufleuten zur Zeit der Römer benutzt wurde. Zum Schutze erhob sich etwa auf der Stelle, wo heute das Gymnasium steht, eine slawische Burg; denn ehe die Deutschen von Westen her vordrangen, befand sich das Land im Besitz der Wenden, und an Stelle der heutigen Stadt lag ein armseliges wendisches Fischerdorf.

b. Die Ursachen der Gründung.
Im 13. Jahrhundert stritten sich die Polen, Pommern und Schlesien um den Besitz des Landes an der Netze und Warthe. Diese Streitigkeiten benutzten die brandenburgischen Markgrafen Johann I. und Otto III. aus dem Hause der Askanier, um Teile des Gebietes in ihren Besitze zu bringen, was ihnen auch gelang. Um die eroberten Landesteile zu behaupten und gegen feindliche Überfälle gesichert zu sein, suchten sie feste Stützpunkte neu anzulegen und alte zu gewinnen. Sie trachteten darum danach, die kleinen wendischen Ortschaften in Städte zu verwandeln, sie mit deutschen Kolonisten zu bevölkern und durch Handel und Gewerbe den Wohlstand der Bewohner herbeizuführen. Die Zeit, wann sich die Brandenburger in den Besitz der alten slawischen Burg an der Warthe gesetzt haben, ist nicht genau bekannt. Als sich die beiden Brüder Johann und Otto das Land teilten, erhielt Johann das Grenzgebiet der Neumark gegen die Polen, die im Besitz der starken Feste Zantoch waren. Um sich gegen diese zu schützen, gab der Markgraf am 2. Juli 1257 zu Stolp in der Uckermark seinem getreuen Albrecht von Luge, einem Ritter seines Gefolges, die urkundliche Erlaubnis, bei jener Burg eine befestigte Stadt zu gründen, die wegen ihrer Aufgabe, eine Bergerin und Schirmerin des neuen Gebietes zu sein, und zur Unterscheidung von dem Orte gleichesn Namens, Neu- Landisberch genannt wurde.

c. Anlage und Umfang.
Die bisherigen Bewohner des Ortes, die Wenden, erhielten ein gewisses Gebiet angewiesen; ihr Dorf bildete die Anlage des Kietz. Für das neue Gemeinwesen wurden dagegen deutsche Ansiedler herangezogen, und zwar waren es besonders Einwanderer aus Alt- Landsberg. Die neue Stadtanlage hatte nur einen bescheidenen Umfang und umfasste 104 Hufen (ein Hufe etwa 30 Morgen). Sie lag wahrscheinlich auf der linken Seite des Flusses, da dieser früher hier in einem Bogen nach Norden floss, der etwa die Richtung über den Paradeplatz, die Neustadt und den Kladowteich verfolgte. Jenseits war zum Schutze der Stadtgraben gezogen, der sich dann später zum jetzigen Stromlaufe erweiterte.

d. Der Anblick der Stadt.
Die Stadt sah nicht besonders eindrucksvoll und großartig aus. An die Burg schlossen sich nach Westen die aus Holz erbauten niedrigen Häuser und Hütten, geschützt nach außen durch Gräben und hölzerne Schutzwehren. Auf dem Platze in der Mitte, dem Marktplatze, erhob sich das Rathaus, vorn mit einem überwölbten Vorbau, der Gerichtslaube, zu der die Gerichts oder Richtstraße führte. Neben dem Rathause stand die hölzerne Kirche. Auch außerhalb der schützenden Umwehrung befanden sich einzelne Gebäude, so an der Stelle der heutigen Konkordienkirche die Gertraudenkapelle, am Hospitalplatz das Heilige Geisthospital und südlich des Stadtgrabens das St. Georgenhospital für Aussätzige.

e. Die Bewohner und ihre Rechte
Um das junge Gemeinwesen schnell zu bevölkern, erhielten die Bürger der Stadt auf 10 Jahre Freiheit von allen Steuern und Zöllen und das Recht der Fischerei im Flusse eine halbe Meile aufwärts und ein Meile abwärts. Der Wohlstand der Bewohner wurde noch besonders durch das Recht der Niederlage gefördert. Dieses Recht bestand darin, dass die Kaufleute alle über Landsberg geführten Waren drei Tage lang den Bürgern zum Verkauf stellen und für die nicht verkauften Waren einen Zoll an die Stadt zahlen mussten. Obgleich damals die Warthe noch nicht schiffbar war, so ging der Hauptverkehr von Polen her doch über Landsberg, wodurch dieses zu einem Stapelplatz für Waren wurde, was den Bewohnern reichen gewinn abwarf. Als durchgehende Waren sind zu nennen: wollene Tuche, Leinewand, Felle, unedle Metalle, Holz, Hopfen, Honig, Getreide und besonders Hering. So waren nach den damaligen Zeitverhältnissen überaus günstige Bedingungen für das Aufblühen der jungen Stadt gegeben. Bald bildete sich die Genossenschaft des Handwerks, die vier goldenen Gewerke: die Innung der Tuchmacher, der Bäcker, der Schlächter und der Schuhmacher.

f. Verwaltung und Rechtspflege
An der Spitze der Stadtgemeinde stand der vom Landesherren eingesetzte Schulze, der in der Verwaltung von 12 Ratmännern unterstützt wurde. Letztere wurden als Vertreter der Bürgerschaft von den vornehmen Bürgern gewählt. Sie übten besonders die polizeiliche Aufsicht, achteten auf den Bau der Häuser, auf die gute Beschaffenheit der feilgebotenen Waren und schützten die Käufer vor Betrug durch schlechte Waren und übermäßigen Preis. Eine weiter Aufgabe des Rats war die Rechtspflege. Der Markgraf hatte der Stadt das deutsche oder magdeburgische Recht verliehen, wodurch die Bewohner von der sogenannten polnischen Dienstbarkeit befreit blieben. Die Stadt bildete ein freies, mit Lehnsdiensten nicht belastetes Gemeinwesen und schied aus dem Schlossbezirk Zantoch, zu dem es früher gehörte; sie wurde dem Landesherren unmittelbar unterstellt und hatte diesem Abgaben zu entrichten. Das Stadtgericht bestand aus wenigstens 5 Ratmännern oder Schöffen unter dem Vorsitze des Schulzen und wurde zu bestimmten Zeiten in der Gerichtslaube vor dem Rathause öffentlich abgehalten, sodass die ganze Bürgerschaft Zutritt hatte. Die Strafen waren, dem Charakter der Zeit entsprechend, sehr streng; Hinrichtungen oder körperliche Verstümmlungen waren für schwere Vergehen, Staupenschlag und Gefängnis für geringere. Durch den Landesherren konnten diese Strafen in hohe Geldbußen umgewandelt werden. In zweifelhaften Fällen der Rechtssprechung holten sich die Landsberger Schöffen bei den Ratsmännern zu Brandenburg oder Strausberg, später bei den Schöffen zu Soldin Auskunft und Belehrung. Als Zeichen städtischer Freiheit wurde die Rutlands oder Rolandssäule auf dem Markte errichtet, wie sie heute noch in manchen Städten zu finden ist. Es war die rohgeformte Bildsäule eines Mannes, barhäuptig, mit einem Mantel angetan; sie erhob sich auf dem hohen Überbau eines plätschernden Brunnen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)