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§ 19. Die Bewohner Landsbergs

Bei der letzten Volkszählung am 1.Dezember 1900 betrug die ortsanwesende Bevölkerung 33 597 Einwohner (1890: 28 065 Einwohner; 1895: 31 661 Einwohner). Sie bekennen sich in ihrer großen Mehrzahl zur evangelischen Kirche; ein kleiner Teil gehört zur römisch- katholischen Kirche. Von anderen Religionsgemeinschaften sind vertreten: Evangelisch- lutherische Gemeinde, Apostolisch- katholische Gemeinde (Irvingianer), Baptisten, Juden und Anhänger der Heilsarmee.
Nach der Beschäftigung unterscheidet man den Nährstand, den Beamtenstand, den Lehrstand und den Wehrstand. Der Nährstand ist am zahlreichsten vertreten und beschäftigt sich hauptsächlich mit Handel, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Schifferei und Fischerei. Der Handel wird durch die Kaufleute besorgt. Diese betreiben, je nachdem sie die Waren in kleinere oder größere Mengen verkaufen, Kleinhandel oder Großhandel. Gegenstände des kaufmännischen Handels sind Kolonialwaren, Manufakturen, Galanteriewaren, Drogen u.s.w. Die Kaufleute führen diese Waren auf den genannten Verkehrswegen von auswärts ein (Einfuhr oder Import). Zur Belebung des Handels dienen Wochenmärkte, Jahres- und Viehmärkte, Woll- und Getreidemärkte. Der Wollmarkt findet im Juni jedes Jahres statt, wozu die Besitzer von Schafherden aus der Neumark die gewonnene Wolle zum Verkauf senden. Die Käufer kommen hauptsächlich aus Zielenzig, Neudamm, Kottbus und Forst. Sehr umfangreich ist auch der Holzhandel. Aus den benachbarten ausgedehnten Forsten werden Grubenhölzer, Eisenbahnschwellen, Telegraphenstangen, andere Nutzhölzer und Brennholz in Landsberg verladen. Auch der Großhandel mit Fleisch nach Berlin ist bedeutend. Eine große Anzahl von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden wird alljährlich unter sanitäts- polizeilicher Aufsicht im städtischen Schlachthause geschlachtet. Dem Geldverkehr dienen die Reichsbankstelle in der Friedebergerstraße, der Kreditverein in der Theaterstraße, die städtische Sparkasse und mehrere Bankgeschäfte. Für den regen Fremdenverkehr sorgen 23 Gasthöfe.
Die verschiedenen Gewerbe werden von den Handwerkern ausgeübt. Sie sorgen für Nahrung, Kleidung, Wohnung u.s.w. Die meisten Arbeiter sind in der Industrie beschäftigt. Obenan steht die Eisenindustrie mit mehr als 1100 Arbeitern in drei Fabriken. Die Maschinenbau- Anstalt Pauksch in der Dammvorstadt trägt ihre Erzeugnisse und den Namen der Stadt in alle Weltteile. In zweiter Reihe steht die Holzindustrie; durch diese wird das Nutzholz in hiesige Sägewerke zu Brettern und Bauholz geschnitten und vielfach bald verarbeitet. An anderen Fabriken, die den verschiedensten Industriezweigen dienen, sind zu nennen: Netzfabriken, Kabelfabrik, Draht und Hanfseilerei, eine Sackfabrik, zwei Schuhwarenfabriken, mehrere Möbel- und Posamentenfabriken, 13 Ziegeleien und Kalkbrennereien, Steinmetzereien, eine Mühlsteinfabrik, 8 Brauereien und eine Mälzerei, Zucker- und Chokoladenfabriken, Buchdruckereien, Zigarren- und Tabakfabriken, Mahl- und Ölmühlen.
Landwirtschaft, verbunden mit Viehzucht, treiben die Bewohner der Vorstädte in der Umgebung der Stadt. Die Hauptfrüchte sind Roggen und Kartoffeln; außerdem werden noch Weizen, Hafer, Gerste, Rüben u.s.w. angebaut. Die Wiesen an der Warthe und Kladow liefern reichlichen Heuertrag. Für Gartenfrüchte sorgt eine große Anzahl von Kunst-, Handels- und Gemüsegärtnereien. Viele landwirtschaftlichen Arbeiter verlassen von Frühling bis Winter die Stadt, um im Westen als „Sachsengänger“ oder „Schnitter“ auf großen Gütern zu arbeiten.
Die im Schiffereigewerbe beschäftigten Bewohner fahren als Schiffer oder besorgen das Aus- und Einladen der Frachtgüter. Die Warthe und andere Gewässer geben einer kleineren Anzahl von Personen als Fischer Beschäftigung und Verdienst.
Der Beamtenstand wird von denjenigen Personen gebildet, welche ein Amt bekleiden. Die Beamten sind königliche, z.B. am Gericht, an der Bahn und der Post, Gemeindebeamten und Privatbeamten.
Der Lehrerstand sorgt in Kirche und Schule für die geistige Ausbildung der Bewohner, um sie zu würdigen Mitgliedern des Staates und des Reiches Gottes heranzubilden.
Der Wehr- oder Militärstand ist zur Verteidigung des Vaterlandes gegen äußere Feinde und zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Gesetze im Innern bestimmt. Jeder waffenfähige junge Mann ist durch die allgemeine Wehrpflicht genötigt, im Landheer oder in der Marine zu dienen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)