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§ 14 An der Warthebrücke

Welche Straßen führen vom Markte zur Warthe? Was für ein Gewässer ist die Warthe? In welcher Richtung fließt sie an der Stadt vorüber? Erkläre Quelle, Strombett, Ufer, Mündung, Nebenfluss!
Die hölzerne Warthebrücke verbindet die beiden Stadteile nördlich und südlich des Flusses; sie wird von fünf hölzernen Strompfeilern getragen, die durch sieben vorgebaute Eisbrecher gegen den Andrang der Eisschollen geschützt sind. Um die Lastkähne mit ihren hohen Masten hindurchzulassen, ist die Brücke mit einem zweiteiligen Aufzuge versehen. Stromaufwärts erblickt man am rechten Ufer das Gymnasium. Es steht auf dem Platze der alten slawischen Burg und des späteren Ordensschlosses und wurde 1859 bezogen. Vor dieser Zeit befand sich hier das Schulhaus der höheren Bürgerschule, das jedoch 1856 abgerissen wurde, um teils der Anlage der neuen Bahn Raum zu schaffen. Das in den höheren Stockwerken im Rundbogenstil erbaute stattliche Gebäude beherbergt gegenwärtig das Gymnasium, eine Realschule und eine Vorschule. An der Krümmung des Stromes erheben sich auf der Nordseite die Gebäude des Landarmenhauses, welches 1799 von den Ständen der Neumark gegründet wurde und dazu dient, herabgekommene und arbeitsscheue Leute aus der Provinz zeitweise aufzunehmen. Dieser Anstalt gegenüber liegt auf der linken Stromseite die Villa Pauksch mit Park. In weiter ferne schweift das Auge von der Brücke aus über die Warthewiesen bis an die teils bewaldeten Abhänge der pflanzenreichen Zechower Berge. Stromabwärts trifft der Blick, an der Mündung der Kladow vorüber, auf den stolzen Bau der neuen Eisenbahnbrücke, über welcher die Züge der Landsberger- Schweriner Bahn dahinrollen. Der ganze Oberbau ist aus Eisenteilen zusammengefügt und ruht auf fünf steinernen Strompfeilern und zwei Landpfeilern. Zum Niederlegen und Aufrichten der Masten befinden sich ober- und unterhalb zwei Hebevorrichtungen (Kräne), die durch einen schwimmenden Laufsteg verbunden sind. Der Bau der Ostbahn wurde 1855 begonnen. Die Landsberg- Schweriner Bahn wurde 1896 bis zur Brückenvorstadt eröffnet und 1899 bis zum Ostbahnhof weitergeführt.
Das Leben und Treiben auf der Warthe bietet dem Beobachter ein anziehendes, abwechslungsreiches Bild. Gewöhnlich ist der Strom mit bunt bewimpelten Lastkähnen und rauchenden Dampfern belebt, deren Schaufelräder das Wasser schäumend aufwühlen. Schleppdampfer ziehen eine Reihe Lastkähne stromabwärts; öfters schwimmen Holzflöße aus Russisch Polen unter der Brücke hindurch. An den Ufern liegen Frachtkähne, aus deren tiefen und weiten Schiffsräumen allerlei Waren ausgeladen werden, wozu zwei Kräne, ein hydraulischer im Anschluss an die Wasserleitung und ein solcher mit Handbetrieb, vorhanden sind. Es sind Kaufmannsgüter verschiedener Art von Stettin her, auch Eisenwaren, Futter und Düngemittel; Brennmaterialien (Stein und Braunkohle) aus dem Stromgebiet der oberen Oder. Von Osten her bringen die Fahrzeuge vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse: Zucker, Getreide, Kartoffeln, Stärke, Spiritus; die leeren Schiffskörper werden dann wieder mit Produkten der hiesigen Gegend gefüllt, wie Grubenholz, Brennholz und Ziegelsteine.
Einen ganz anderen Anblick gewährt der Strom im Winter, bei Überschwemmungen und Eisgang. Wenn der Winter anhaltend strenge Kälte bringt, so bedecken sich die Fluten mit Grundeis, das bald feststeht und nun den Strom in einem Eispanzer gefangen hält. Im Frühjahr treten bei Eis und Schneeschmelze und im Sommer bei starken Regengüssen im oberen Stromgebiet nicht selten große Überschwemmungen  ein, und die Chronik der Stadt weiß sehr oft von dem Elend und der Verwüstung des Hochwassers zu berichten. Den höchsten Wasserstand erreichte die Warthe im Jahre 1888, wo er 4,90 m über dem Nullpunkt des Pegels zeigte und alle tiefer gelegenen Stadtteile überschwemmt wurden. Im folgenden Jahr blieb die Wasserhöhe von der oben genannten nur um 0,50 m zurück. Die zweitgrößte Überschwemmung fand im Jahre 1785 statt; der Wasserstand war damals nur um 0,10 m niedriger als 1888. Das Frühjahr 1855 brachte nach starkem Hochwasser einen sehr gefährlichen Eisgang, den der Verfasser der Geschichte Landsbergs mit folgenden Worten beschreibt: „Welch ein Eisgang! Die ältesten Leute wussten von einem solchen nicht zu erzählen. Wie heimtückisch, wilde Ungetüme, wie rasende, zaubermächtige Kobolde wälzten sich die gewaltigen Massen daher, rasierten die stärksten Weidenbäume an den Wiesengräben und beim Hopfenbruch, zerknickten die Barriere am massiven Bollwerk oberhalb der Brücke, warfen sich mit höhnenden Übermut daselbst auf die Straße, führten einen Eisbrecher wie einen Federball spielend mit sich hinweg, zerfetzten die übrigen, bedrohten die altersschwache Brücke, indem sie grollend unter den zitternden Jochen sich durchwanden, und nahmen den größten Teil der Kanalbrücke, wo ein gefährlicher Eisgang gewesen war, in ihren Trümmern mit fort. Bald führten die wilden Wogen, die in stetem Steigen blieben, Balken, Dächer, Bretter, und andere Beutestücke hier vorüber, und die Wälle, an mehreren Stellen ernstlich bedroht, bedurfte der angestrengtesten Verteidigung.  
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)