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    § 4 Die Marienkirche

Der altehrwürdige Bau der St. Marienkirche erhebt sich auf der Westseite des Marktplatzes. Sie ist in der Mitte des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut. Vorher befand sich hier eine Holzkirche, die jedoch bei dem großen Brande 1345 ein Raub der Flammen wurde. Schon frühzeitig bestanden in der neuen, aus Stein ausgeführten Kirche drei Altäre. Der freigebige Sinn der um ihr Seelenheil besorgten Bewohner stattete sie reichlich mit Altären, Messen und inneren Schmuck aus. An Einkünften besaß sie in Lorenzdorf Ländereien, deren Besitz ihr von Ludwig dem Älteren bestätigt wurde. Im Laufe der Zeit wurde besonders der „Altar zu Ehren der Maria und der 11 000 Jungfrauen“ mit Schenkungen bedacht; es bildete sich später die Mariengilde, der schließlich das Patronatsrecht über die Kirche übertragen wurde. Andere errichtete Altäre waren die zu Ehren des hl. Nikolaus und des hl. Urban; der des letzteren befand sich in der später an die Kirche angebauten Kapelle, der heutigen Sakristei. Der Name Marienkirche ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts gebräuchlich.
Die Einführung der Reformation geschah am 1. November 1537, indem in der Kirche das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt wurde. Der erste evangelische Prediger, dessen Name uns bekannt ist, war Georg von Wolterdorf, Inspektor und Pfarrer an der Marienkirche. Diese war damals von einem Friedhofe umgeben, der im Jahre 1729 beseitigt und in die Mühlenvorstadt verlegt wurde. Im Innern der Kirche befanden sich aus Schnitzwerk hergestellte Altarbilder, in der Mitte die Kreuzigung Christi, an den Seiten die zwölf Apostel darstellend. Über dem Hauptbilde zeigte sich Jonas, über demselben die vier Evangelisten und ganz oben der triumphierende Heiland. Das Gestühl zu beiden Seiten des Altarraumes schmückten die Bildnisse des Herrn, der zwölf Jünger, der vier Evangelisten und des Apostels Paulus. Einige dieser Darstellungen haben im städtischen Museum einen Platz erhalten; die anderen sollen sich in der Kirche zu Kernein befinden. Eine neue Kanzel erhielt die Kirche durch die Stiftung zweier adeligen Witwen; auch eine neue Orgel wurde aufgestellt. Vor dem Ratsgestühl hing ein eiserner Kronleuchter herab, in welchen das Geweih eines Hirsches eingefasst war, der einst von hungrigen Wölfen verfolgt, in der Kirche vor dem Altar Schutz gesucht haben soll. Die Kirche überragte schon zur Reformationszeit ein Turm, der sehr oft unter Blitzschlägen zu leiden hatte. Er trug fünf Glocken. Eine der selben hieß die „Türkenglocke“, welche zur Zeit der Türkengefahr im 16. Jahrhundert die Gläubigen zum Gebet um Abwendung der Gefahr rief. Noch heute erinnert das Läuten am Abend an jenen frommen Brauch. Die große Glocke wurde 1817 durch freiwillige Beiträge erneuert.
Bei dem großen Brande, welche Landsberg im Jahre 1647 in der Osterwoche heimsuchte, blieb die Kirche nebst dem Rathause und wenigen Gebäuden verschont. Durch eine Urkunde des Kurfürsten Georg Wilhelm wurde die Einrichtung und Verwaltung der Marienkirche aufs neue geordnet. Dabei erfahren wir auch , das auf dem Kirchhofe die Schule stand. In den Jahren 1821 und 1822 erfolgte eine Erneuerung des Innern der Kirche, wobei viele der obengenannten Gegenstände entfernt und durch neue ersetzt wurden. Die alte Orgel musste einer neuen weichen. In den folgenden Jahren wurde auch der Turm gründlich ausgebessert und zum besseren Schutz mit einem Blitzableiter versehen. In den letzten Jahren erhielt die Marienkirche einen besonderen Schmuck in den bunten Glasfenstern. Seit dem Winter 1899 wird Abends das Innere durch elektrisches Licht erleuchtet. Der wertvollste Schmuck besitzt die Marienkirche in dem Altargemälde von R. Begas vom Jahre 1845. es ist eine sinnreiche Darstellung des Bibelwortes: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“. Nach der Beschreibung des Meisters hat es nachstehende Deutung:
„ In einem Palmenhain, einer seligen Oase, sitzt Christus auf einem Throne, und um ihn versammeln sich, gleichsam aus der Wüste des Lebens hinzuströmend, folgende Gestalten als Repräsentanten der verschiedenen Kategorien, worin die Mühseligen und Beladenen aufgefasst werden können. – Zur Rechten und Linken im Vordergrunde befindet sich der Mensch auf der höchsten Stufe irdischer Existenz und im Gegensatz mit ihm der Dürftige und Notleidende. Beide bedürfen des Trostes und der Kräftigung von oben, ein König, um gut zu regieren, und der Dürftige, um seine Leiden in Geduld zu tragen. Zur Linken hinter der Gruppe der Dürftigen sieht man die Eitelkeit der Welt, das Hängen am Vergänglichen, in einer weiblichen Gestalt ausgedrückt, welche dem Herren in entsagender Geberde Schmuck und Kostbarkeiten zu Füßen legt. – Hinter dieser Gestalt befindet sich am Rande des Bildes der Mann im blauen Mantel, mit dem Buche in der Hand; durch ihn wollte ich, im Gegensatz zu dem jungen Manne am rechten Randes des Bildes, welcher den Lorbeer in Demut von seinem Haupte nimmt, die Verstandesrichtung der Phantasie gegenüber bezeichnen.  Auf beiden Wegen ist kein Heil, wenn sie sich von dem entfernen, was ewig wahr bleiben wird, wo aber Mühseligkeit genug zu finden. – Zur Linken im Hintergrunde wird ein Greis von einer jugendlichen Gestalt dem Herren zugeführt. Es bezieht sich diese Gruppe auf alles Erdenleid, was durch Alter und Krankheit die Menschen belastet. – Zur Rechten des Bildes sieht man ferner eine trauernde Mutter mit ihren beiden Kindern dem Herren nahen. Durch sie wollte ich den inneren Seelenschmerz, den nagenden Kummer bezeichnen. Es ist eine Witwe, welche ihre vaterlosen Kinder dem Herren empfiehlt. – Hinter dem Könige rechts sieht man einen jungen Pilger; es ist der Mensch im jugendlichen Alter, im Alter der Ungewissheit, des Strebens nach einem fernen Ziel; auch seine Sehnsucht wird hier endlich befriedigt. – Auf derselben Seite neben Christus ist ein Mann von rauem Aussehen, mit Ketten beladen dargestellt; durch ihn wollte ich alles Unglück durch eigene Schuld ausdrücken; es ist der mit Ketten gefesselte, in Reue zerknirschte Übeltäter. Der Schwarze zu seiner Seite sollte die Geltung der Worte Christi auch für alle übrigen Weltteile bezeichnen, wie denn auch der Mohr selbst für sich und sein Geschlecht als ein wahrhaft Beladener wohl vor dem Herrn erscheinen darf.“ (Nach Begas Beschreibung, die den Akten der Oberpfarre beigefügt ist.)
Die Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten geschieht durch den Gemeindekirchenrat und die Gemeindevertretung. Die Wahl der Mitglieder dieser beiden Körperschaften erfolgt durch die Glieder der Kirchengemeinde. Mehrere dieser Gemeinden bilden eine Diözese, an deren Spitze der Superintendent steht. Die Verwaltung mehrere Diözesen geschieht durch die Kreissynode, die aus den Geistlichen der Diözesen und gewählten Mitgliedern, welche die doppelte Anzahl der Geistlichen zählen müssen, zusammengesetzt ist. Die Versammlung der Kreissynode erfolgt gewöhnlich im Jahre einmal.        
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)