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Wirtschaftsleben

Landsberg/ Warthe ist der weitaus bedeutendste Wirtschaftsmittelpunkt des mittleren Ostens. An erster Stelle stehen alle die Industriezweige, die die Bodenschätze und die Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft verarbeiten.
Seit alters spielt die Ziegelindustrie im Wirtschaftsleben der Stadt eine bedeutende Rolle. Mächtige Lager von Ton und Lehm werden am Rande des Warthe- und Kladowtales von zahlreichen Ziegeleien abgebaut.
In weitem Bogen umgeben die Stadt fruchtbare Felder und Wiesen und ausgedehnte Wälder. Sie bilden für die Industrie Landsbergs die wichtigsten Rohstoffquellen. Der Holzreichtum der Wälder hat zahlreiche Schneidemühlen, Möbel- und Holzbearbeitungsfabriken, Bautischlereien, Kisten- und Papierfabriken entstehen lassen. Die Holzindustrie besitzt in Landsberg einen der ersten Plätze der ganzen Ostmark.
Von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen des weiten Hinterlandes werden vor allem Gerste und Kartoffeln einer großen Zahl von Brauereien und Brennereien zugeführt. Hart an der Stadtgrenze liegen bei Wepritz die großen Unternehmen der Stärke-, Sirup- und Dextrinfabriken von W.A. Scholten und der Märkischen Nährmittelwerke von Eugen Millauer & Co.
Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte gehen dafür aus zahlreichen Fabriken, die sich mit ihrer Herstellung überwiegend oder ausschließlich befassen, aufs flache Land. Auch Sägegatter und Holzbearbeitungsmaschinen werden hier hergestellt. Allein die Zahl der großen Landmaschinenfabriken und Eisengießereien, die sich in erster Linie hiermit und mit der Anfertigung von Dampfmaschinen, Dampfkesseln, Lokomobilen und Transmissionen befassen, beträgt acht.
Nahm noch zu Beginn unseres Jahrhunderts die Maschinen- und Eisenindustrie im Wirtschaftsleben der Stadt die führende Stellung ein, so steht heute die Textilindustrie an ihrer Spitze. Hier überragt die Jutespinnerei und Weberei, Plan- und Sackfabrik Max Bahr AG., eines der größten Unternehmen dieser Art in ganz Deutschland, alle anderen Betriebe erheblich. Die Fabrik beschäftigt etwa 2700 Arbeiter. In ihrer Spinnerei laufen 14 190 Spindeln, in ihrer Weberei 734 Webstühle. Täglich werden hier rund 45 000 Kilogramm garn erzeugt und verarbeitet. Das Unternehmen hat einen eigenen Hafen an der Warthe, in dem jährlich etwa 30 000 Tonnen umgeschlagen werden. Etwa 50 v.H. ihrer Erzeugnisse gehen ins Ausland, vor allem nach England, Nord- und Südamerika, Skandinavien und den osteuropäischen Staaten.
Von den sonstigen zahlreichen Industriezweigen Landsbergs heben wir nur die beiden Mechanischen Netzfabriken hervor, die viele hunderte von Arbeitern beschäftigen und ihre Erzeugnisse weit über den Erdkreis senden, und die Kabelfabrik, Mechanische Draht- und Hanfseilerei mit gleichfalls beträchtlichen Weltexport.
Landsberg ist heute mehr denn je zuvor das bedeutendste landwirtschaftliche Zentrum des Ostens. Das hat die Stadt nicht zuletzt dem landwirtschaftlichen Schul- und Bildungswesen und der landwirtschaftlichen wissenschaftlichen Forschung zu verdanken, die hier eine neue Heimat gefunden haben: den Preußischen Landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten, der Höheren Lehranstalt für Praktische Landwirte (Seminar), der Landwirtschaftlichen Schule für die Provinz Brandenburg und für Berlin und der Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft E.V. Die Organisation des Absatzes und der Bedarfsversorgung der Landwirtschaft ist hier in größtem Umfange durchführt und gewährt günstige Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe.
Die günstige Lage Landsbergs an der bedeutendsten Durchgangsstraße des Ostens hat einen lebhaften Handel empor blühen lassen. Der Leder- und Holzhandel hat hier einen seiner wichtigsten Mittelpunkte im Osten. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen steht ihm nicht nach. Eine große Zahl von Mühlen, Molkereien, landwirtschaftlichen Organisationen und Lagerhäusern hat in Landsberg Heimatrecht gewonnen und starke Wechselbeziehungen zwischen Stadt und Landwirtschaft ausgelöst.
Das Gewerbe steht gleichfalls in hoher Blüte.
In welchem Umfange Landsberg sich zum Industrie- und Handelszentrum der Ostmark entwickelt hat, beweisen am klarsten und unzweideutigsten die Zahlen des Geldverkehrs. Die Reichsbankstelle Landsberg/ Warthe hatte im jahre 1925 einen Umsatz von über 1 ¼ Milliarden Reichsmark. Ihr Geschäftsumfang übertrifft damit den aller anderen Provinzstädte der Mark Brandenburg und der Grenzmark bedeutend. Auch die Zahl der Geldinstitute ist ein deutliches Zeichen der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Außer der reichsbankstelle befinden sich hier noch 11 weitere große Geldinstitute.
Hohe Bedeutung für das Wirtschaftsleben haben auch die großen Brückenbauten, die die Stadt im letzten Jahrzehnt aus eigenen Mitteln durchgeführt hat: der Neubau einer massiven Straßenbrücke über den Brenkenhofkanal und der einer gleichen über die Warthe, beide in Eisenbeton. In flüssiger Linie verbindet die neue Warthebrücke beide Flußufer. Damit hat die Stadt eine der dringendsten Aufgaben der Gegenwart gelöst. Denn der Bau einer massiven Brücke über die Warthe stellt die unumgänglichste Voraussetzung für einen neuzeitlichen großen Umschlaghafen dar, dessen Schaffung eine der dringlichsten Aufgaben der nächsten Zukunft bildet.
Die schnelle Bevölkerungszunahme und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zwingt Landsberg, auch für gesunde Stadterweiterung Sorge zu tragen. Ein großzüger Bebauungsplan, der für die Zukunft weit voraussorgt, ist vom bekannten Städtebauer Henry Groß, Berlin, vom Wasserbaufachmann Geh. Reg.- Rat Professor Dr. de Thierry, Berlin, und vom Berliner Verkehrsfachmann Professor Dr. Giese ausgearbeitet. Dadurch wird neues Industriegelände mit günstigen Eisenbahn- und Hafenanlagen und eine zweckentsprechende Gliederung der Stadt geschaffen.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)