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Landsberg a.W. als Parkstadt

Verächtlich hat man in früheren Zeiten oft die Mark „des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“ genannt. Auch heute noch wird ihrem Osten häufig jede Anerkennung landschaftlicher Schönheit versagt. Und doch liegt in ihren sagenumwobenen weiten Wäldern und blauen Seen eine Anmut verborgen, die selbst verwöhnten Geschmack zu fesseln vermag. Reizvoll sind auch die Landschaftsbilder an der Grenze von Bruch und Hochfläche. Ein charakteristisches Bild dieser Art gewährt ein Blick von Landsbergs Höhen, von der Schanze des Quilitzparks oder von der Höhe nördlich des städtischen Schlachthofs.
Zu unseren Füßen dehnt sich das Häusermeer der Stadt aus und schiebt nach Süden seine Zeilen langsam und bedächtig hinein in die sattgrünen, weiten Wiesenflächen des verträumten Warthebruchs. Ruhig und in sanften Windungen zieht die behäbige Warthe ihres Weges; silbern glänzt ihr breites Band im Sonnenschein. Viele Meilen lange Deiche und Dämme und langgestreckte Zeilen der Dörfer weisen dem Auge den Weg durch das weite ebene Bruch. Weiden, Erlen und Pappeln säumen träumerisch dahinfließende Bäche und Gräben und im Grünen verborgene Wege ein. Stattliche Einzelhöfe sind über das ganze Bruch verstreut. Von tiefschwarzen Balken eingefaßt, leuchten ihre blendendweißen Fachwerkwände neugierig aus all der grünen Pracht hervor. Und freundlich grüßen rote Ziegeldächer und hochragende Kirchtürme herüber. Tiefer Frieden und erhebende Sonntagsstille liegt über dem sonnenbeschienenen Warthebruch. Einen prächtigen dunklen Rahmen gibt diesem hellem Bilde das im Hintergrunde bergig sich aufbauende tiefblaue Sternberger Land.
Nach Norden aber schweift der Blick über die wellige Hochfläche der neumärkischen Seenplatte, über braune Ackerflächen und goldene Getreidefelder hin bis zu den sie begrenzenden ausgedehnten dunkleren Wäldern. Wie schön diese nördliche, wald- und seenreiche, wellige Hochfläche ist, läßt sich nur schwer im Bilde und mit der Feder wiedergeben. Dem Wanderer werden jedoch die Reize der Buchen- und Eichenwälder, der Kiefern- und Mischwälder, aus denen die Seen wie dunkle Augen neugierig und doch verträumt hervorlugen, nicht lange verborgen bleiben.
Freundlich und lebhaft gestattet der Wechsel von Höhe und Tal das große Gemälde, das Natur uns willig beut. Auf diesen Ton heiteren Frohsinns ist auch der Klang abgestimmt, der das Reich künstlichen Schaffens, der die Parks und das Stadtbild leise durchzieht. Hier haben städtische Behörden, Vereine und einzelne Bürger mit größter Opferwilligkeit Landschaftsbilder geschaffen, deren Einklang auch dem Vielgereisten eindrucksvoll erscheinen muß.
An den östlichen Hängen des Kladowtales zieht sich der Quilitzpark, eine der ausgedehntesten Parkanlagen der Stadt, hinauf. Zwischen Rabatten und Ziergehölzen führt der Weg von der Bergstraße her am Mariengrund mit seinem Goldfischteich und Wasserfall langsam bergan. Die mannigfachsten Arten einheimischer und fremdländischer Blumen,  Sträucher und Bäume lassen im Zusammenklang mit Hügel und Tal Bilder von einer Farbenpracht entstehen, die auf märkischen Boden nur selten anzutreffen sind. Abseits vom Stadtgetriebe liegt der noch jüngere, waldartige Schönfliespark. Sein reicher Unterholzbestand beherbergt eine große Schar von Vögeln, deren eifrigen Gesängen der die Einsamkeit suchende Gast mit Freude lauscht.
Ähnliche Bilder gewährt im Westen der Stadt der Zanziner. Breitet sich am Rande seiner Anlage zur Zeit des Schützenfestes, zu Pfingsten, munteres Volksleben aus, so weilt unwillkürlich der Blick auf diesem bunten Treiben länger, als man es ursprünglich beabsichtigte. Ja, selbst im Herzen der Stadt schmiegt sich der Kladow ein prächtiger Großer Park, der Stadtpark, mit einem viele Tausende von Rosen bergende Rosengarten an.
Und auch die Eintönigkeit und ermüdende Gleichmäßigkeit neuzeitlicher Häuserreihen wird nicht allein durch reichliche Verwendung farbigen Anstrichs herabgemindert; immer wieder werden die Straßenzüge von Plätzen mit saftigen Rasenflächen, bunt blühenden Blumen, grünen Sträuchern und Bäumen unterbrochen. Grünanlagen wie die der Bismarckstraße müssen mit ihren Trauerweiden das Auge jedes Besuches fesseln. Überall weicht menschliche Kunst teils bewußt, teils unbewußt dem Schaffen der Natur.
Farbenprächtig wie im Frühling und Sommer ist Landsberg/ Warthe auch im Herbst, wenn sich das Laub an Busch und Baum rot, braun oder golden gefärbt hat. Breitet wenige Wochen später der Winter sanft und weich das Leichentuch über die Erde, so verwandelt er die Parkanlagen in einen Märchenwald. Dann erhebt sich aus all der glitzernden und gleißenden Winterpracht schneebedeckter Büsche und Bäume, aus dem Weiß der schneeüberschütteten Häuser, aus schneeverwehten Bruch und Höhenland klar und scharf, noch trutziger und massiger als sonst, der dunkle Umriß der Pfarrkirche St. Marien als ehrwürdiger Zeuge alter ruhmvoller Vergangenheit der Stadt.
Landsberg/ Warthe ist eine Parkstadt, ist mir über 62 Hektar Parkland die größte und schönste Parkstadt des mittleren Ostens. In Kürze wird in unmittelbarer Nähe der Stadt ein 32 Hektar großes Wäldchen zu einer weiteren neuen städtischen Parkanlage umgewandelt werden.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)