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2. Landwirtschaft

Die städtische Landwirtschaft, die der Stadt in der Gründungszeit zunächst die sichere Gewähr des Bestehens gegeben hatte, hat schon im ausgehenden Mittelalter dem Handel den ersten Platz im Wirtschaftleben der Stadt einräumen müssen. Sie vermochte bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts nur noch etwa 16 Prozent des städtischen Brotgetreidebedarfs zu decken. Freilich noch hatte die Hüfnerschaft. Die gewerksähnliche Zusammmenfassung der städtischen Landwirte, neben den Kaufleuten und den Meistern der Innungen etwas zu bedeuten; noch trieb der Hirt ansehnliche Viehherden durch die Straßen der Stadt. Doch mehr und mehr trat in der Folgezeit die Landwirtschaft zurück. Etwa gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ist diese Entwicklung abgeschlossen, ist die Umschichtung der Berufe durchgeführt, hat Industrie, Handel und Gewerbe die städtische Landwirtschaft aufgesogen. Nur wenige Reste haben sich über die Zeit des großen Weltkrieges hinüber gerettet.
Und dennoch kann sich Landsberg/ Warthe seit 1920 rühmen, das landwirtschaftliche Zentrum des ganzen mittleren Ostens zu sein. Freilich, die Tatsache, daß die Stadt in weitestem Umkreise von einer Fülle großer, mittlerer und kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe umgeben ist, daß sie in einer überwiegend Landwirtschaft treibenden Landschaft liegt, würde allein dazu nicht ausreichen, gilt das doch auch von anderen Städten dieses Gebiets in gleichem Maße. Dazu hat sie vielmehr die Herverlegung großer landwirtschaftlicher Organisationen erhoben, das haben vor allem bewirkt:

Die Preußischen landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten in Landsberg/ Warthe
Auf Grund des Versailler Diktats ging auch die Stadt Bromberg und das 1906 errichtete Kaiser – Wilhelm Institut für Landwirtschaft verloren. Da dieses Institut der dortigen Landwirtschaft großen Nutzen gebracht hatte, traten führende Landwirte der Neumark und Grenzmark im Jahre 1919 an die Nationalversammlung und das Landwirtschaftsministerium mit dem Antrage heran, eine dem Bromberger Institut entsprechende Anstalt in einer Stadt des mittleren Ostens wieder zu errichten. Beide stimmten diesem Wunsche zu – trotz anfänglicher erheblicher Bedenken finazieller Natur. Die Wahl des Ortes fiel wegen seiner zentralen Lage und seiner für den Osten typischen Boden- und Klimaverhältnisse auf die Stadt Landsberg/ Warthe. Hier standen geeignete Gebäude in dem ehemaligen wanderarbeiterheim und der Korrigendenanstalt zur Verfügung.
Die neuen Institute erhielten die Gesamtbezeichnung: Preußische landwirtschaftliche Versuchs und Forschungsanstalten.
Mit den Gebäuden wurde gleichzeitig ein ganz in der Nähe liegender 1 ½ Hektar großer Versuchsgarten erworben, von der Stadtverwaltung ein 10 Hektar großes Versuchsfeld kostenlos für die Dauer des Bestehens der Anstalten in Landsberg/ Warthe zur Verfügung gestellt und von der Provinzialverwaltung ein zum ehemaligen Wanderarbeiterheim gehöriges 150 Hektar großes Versuchsgut gepachtet, das durch Zupachtung von städtischen Ländereien und Zukauf auf rund 210 Hektar vergrößert wurde. Das Versuchsgut erhielt in Anbetracht der Verdienste des Geheimen Oberregierungsrates Ministerialrates Dr. Oldenburg um die Wiedererrichtung  der Forschungsanstalten in Landsberg/ Warthe die amtliche Bezeichnung: Staatliches Versuchsgut Oldenburg.
Im Jahre 1920 war mit der Wiedererrichtung der Anstalten begonnen worden. Große, oft unüberwindlich erscheinende Hindernisse – besonders auf finanziellem Gebiete – mußten überwunden werden; denn der Umbau der alten Gebäude und die Beschaffung der inneren Einrichtungen erforderten erhebliche Geldmittel; aber mit Unterstützung einer zur Förderung der Landsberger Anstalten neu gegründeten Gesellschaft einsichtsvoller Landwirte gelang es, das Werk innerhalb kurzer Zeit so zu fördern,daß am 14. Juni 1922 die Anstalten der Öffentlichkeit übergeben werden konnten. Sie besteht heute aus 6 Instituten und dem Versuchsgut, und zwar:
            1. Institut für Bodenkunde und Pflanzenernährung.
                        Direktor: Professor Dr. Densch
            2. Institut für Meliorationswesen und Moorkultur:
                        Direktor: Professor Freckmann
            3. Institut für Pflanzenkrankheiten und Hauptstelle für Pflanzenschutz.
                        Direktor: Professor Dr. Schander
            4. Institut für Pflanzenzüchtung.
                        Direktor: Professor Dr. Heuser
            5. Institut für Tierhygiene
                        Direktor: Professor Dr. Knuth
            6. Institut für landwirtschaftliches Maschinenwesen
                        Kommissarischer Leiter: Ingenieur Philipp
            7. Staatliches Versuchsgut Oldenburg.
                        Administrator: Dr. Ries
An der Spitze eines jeden Instituts steht ein Institutsdirektor und Professor, dem mehrere wissenschaftliche Hilfsarbeiter (je nach Art des Instituts sind es entweder Landwirte, Botaniker, Chemiker; Zoologen oder Tierärzte) und das sonstige Hilfspersonal beigeben sind. Die Institute sind in der wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit ihres Zuständigkeitsbereiches selbständig. Aus der Reihe der Institutsdirektoren wird alljährlich nach Anhörung des Professorenkollegiums vom Landwirtschaftsministerium  für die Dauer eines Rechnungsjahres ein Verwaltungsdirektor ernannt, der die Geschäfte ehrenamtlich führt. Demselben liegt die Wahrnehmung der in der Hauptverwaltung zusammengefaßten gemeinsamen Angelegenheiten der Institute und des Versuchsgutes, die Verwaltung der allen Instituten dienenden Einrichtungen und die Vertretung der Gesamtanstalten nach außen ob.
Satzungsgemäß haben die Anstalten die Aufgabe, durch wissenschaftliche Forschungen und praktische Versuchstätigkeit diejenigen Bedingungen zu ermitteln, nach denen unter den besonderen Boden-, Klima- und Wasserverhältnissen der östlichen Provinzen die Landwirtschaft in ihren verschiedenen Zweigen am wirksamsten gefördert werden kann. Durch Einrichtung von regelmäßig wiederkehrenden Lehrgängen, durch Demonstrationen, Anstellung und Überwachung von Versuchen in Wirtschaftsbetrieben, sowie durch planmäßig betriebene Beratung der Landwirte, sollen die Anstalten gleichzeitig der praktischen Förderung der Landwirtschaft dienstbar gemacht werden. Im Einzelnen haben die Institute folgende aufgaben:
Das Institut für Bodenfunde und Pflanzenernährung beschäftigt sich mit allen Fragen der Ernährung und Düngung unserer Kulturpflanzen; besonders hat es seine Aufmerksamkeit den Beziehungen zwischen Bodeneigenschaft und Ausnutzung der Nährstoffe zugewandt. Es sucht die Wege zu ermitteln, auf denen unter Berücksichtigung der Rentabilitätsgesetze die höchsten Erträge zu erzielen sind. Neben der rein wissenschaftlichen Behandlung dieser Fragen wird großer Wert auf praktische Betätigung in Gemeinschaft mit Landwirten gelegt, um diesen durch Anstellung möglichst zahlreicher, unter strenger Kontrolle durchgeführter Düngungsversuche, die zum Teil in Gefäßen nach der Methode Mitscherlich ausgeführt werden, Aufschluß über das Nährstoffbedürfnis ihrer Böden zu geben. Die praktische Beratung der Landwirte in allen Fragen der Pflanzenernährung nimmt einen breiten Raum in der Tätigkeit des Instituts ein.
Die Aufgaben des Instituts für Meliorationswesen und Moorkultur sind gegenüber der ihm entsprechenden Abteilung des Kaiser – Wilhelm Instituts in Bromberg wesentlich erweitert. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit, die sich in erster Linie auf alle Fragen des Wasserhaushalts im Boden und den Einfluß dieses wichtigen Wachstumsfaktors auf die Pflanze erstreckt, wird das gesamte Gebiet des Meliorationswesens und der Moorkultur, sowie das der Förderung der Grünlandwirtschaft bearbeitet. An den Arbeiten des deutschen Ausschusses für Kulturbauwesen, der Studiengesellschaft für Feldberegnung und der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft ist  das Institut in der verschiedensten Weise beteiligt.
Für die wissenschaftlichen Arbeiten stehen dem Institut ein Laboratorium für chemische und vornehmlich kulturtechnische Bodenuntersuchungen und neben dem Versuchsfeld eine Reihe von besonderen Anlagen zu Verfügung, unter denen eine künstliche Beregnungsanlage mit verschiedenen Systemen von Regnern, zwei Lysimeter- und eine umfangreiche Grundwassergefäßanlage besonders zu  nennen sind.
Einen sehr breiten Raum in der Tätigkeit nehmen die zahlreichen Beratungen der praktischen Landwirtschaft ein. Da dem Institut sehr umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiete des Meliorationswesens und der zur Zeit besonders akuten Grünlandwirtschaft zur Verfügung stehen, ist hiermit eine für die Landwirtschaft Ostdeutschlands außerordentlich wichtige Beratungsstelle geschaffen, der ein noch weiterer Ausbau nur zu wünschen ist.
Die Gründung der Deutschen Saatveredelung GmbH, zu Erzeugung von bodenständigen Futterpflanzensämereien geschah auf Anregung des Instituts für Meliorationswesen, das auch noch weiterhin an der Förderung dieser für die deutsche Landwirtschaft so bedeutungsvollen Frage mitarbeitet.
Wie der Name des Instituts für Pflanzenkrankheiten und der Hauptstelle für Pflanzenschutz schon sagt, ist die Hauptaufgabe des Instituts die Erforschung der Krankheiten und der tierischen Schädlinge der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Speziell hat sich das Institut der Erforschung der Kartoffelkrankheiten, der Ursache der Auswinterungsschäden an Wintergetreide, der Biologie der Getreidefliegen, der Rapsschädlinge und der Bekämpfung der Feldmäuse zugewandt. Besonderer Wert wird auch hier auf die Versuche in der Praxis gelegt. Eine Station für Vogelschutz mit Vogelschutzgehölzen usw. gibt Gelegenheit, die Bedeutung des Vogelschutzes für die Schädlingsbekämpfung zu studieren. Dem Institut angeschlossen ist eine Hauptstelle für Pflanzenschutz sowie eine Samenkontrollstation für die Grenzmark. Die Zentrale des deutschen Pflanzenschutzdienstes ist bekanntlich die Biologische Reichsanstalt in Berlin – Dahlem. In jeder Provinz ist meistens in Anlehnung an ein wissenschaftliches Institut eine Hauptstelle für Pflanzenschutz errichtete worden. So ist dem Institut für Pflanzenkrankheiten die Hauptstelle für Pflanzenschutz für die Provinz Brandenburg rechts der Oder und die Grenzmark Posen – Westpreußen angeschlossen. Aufgabe der Hauptstelle ist die Organisation des Pflanzenschutzes in ihrem Arbeitsbereich, indem sie in allen Fragen des Pflanzenschutzes Auskunft erteilt und erkrankte Pflanzenteile untersucht. Diese Tätigkeit wird für die Fragesteller vollkommen kostenfrei ausgeübt. Durch Veröffentlichung in Tages- und Fachblättern und durch Vorträge wird für die erforderliche Aufklärung gesorgt. Um der Praxis aber im praktischen Pflanzenschutz erfahrene Leute zur Verfügung stellen zu können, werden bei der Hauptstelle Pflanzenschutztechniker ausgebildet und angestellt, die Bekämpfungsarbeiten in der Praxis übernehmen.
Junge Damen werden in zweijährigen Kursen zu Gehilfinnen (Laborantinnen) für Pflanzenschutz und Samenkontrolle ausgebildet. Dem Institut ist seit einigen Jahren ein Versuchs- und Lehrbienenstand angeschlossen, an dem Lehrgänge über Bienenzucht abgehalten werden.
Das Institut für Pflanzenzüchtung bestand in Bromberg noch nicht. In der richtigen Erkenntnis jedoch, daß die ostdeutsche Landwirtschaft zwecks Intensivierung ihrer Betriebe auch auf die Veredlung ihrer Produkte bedacht sein muß, ist den Landsberger Anstalten das Institut für Pflanzenzüchtung angeschlossen. Es hat die Aufgabe, die züchterische Verbesserung unserer Kulturpflanzen zu erforschen, denjenigen Landwirten, die Pflanzenzüchtung betreiben wollen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und die Sorten zu ermitteln, die sich unter Berücksichtigung der Witterungs- und Bodenverhältnisse für den deutschen Osten am besten eignen. In eigener züchterischer Bearbeitung sind in erster Linie solche Kulturpflanzen, die von privaten Züchtern wenig oder gar nicht bearbeite werden, deren züchterische Verbesserung aber aussichtsreich und dringend erforderlich erscheint. Die Sorten und Stammesprüfungen, letztere auch von noch nicht im Handel befindlichen Neuzüchtungen vieler privater Züchter, werden in umfangreichem Maßstabe auf den Versuchsfeldern des Instituts vorgenommen. Auch in der Praxis werden von dem Institut zahlreiche vergleichende Sortenversuche durchgeführt. Durch Vorträge, Veröffentlichungen und Beteiligung an Saatenausstellungen werden die Landwirte auf die Versuchsergebnisse hingewiesen und zum verstärkten Anbau bewährter Sorten veranlaßt.
Seit 1923 ist am Institut ein Kursus zur Ausbildung junger Damen mit Lyzeumsbildung als Saatzuchtgehilfinnen eingerichtet. Nach zweijähriger Ausbildung können die Praktikantinnen auf Grund der vom Landwirtschaftsminister genehmigten Vorschriften eine Prüfung als „staatlich geprüfte Saatzuchtgehilfin“ ablegen.
Das Institut für Tierhygiene hat die Aufgabe, durch wissenschaftliche Forschungen und praktische Versuchstätigkeit der Aufklärung in allen Fragen der Tierhygiene und Tierseuchenbekämpfung zu dienen. Dazu gehört auch die Untersuchung der durch fehlerhafte Fütterung oder verdorbene und verfälschte Futtermittel hervorgerufenen Krankheiten. Zu diesem Zwecke werden die von Landwirten oder  Tierärzten eingesandten lebenden oder toten Tiere, Organe und Blutproben untersucht und die nötigen Ratschläge erteilt. Ferner wird im Institut die bakteriologische Fleischuntersuchung der in der Grenzmark Posen – Westpreußen und in größeren  Teilen des Regierungsbezirks Frankfurt/ Oder erfolgten Notschlachtungen von Tieren vorgenommen, die erfahrungsgemäß bisweilen Anlaß zu Fleischvergiftungen beim Menschen geben. Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Durchführung des freiwilligen, staatlich anerkannten Tuberkulosetilgungsverfahrens der Rinder in der Grenzmark, desgleichen auch die zur Bekämpfung der Unfruchtbarkeit, des Umrinderns und des seuchenhaften Verkalbens, Verfohlens usw. erforderlichen klinischen und bakteriologischen Arbeiten und die Kontrolle von Milchviehbeständen, die Kindermilch liefern. Dem Institut ist schließlich noch die Untersuchung der Köpfe von tollwutverdächtigen  Tieren aller Art, sofern Menschen nicht gebissen sind, und die Nachprüfung der von den Veterinärräten der Grenzmark festgestellten Milzbrand-, Rauschbrand-, Wild- und Rinderseuchediagnosen aufgetragen.
Das Institut für landwirtschaftliches Maschinenwesen bezweckt, den Landwirten, in Sonderheit denen seines Arbeitsgebietes, bei der Beschaffung und Benutzung von Maschinen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Es prüft zu diesem Zwecke die auf dem Markt befindlichen Maschinen sowohl im Institut selbst, als auch in der Praxis, letzteres namentlich in Verbindung mit dem Versuchsgut Oldenburg. Es übt auch Kritik an den Maschinen, macht Verbesserungsvorschläge und gibt dadurch Anregungen für die Landmaschinen – Industrie. Da viele Landmaschinen heute noch als mangelhaft empfunden werden, so befaßt es sich auch mit Neuschöpfungen. Teilweise in Verbindung mit anderen Instituten werden die Grundlagen der Verwendung erforscht, werden neue Konstruktionen entworfen, in der Werkstatt ausgeführt und erprobt. Da das Institut sowohl über eine gut eingerichtete Werkstatt verfügt, als auch die erforderlichen Arbeitskräfte besitzt, kann fast jede Art von Landmaschinen hergestellt werden, und gerade dadurch unterscheidet es sich von allen ähnlichen Instituten.
Das Staatliche Versuchsgut Oldenburg soll als Muster- und Beispielswirtschaft dienen, soll zeigen, wie den hiesigen besonderen natürlichen und wirtschaftlichen Erzeugungsbedingungen in der Wirtschaftsweise zweckmäßigst Rechnung getragen wird. Es dient ferner als Versuchsanstalt für Landarbeitsforschung, Vervollkommnung und Mechanisierung der Landarbeit. Weiter werden hier betriebswirtschaftliche Versuche und schließlich auch solche landwirtschaftliche Versuche, für welche Versuchsgarten und Versuchsfeld nicht ausreichen, durchgeführt.

Die Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft e.V. in Landsberg/ Warthe
Als die ostdeutsche Landwirtschaft den Wunsch aussprach, daß das ihr mit Bromberg verlorene Kaiser – Wilhelm Institut in ähnlicher Form wieder errichtet werde, verlangte das Preußische Landwirtschaftsministerium die Aufbringung von Mitteln zum Ankauf geeigneter Gebäude. Um dieser Forderung nachzukommen, schlossen sich eine Anzahl Landwirte der Neumark und Grenzmark und verschiedene landwirtschaftliche Organisationen in der „Gesellschaft zur Förderung der Versuchs- und Forschungsanstalten in Landsberg/ Warthe“ zusammen und brachten eine ansehnliche Summe auf, mit der der Ankauf des früheren Wanderarbeiterheims getätigt werden konnte. So war die Forderung des Preußischen Landwirtschaftsministeriums und damit der bei ihrer Gründung gedachte eigentliche Zweck der Gesellschaft erfüllt. Trotzdem kam man zu der Ansicht, daß ihr Weiterbestehen im Interesse der Forschungsanstalten dringend erwünscht sei, um fernerhin ein Bindeglied zwischen den Anstalten als Stätte der Wissenschaft und der großen landwirtschaftlichen Praxis zu bilden. Als „Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft“ sucht sie nunmehr dieser Aufgabe gerecht zu werden, indem sie einmal der praktischen Landwirtschaft die ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung vermittelt und anderseits bemüht ist, Wünsche und Anregung aus der Praxis an die einzelnen Institute der Forschungsanstalten heranzutragen. Zur Erreichung dieses Zieles sind für die wichtigsten Interessengebiete Ausschüsse geschaffen worden, deren gemeinsame Leitung meist in den Händen führender Landwirte und der Institutsdirektoren liegt.
Bei der Errichtung der „Höheren Lehranstalt für praktische Landwirte“ griff die Forschungsgesellschaft ebenfalls helfend ein. Der Ruf nach einer solchen Anstalt war ein so dringender, daß man daran ging, diesen Plan zu verwirklichen, trotzdem der Staat wegen seiner schlechten finanziellen Verhältnisse zunächst nicht in der Lage war, selbst die Ausführung zu übernehmen. Mit Unterstützung von Staat und Landwirtschaftskammer ist so die Höhere Lehranstalt (Seminar) entstanden, um reiferen praktischen Landwirten die für die neuzeitliche Praxis nötigen wissenschaftlichen Kenntnisse ohne den für den Praktiker weniger wichtigen theoretischen Ballast in ganzjährigen Lehrgängen zu vermitteln. Daß die Einrichtung einer solchen Lehrstätte im Anschluß an die Versuchs- und Forschungsanstalten mit ihren auch für den Vorlesungsunterricht ausgezeichneten einrichtungen und Lehrkräften eine zweckmäßige war, beweist am besten die ständig wachsende Hörerzahl.
Eine weitere Gründung der Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft ist die „Deutsche Sattveredelung GmbH“, welche sich die Gewinnung und Verbreitung bester deutscher Klee- und Grassämereien zur Aufgabe gesetzt hat, um damit einmal dem deutschen Landwirt nur deutsche Saaten zuzuführen, die allein einen befriedigenden und genügend sicheren Ertrag auf deutschen Boden gewährleisten, und andererseits damit dem Nationalvermögen sehr erhebliche Mittel erhalten, die bisher leider immer noch dem Auslande zuflossen. Die Gesellschaft verfügt über eine mustergültige Reinigungsanlage, mit deren Hilfe die Feinsaaten marktfähig gemacht und dann den verbraucherkreisen zugeführt werden.
Unter Leitung des Instituts für Pflanzenkrankheiten wurde im Jahre 1921 ein Ausschuß für Kartoffelbau gegründet, welcher durch Einrichtung einer Kartoffelbauberatungsstelle mit Erfolg versuchte, die Kartoffelkrankheiten in der großen Praxis zu bekämpfen und die Erträge zu erhöhen. Im Jahre 1925 entwickelte sich daraus die Ostdeutsche Pflanzkartoffel GmbH, welche in ihrer kaufmännischen Abteilung die Ein- und Verkäufe an Kartoffeln für ihre Mitglieder besorgt. Die wissenschaftliche Abteilung übt die Tätigkeit der früheren  Kartoffelbauberatungsstelle aus. Die „Ostdeutsche Pflanzkartoffel“ besteht zur Zeit aus 134 Mitgliedern mit einer Gesamtkartoffelanbaufläche von 48 697 Morgen. Neben 46 Einzelstaudenauslesen wurden im Herbst 1926: 23 693 Massenstaudenauslesen vorgenommen. Die „Ostdeutsche Pflanzkartoffel“ will auf den ihr angeschlossenen  Gütern 1. Eine systematische Bekämpfung der Kartoffelkrankheiten durchführen, 2. Die Kartoffelerträge erhöhen, 3. Den Anbau erstklassiger Pflanzkartoffeln fördern und 4. Der großen Praxis ein erstklassiges Kartoffelpflanzgut zur  Verfügung stellen.
Sie erzielte bereits im Winter 1926/27 einen Umsatz von über 200 000 Zentner Saatkartoffeln.

Die Höhere Lehranstalt für praktische Landwirte (Seminar)
Um die ausgezeichneten Lehrmittel und Anschauungsgegenstände der Landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten sowie die Spezialkräfte besser ausnutzen zu können und unmittelbar der Ausbildung von Landwirten dienstbar zu machen, wurde die Höhere Lehranstalt für praktische Landwirte durch die Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft E.V. ins Leben gerufen. Die Anstalt hat ihre Unterkunft in einem Gebäude, das zu dem Häuserblock der Forschungsanstalten gehört, gefunden. Die Höheren  Lehranstalten für praktische Landwirte (Seminar) sind gegründet worden, um dem künftigen Leiter und Beamten mittleren und größerer Betriebe eine Ausbildungsmöglichkeit zu schaffen, durch welche er sich in kürzester Zeit das praktisch Verwertbare aus dem Gebiet der Landwirtschaftswissenschaft gründlich aneignen kann. Die Zulassung zum Besuch setzt ein Mindestalter von 20 Jahren, die mittlere Reife und 4 Jahre praktischer Tätigkeit voraus. An der Lehranstalt wirkt neben dem Direktor (Betriebslehrer) je ein hauptamtlicher Dozent für Pflanzenbau und Tierzucht; daneben werden Sondervorlesungen von den Institutsdirektoren und wissenschaftlichen Hilfsarbeitern der Forschungsanstalten gehalten. Der Lehrgang dauert ein volles Jahr. Die Anstalt war im Gründungsjahr 1923 von 27 Hörern und im Jahre 1924 von 38 Hörern besucht; seit 1925 hat sich die Hörerzahl zwischen 60 und 70 gehalten
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)