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Lage und geschichtliche Entwicklung

An den östlich der Oder vorgeschobenen Ostteil der Provinz Brandenburg, an die Neumark, fügen sich als schmale Streifen die dem Reiche verbliebenen Teile der ehemaligen preußischen Provinzen Polen und Westpreußen, die heutige Provinz Grenzmark, an Fast genau in der Mitte des umschriebenen Gebietes liegt auf beiden Seiten der Warthe, dort, wo die Kladow in sie mündet, die alte Handelsstadt Landsberg/ Warthe.
Nördlich der Stadt erhebt sich, zum Teil in steilen Anstiegen, die braune, wellige Hochfläche der neumärkischen Seenplatte. Südlich der Stadt begrenzt die waldige Hügelkette des <Sternberger Landes den Fernblick. Zwischen beide Landschaftsteile schiebt sich die weite tischgleiche Senke des Warthetals mit ihren grünen Wiesen und wogenden Getreidefeldern. An ihrem Nordrande liegt Landsberg/ Warthe.
Hier, an der Mündung der Kladow in die Warthe, haben in weit entlegener Vorzeit die Schmelzwasser der Inlandseismassen Ablagerungen von Sanden angehäuft, die ein ausgedehntes und überschwemmungsfreies, als ein recht günstiges Siedlungsgelände schufen.
So war denn auch, wie die Bodenfunde lehren, das Weichbild der Stadt schon in vorgeschichtlicher Zeit, schon in der Steinzeit, ein begehrter Siedlungsplatz. Und als die askanischen  Markgrafen  Johann I, und Otto III. jene kraftvolle weit ausschauende Kolonisationspolitik begannen, die auf größtmögliche Ausdehnung ihres Machtbereiches nach Osten gerichtet war, da wählten auch sie diesen Platz zur Anlegung der wichtigsten Feste des ganzen „Landes über Oder“ in unmittelbarer Nähe des trutzigen Zantoch, jenes Schlüssels zum polnischen Reich. Die außerordentliche Bedeutung, die Markgrafen Johann I., der Gründer der Stadt, seiner Schöpfung für die Landesverteidigung beimaß, geht klar und unzweideutig aus der am 2. Juli 1257 ausgefertigten, im Magistratsarchive aufbewahrten Gründungsurkunde hervor. Binnen vier Monate verspricht er die junge Stadt auf eigene Kosten mit Planken und Gräben zu befestigen, ein seltener Fall in der Geschichte östlicher Städtegründungen!
So entstand die deutsche Stadt Landsberg/ Warthe als wichtigste Grenzfeste der östlichen Mark, an deren starken Mauern und Wällen sich mancher grimme Sturm beutegieringer Scharen brach. Ihre Lage war eine außerordentlich günstige. Hier kreuzten sich die wichtigsten Landesstraßen, hier floß der für den Osten so bedeutungsvolle Strom der Warthe vorbei. Daher war auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt in der Folgezeit eine sehr schnelle und stetige. Landsberg wurde bald zum Mittelpunkt östlichen Handelsverkehrs und damit zum Sammelpunkt des Deutschtums.
Jahrhundertelang hielt es so fest und stark treue Wacht an der Ostgrenze des Reiches. Inzwischen war deutsche Kultur weiter und weiter nach Osten vorgedrungen. Schließlich verschwand Polen von der politischen Karte Europas. Büßte dadurch Landsberg auch seine ehemals so hohe Bedeutung als Grenzfeste und Bollwerk deutscher Kultur an gefährdeter Ostgrenze ein, so vermochte die Stadt sich doch ihre hervorragende Stellung als Mittelpunkt des Handelsverkehrs eines weit über die Grenzen seiner näheren Umgebung hinwegreichenden Gebiets trotz aller politischen und kriegerischen Wirren bis in die jüngste Vergangenheit zu erhalten.
Auch im 18., ja, noch im 19. Jahrhundert waren Landsbergs Wollmärkte im ganzen Staate bekannt und von weit und breit beschickt. In den Tagen des Wollmarktes glich Landsberg einer Handelsstadt ersten Ranges. Weit gereiste Kaufleute aus aller Herren Länder weilten dann in seinen Mauern. Handel und Gewerbe standen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in hoher Blüte. Zahlreiche Käufer lockten auch die Pferde-, Vieh- und Krammärkte an. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und mit Holz aus den ausgedehnten Wäldern der Umgebung war besonders lebhaft. Selbst Berlin deckte hier einen großen Teil seines Brennholzbedarfs. Zahlreich waren die Gewerke der Stadt, gewichtig die Stimmen ihrer Meister. Die Industrie hatte festen Fuß gefaßt. An ihrer Spitze standen Woll- und Zeugmanufakturen. Allein in der Werkmeister’schen Wollmanufaktur am heutigen Paradeplatz arbeiteten 1480 Arbeiter an 48 Stühlen. Ja, Landsberg war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein ostmärkischer Handelsplatz erster Ordnung, der mit Frankfurt a.O. in zähem Wettbewerb stand und die altberühmte Oderstadt ständig zu überflügeln drohte.
Dann verblaßte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts der Stern der Manufakturen; neue Gewerbe, vor allem die Eisen- und Maschinenindustrie, treten an ihre Stelle. Immer zahlreicher siedeln sich nun industrielle Großbetriebe hier an. Und als zu Beginn des 20. Jahrhunderts das größte Unternehmen Landsbergs, die Jutespinnerei und Weberei, Plan- und Sackfabrik Max Bahr AG., eines der größten Juteunternehmen  ganz Deutschlands, hier errichtet wird, hat Landsberg die Führung auf dem Gesamtgebiet der Wirtschaft in der ganzen mittleren Ostmark übernommen. Diesen Platz hat die Stadt auch nach dem Weltkriege zu behaupten gewußt. Landsberg/ Warthe ist der bedeutendste Handelsmittelpunkt des ganzen Gebietes geblieben.
Die neue Grenzziehung hat Landsberg vor neue große aufgaben gestellt. Der Versailler Friedenvertrag hat die polnische Grenze wieder hart in die Nähe der Stadt gerückt. Wohl schiebt sich zwischen Brandenburg und Polen die Grenzmark, doch ist diese aus den Restgebieten der früheren Provinz Posen und Westpreußen zusammen gestückelte neue Provinz nur ein schmaler, durchschnittlich 30 bis 50 Kilometer breiter Schutzgürtel. Zudem ist die Grenzmark in ihrem mittleren Teile auseinandergerissen.
Mit einer Länge von 35 Kilometer grenzt hier das preußische Kernland, die Mark Brandenburg, unmittelbar an Polen. Gerade hier ist Landsberg als nächste größere Stadt der neuen Reichs- und Landesgrenze unmittelbar vorgelagert. Wiederum ist also Landsberg zur Grenzstadt geworden. Damit sind ihm die Aufgaben vorgezeichnet, die es in der Gegenwart und Zukunft zu erfüllen hat. Als Grenzstadt hat Landsberg abermals, wie zur Zeit seiner Gründung, für Neu- wie Grenzmark den starken wirtschaftlichen und geistigen Mittelpunkt zu bilden, an dem deutsche Kultur einen festen Rückhalt zu finden vermag. Und dessen ist sich Stadt und Bürgerschaft auch bewußt.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)