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3. Industrie

Als sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts überall im Osten des Reiches der Übergang vom Hausgewerbe zur Industrie vollzogen, als die Manufakturen zu  Fabriken emporwuchsen, da entstanden auch in Landsberg/ Warthe die ersten Großbetrieb, die wir mit Recht als industrielle Anlagen bezeichnen dürfen. Freilich, die Textilindustrie, die zunächst allein derartige Großbetriebe aufwies, vermochte sich in der Folgezeit ihre Führende Stellung nicht erhalten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts mußte sie den Maschinenfabriken und Eisengießereien, mußte sie vor allemder Maschinenbauanstalt und Eisengießerei von Hermann Paucksch, der Maschinenbauanstalt von Jaehne und dem Eisenhammerwerk von Stoeckert den Vorrang einräumen. Erst im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts vermochte sich die Textilindustrie mit dem großen Werke der Jutespinnerei und Weberei, Plan- und Sackfabrik Max Bahr AG. wieder den ersten Platz zurückerobern. Welche Stellung heute die Industrie im Wirtschaftsleben der Stadt einnimmt, wurde bereits im ersten Abschnitt dieses Führers kurz dargelegt und ist auch aus den folgenden Anzeigen der Unternehmen selbst zu entnehmen. Hier weisen wir nur daraufhin, daß auch für Neugründungen noch günstiges Industriegelände erworben werden kann. Für die Beförderung  der Güter steht der billige Wasserweg der Warthe zur Verfügung. Aber auch Bahnanschluß kann an alle vier die stadt durchquerenden Eisenbahnen gewonnen werden.

Max Bahr
Aktien – Gesellschaft
Jutespinnerei u. Weberei, Plan- und Sackfabrik
Die Firma wurde im Jahre 1883 von Herrn Dr. Ing.  hc. Max Bahr als Sackfabrik gegründet. Diese bildete die Basis für die in den Jahren 19037 erbauten Jutespinnerei und Weberei, die zur Zeit die größte Einzelanlage ihrer Art in Deutschland ist. Folgende Zahlen kennzeichnen die Entwicklung der Fabrik:

                                    Spindeln             Webstühle
1905                             6400                         400
1908                           10300                         660
1912                           12700                         690
1926                           14190                         734
Das Fabrikgrundstück des Landsberger Werkes umfaßt 50 000qm. In dem daneben liegenden eigenen Hafen werden jährlich ca. 30 000 t Güter umgeschlagen. Die Kraftanlage besteht aus einer Dampfmaschine mit 2000 PS und einer Dampfturbine mit 1600 PS. Eine Werkstatt mit ca. 139 Mann hat für die Instandhaltung der Anlagen zu sorgen.
Die Jahresproduktion an Geweben würde in ½ m breiter Bahn 1 ¼ mal um den Äquator reichen; die Tagesproduktion ergäbe einen 1 m breiten Läufer von Landsberg bis Berlin.
Die Zahl der Beschäftigten schwankt je nach der wirtschaftlichen Lage zwischen 2000 und 3000.

Kinderheim
Der Firma Max Bahr AG. gehören z.Z. 84 Wohnhäuser mit 813 Wohnungen, außerdem 16 Barackenwohnungen. Hinzu gemietet wurden von dem Herrn Max Bahr mit gegründeten Gemeinnützigen Bauverein weitere 28 Häuser mit 158 Wohnungen, so daß 987 Werkswohnungen vorhanden sind. Zu den meisten Wohnungen gehören Gärten,  daneben können die Arbeiter noch Ackerparzellen pachte.
Ein Kinderheim, 1907 gegründet, kann täglich bis 160 Kinder im Alter von 6 Wochen bis zu 14 Jahren in Obhut nehmen, während die Mütter in der Fabrik arbeiten. Eine mit Heilapparaten ausgerüstete Krankenstube dient zur Aufnahme kranker Kinder Frauen. Für Wöchnerinnen ist ein Heim eingerichtet worden, indem eine Hebamme Mütter und Neugeborene 10 Tage versorgt. Der Fürsorge im Betrieb dienen Badeeinrichtungen, Kochgelegenheit und Speisesäle, der sonstigen Fürsorge u.a. verbilligte Milchabgabe an Kranke und Bedürftige und andere Zuwendungen verschiedenen Art. Zwei Fabrikpflegerinnen, von Hauspflegerinnen unterstützt, sorgen in ständigem verkehr mit den Arbeiterfamilien für eine möglichst gerechte durchgreifende Auswirkung aller Fürsorgemaßnahmen.
Um den Werksangehörigen die Schaffung von Rücklagen zu erleichtern, sind die verschiedensten Sparkassen eingerichtet worden, die durch eine besondere hohe Verzinsung (z.Z. 12%) und durch Zuschüsse seitens der Firma einen Anreiz zum Sparen geben.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)