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Geistesleben

Auch auf kulturellem Gebiete steht Landsberg im mittleren Osten an führender Stelle.
Die Stadt besitzt 7 siebenstufige evangelische Volksschulen und eine katholische Volksschule. Schwach befähigte Kinder finden in der Hilfsschule Aufnahme. Hinzu treten eine Haushaltungsschule, eine Knaben- und eine Mädchen – Mittelschule. Auch die wichtigsten Arten des höheren Schulwesens stehen in Landsberg zur Verfügung: ein humanistisches Gymnasium, eine Real- und Oberrealschule, eine realgymnasiale Studienanstalt und ein Lyzeum und Oberlyzeum. Der berufsmäßigen Fortbildung dienen eine gewerbliche und eine kaufmännische Berufsschule.
Als landwirtschaftliches Zentrum des mittleren Ostens hat die Stadt ferner für den Ausbau  des landwirtschaftlichen Schul- und Bildungswesens Sorge getragen. Die grundlegendsten allgemeinen Fachkenntnisse vermitteln den jungen Landwirten die von der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin errichtete landwirtschaftliche Schule, die zugleich ein vorzügliches Versuchsgelände besitzt. Künftigen Leitern und Beamten größerer Betriebe gewährt die Höhere Lehranstalt für Praktische Landwirte (Seminar) eine eingehende fachwissenschaftliche Vorbildung. Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit wird hier unter Fortlassung alles Nebensächlichen in einem elfmonatlichen Lehrgang von mindestens 42 Unterrichtswochen das praktische Brauchbare behandelt und den Teilnehmern der Lehrgänge eine gediegene Fachbildung vermittelt, welche in ihrem Werte für den praktischen Landwirt hinter der Hochschulbildung nicht zurücksteht. Am Abschlusse jedes Lehrgangs wird eine Prüfung abgehalten, deren Bestehen zur Führung der Bezeichnung „Staatlich geprüfter Landwirt“ berechtigt. Die Anstalt ist mit allen Hilfsmitteln neuzeitlicher Unterrichtswissenschaft ausgestattet. Für die Vorlesungen und Übungen stehen ferner die umfangreichen und wertvollen Sammlungen der Preußischen landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten, die ständige Maschinen – Ausstellung, die Werkstätte des Instituts für landwirtschaftliches Maschinenwesen, ein ausgezeichnet ausgestatteter 5 Morgen großer Versuchsgarten, ein 40 Morgen großes Versuchsfeld und vor allem das vom Anstaltsdirektor bewirtschaftete etwa 220 Hektar große Versuchsgut Oldenburg zur Verfügung. Dank dieser glücklichen Verbindung mit den Versuchs- und Forschungsanstalten und dank des ausgezeichneten Beispielbetriebes ist die Höhere Lehranstalt für Praktische Landwirte ihren Schwesteranstalten überlegen und den Universitätsinstituten ebenbürtig.
Es ist oft beklagt worden, daß dem mittleren Osten nach Schließung der Universität Frankfurt/ Oder Einrichtungen fehlten, die ihm durch exakte wissenschaftliche Forschungstätigkeit die seit langem vermißte, aber sehnlich gewünschte Hilfe brächte. Diesem Übelstande ist nach dem Weltkriege abgeholfen worden. Durch die Verlegung zweier Institute von Ruf, der Preußischen landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten und des Preußischen Hygiene – Instituts, nach dem geographischen Mittelpunkte des mittleren Ostens, nach Landsberg/ Warthe, ist endlich auch diese Gebiet in glücklicher Weise der wissenschaftlichen Erforschung zugänglich gemacht.
Die Preußischen landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten stellen die Krönung des gesamten Landwirtschaftlichen Schul- und Bildungswesen dar. Sie bilden die Fortsetzung des 1906 in Bromberg errichteten, weit bekannten Kaiser – Wilhelm – Instituts für Landwirtschaft. Die am 14. Juni 1922 der Öffentlichkeit übergebenen Anstalten bestehen aus 6 in ihrer wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit selbständigen Instituten und dem bereits erwähnten Versuchsgut. Die Zahl und der Umfang der Institute ist gegenüber dem Kaiser – Wilhelm – Institut vermehrt und erweitert. Die Anstalten haben die Aufgabe, durch wissenschaftliche Forschung und praktische Versuchstätigkeit diejenigen Bedingungen zu ermitteln, nach denen unter den besonderen Boden-, Klima- und Wasserverhältnissen der östlichen Provinzen die Landwirtschaft in ihren verschiedenen Zweigen am wirksamsten gefördert werden kann. Durch Einrichtung von regelmäßig wiederkehrenden Lehrgängen, durch Demonstrationen, Anstellung und Überwachung von Versuchen in Wirtschaftsbetrieben sowie durch planmäßig betriebene Beratung der Landwirte werden die Anstalten gleichzeitig der praktischen Förderung der Landwirtschaft dienstbar gemacht.
War mit der Errichtung der Preußischen Landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalten auch der landwirtschaftlichen Wissenschaft im mittleren Osten eine Stätte bereitet, so fehlte doch noch ein engeres Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis. Dies wurde erst in der Forschungsgesellschaft für Landwirtschaft E.V. in Landsberg/ Warthe geschaffen. Sie ist bemüht, dem praktischen Landwirt die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zu übermitteln und Wünsche und Anregungen der Praxis an die einzelnen Institute der Anstalten weiter zu leiten. Tochtergründungen der Forschungsgesellschaft sind mit der „Deutschen Saatveredlung GmbH“ und der „Kartoffelberatungsstelle GmbH“ erfolgt.
Landsberg/ Warthe ist wieder Grenzstadt geworden. Die Nähe des Auslands fordert vorbeugende Maßnahmen für eine immerhin mögliche Ausbreitung ansteckender Krankheiten. Seit langem hat daher der Staat eine seiner wichtigsten Aufgaben darin erblickt, an der Grenze besondere Stellen für eine strenge und ständige Überwachung der Gesundheitsverhältnisse zu unterhalten. So waren schon vor dem Weltkriege in Königsberg i. Pr., Posen und Beuthen (Oberschlesien) hierfür Hygienische Institute eingerichtet. Nachdem Posen dem Staate  verloren gegangen war, wurde das Posener Hygiene Institut nach Landsberg verlegt und hier am 1. Juli 1921 neu eröffnet. Das Hygiene – Institut hat für die gesundheitlichen und medizinischen Verhältnisse des mittleren Ostens die größte Bedeutung. Seine Untersuchungstätigkeit ist zumal auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung eine außerordentlich umfangreiche. Machen sich Anzeichen für eine Gesundheitsgefährdung bemerkbar, so schreitet es zur Bekämpfung der Gefahr. In größtem Umfange werden von ihm auch alle gesundheitsfördernden Maßnahmen getroffen. Die allgemeine Verbreitung hygienischer Verhältnisse in Stadt und Land, die wissenschaftliche Anregung und berufliche Förderung der ärztlichen Kreise gehören gleichfalls zum Aufgabenkreise des Instituts. Fortbildungskurse und volkstümliche Vorträge gehen neben rein wissenschaftlicher Forschung auf hygienischem, bakteriologischem, chemischem und nahrungsmittelchemischem Gebiete einher. Eine chemische und nahrungsmittelchemische Abteilung übt die amtliche Nahrungsmittelkontrolle in der Grenzmark und dem Stadt- und Landkreise Landsberg/ Warthe aus. Im Übrigen erstreckt sich jedoch der Wirkungskreis des Landsberg Hygiene Instituts auf die Grenzmark und den gesamten, rechts der Oder gelegenen Teil der Provinz Brandenburg.
Als dritte wissenschaftliche Anstalt von Ruf und Bedeutung schließt sich den Genannten das Bakteriologische und Serum – Institut Dr. Schreiber GmbH an. Das Institut, das der Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte angeschlossen ist, ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Für die Serumgewinnung sind etwa 300 Pferde, Maultiere und Rinder eingestellt. Die Anstalt besitzt auch vor den Toren der Stadt ein eigenes versuchsgut (Merzdorf). Die Serumherstellung wird hier im großen betrieben 40 verschiedene Sera, Vakzinen und Extrakte werden angefertigt und gehen von hier hinaus in alle Länder. Einen Eindruck von der Bedeutung der Anstalt läßt schon ein flüchtiger Blick auf ihren ausgedehnten Häuserblock gewinnen.
Den Kreis der Anstalten, die für den gesamten Osten die größte Bedeutung haben, schließt das Mutterhaus vom Roten Kreuz Bethesda, das früher in Gnesen seinen Sitz hatte. Hier werden die jungen Schwestern ausgebildet; von hier aus wird der ganze Osten mit Schwestern versorgt.
Kulturfördernd wirkt ferner die im Volkswohlfahrtshause untergebrachte, eifrig benutzte Volksbibliothek und Lesehalle mit einem Bestand von mehr denn 13 000 Bänden. Am Ausbau der größten wissenschaftlichen Bücherei der Stadt, der Magistratsbücherei, mit etwa 10 000 Bänden wird eifrig gearbeitet. Über das Werden von Stadt und Land gibt das inhaltliche gut ausgestattete Heimatmuseum einen hinlänglichen überblick. Die wissenschaftliche Bedeutung, zumal der vorgeschichtlichen Sammlung ist wiederholt von Führenden Fachleuten anerkannt worden.
Auch eine der wertvollsten und reichhaltigsten Goethesammlungen befindet sich in unserer Warthestadt, in den Privaträumen des Buchhändlers Ogoleit. In drei Zimmern gewährt sie einen umfassenden Einblick in die Weimarer Kunstepoche des Dichterfürsten. Kostbare Stücke aus Goethe’schem Familienbesitz sind darunter; manche Unika birgt die Sammlung. Namentlich heben wir zwei Originalradierungen von Goethes Hand, den „Guckkaste“, aus dem Besitz der Enkel Goethes, die plastische Nachbildung des Ebers aus den Uffisien in Florenz, die Goethe aus Italien mitbrachte, sowie zahlreiche Werke der Kleinkunst, die Originalzeichnung des bekannten Bildes von Schwerdtgeburth: „Goethe mit Karl August im Junozimmer des Goethehauses“, den Krönungszug aus der Jungfrau von Orleans (nach der berühmten Berliner Aufführung Ifflands gemalt) und die große Reihe der Bauer’schen Originale sowie zwei Briefe Goethes an den Generalmünzdirektor Loos in Berlin hervor. Selbstverständlich kommt der ganze Goethekreis, zumal Schiller, in diesen Räumen ausgiebig zu Wort.
Weiter verdient das allen Ansprüchen gerecht werdende Stadttheater hervorgehoben zu werden. Sein erst kürzlich durchgeführter großzügiger Umbau hat eine technische Vervollkommnung ermöglicht, die den neuesten Erfahrungen entspricht. Künstlerisch steht das Stadttheater auf einer für Provinztheater seltenen Höhe. Das zeigen auch die Kritiken führender Tageszeitungen, von denen wir nur die der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ und des „Tag“ hervorheben. So schrieb der Dichter Jungnickel: „Wie ein Schmuckkästchen ist sein Inneres. Ein Theater, das nicht so hinwurstelt, wie viele Provinztheater. Nein: ein lebendiges Theater, das sogar auf den Klingelbeutel verzichten kann. Der Spielplan auf kultureller Höhe. Jener Direktor Schneider weiß nicht nur ein feines Programm zu geben, er verwirklicht dieses Programm auch. Und das ist viel. Klassiker, Volksstücke, anständige Lustspiele und Operetten, so geht das schon jahrelang in einer theaterverwilderten Zeit.“
In den Vereinigungen der Stadt herrscht reges wissenschaftliches Leben. Die Freie Vortragsvereinigung, die Nachfolgerin der 1919 gegründeten Volkshochschule, behandelt in einer großen Zahl von Vorlesungen und Einzelvorträgen in gediegener, aber doch volkstümlichen Form fast alle Gebiete der Wissenschaft. Daneben ist der städtische Ausschuß für Volksbildung bestrebt, durch allgemeinverständliche monatliche Vorträge auf die breiteren Schichten der Bevölkerung belehrend einzuwirken. Die Wissenschaftliche Vereinigung gibt durch eine große Zahl von stren wissenschaftlichen Vorträgen, vornehmlich auswärtiger führender Männer der Wissenschaft, ihren Mitgliedern neuen Anreiz zu eigenem Schaffen. In kleinerem Kreise bietet der Dienstags – Verein durch Vorträge seiner Mitglieder geistige Anregung gleicher Art. Die Pflege der Heimatkunde hat im Verein für Geschichte der Neumark einen eifrigen und zielbewussten Führer. Die Kunst hat im Verein der Kunstfreunde eine rührige Pflegestätte gefunden. Aus der Reihe der Vereinigungen, die die Musik pflegen, heben wir den Gemischten Chor und Orchesterverein namentlich hervor.
So herrscht in der Ostmark reges geistiges Leben von deutscher Art.
  
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)