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Landsberg a.Warthe
(Gorzow Wielkopolski)
Auszug aus der „Festgabe“

Im Januar 1920 schrieb der Chefredakteur der „Neumärkischen Zeitung“ Ernst Schröder,
zum 100jährigen Bestehen der Zeitung u.a. folgende Zeilen für die „Festgabe“.

Ein Jubeltag seltener Art begeht am heutigen 1. Januar 1920 die „Neumärkische Zeitung“. Hundert Jahre ist es her, seit sie als kleines unscheinbares „Neumärkisches Wochenblatt“, vier Quartseiten stark, zum ersten Male erschien. Bis zum Jahre 1820 waren Landsberg und die Neumark ohne Zeitung. Und auch jenes vom 1.Januar 1820 an erscheinende „Neumärkische Wochenblatt“ hatte wenig Ähnlichkeit mit einer Zeitung, wie wir sie heute kennen. Klein und unscheinbar im Format, sollte es der Unterhaltung und Belehrung seiner Leser dienen. Aber mit den Jahren wurde das „Neumärkische Wochenblatt“ von tatkräftigen Verlegern weiter ausgebaut. Die Zeitereignisse, deren Spiegelung die Zeitung ist, wirkten auch bestimmend auf ihre Ausstattung. Dem völligen Niederbruch Preußens im Jahre 1806 war seine Erhebung in den Jahren 1813- 1815 gefolgt. Unerhörte Heldentaten auf den Schlachtfeldern und in der Heimat waren echter Vaterlandsliebe und deutscher Treue zu danken. Aber diese geistige Blütezeit Preußens hielt nicht lange an. Wieder kam die Reaktion ans Ruder. Der Wiener Kongreß, auf dem das politische Ränkespiel eines Metternich Triumphe feierte, räumte gründlich auf mit allen freiheitlichen Volksregungen. So brachten denn die nächsten beiden Jahrzehnte anstatt der ersehnten politischen Freiheit Knebelung jeder freiheitlichen Regung. Die Beschäftigung breiter Bevölkerungsschichten mit Politik wurde oben nicht gern gesehen. So ist es denn auch zu verstehen, dass der erste Landsberger Zeitungsverleger Wilhelm Schulz kein politisches Blatt, sondern ein Unterhaltungsblatt gründete.
Was die Herrschaft der dunkelsten Reaktion nach den Freiheitskriegen mit ihrer Demagogenverfolgung bedeutete, hat wohl niemand besser erfahren als der zweite Verleger des „Neumärkischen Wochenblatts“ Anton Witte, der wegen hochverräterischer Umtriebe zu langjähriger Festungshaft verurteilt, jahrelang in den Festungen Magdeburg und Graudenz als Gefangener zubrachte. Und doch hat diese Leidenszeit seinem Namen in der Geschichte der deutschen Literatur eine Bedeutung gegeben, wurde Witte auf diese Weise doch ein Freund und Mitgefangener Fritz Reuters, der Anton Witte in seiner „Festungstid“ ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat.
Aber der Freiheitsdrang des preußischen Volkes ließ sich auf die Dauer nicht knebeln. Es kam zum tollen Jahr 1848. Und wie in anderen Städten Preußens, so brauste auch in Landsberg die freiheitliche Welle wie ein Strom durch die Volksseele. Damals erwachte auch das „Neumärkische Wochenblatt“ aus seinem erzwungenen Dornröschenschlafe und aus der „Wochenschrift zur Unterhaltung und Belehrung“ wurde eine politische Zeitung.
Wenn auch dann wieder Jahre kamen, in denen die Politik, wie zu Zeiten der ersten Landsberger Zeitungsverlegerin Witwe Emilie Witte wieder fast ganz in den Hintergrund gedrängt und von seichtem Unterhaltungsstoff und Stadtklatsch überwuchert wurde, ganz verschwand auch damals die Politik aus dem „Neumärkischen Wochenblatt“ nicht.
Und dann übernahm der Begründer der Firma „R. Schneider & Sohn“, Rudolph Schneider, das „Neumärkische Wochenblatt“. Ihm trat dann als Mitarbeiter und Mitinhaber der Firma sehr bald Hugo Schneider zur Seite und aus dem „Neumärkischen Wochenblatt“ wurde die „Neumärkische Zeitung“, die unermüdlich immer weiter ausgebaut und ausgestattet wurde, bis sie die angesehene brandenburgische Provinzzeitung geworden war, die sie heute noch ist.
Von 1820 bis 1920! Welch eine Entwicklungsgeschichte, nicht nur der Zeitung vom „Neumärkischen Wochenblatt“ zur „Neumärkischen Zeitung“, sondern auch der Kleinstadt Landsberg mit kaum 10 000 Einwohnern zur angesehenen, industriereichen Provinzstadt von etwa 40 000 Einwohnern; 1820, die Zeit der Postkutsche und der unwegsamen Wege in der Neumark und den angrenzenden Gebieten – 1920, die Zeit der Chausseen, Automobile, Eisenbahnen und des Flugverkehrs.“ 
„Wenn wir heute, am Tage des 100jährigen Bestehens der Zeitung, unseren Lesern diese Festgabe überreichen, so wollen wir mit ihnen die Entwicklung des „Neumärkischen Wochenblatts“ und der „Neumärkischen Zeitung“ von 1820 bis 1920 verfolgen, wollen an uns wieder die Geschichte des Blattes vorüberziehen lassen: „Die Verleger in den 100 Jahren“ mit ihrem Ringen und Streben, das Blatt immer weiter auszubauen, um den Lesern immer mehr bieten zu können, „Die Redakteure in den 100 Jahren“, die in ihren Zeitungsnummern Ortsgeschichte, Neumärkische Geschichte und Weltgeschichte schrieben.
Ganz besonders eingehend ist  das Schicksal Anton Wittes als Mitgefangener Fritz Reuters behandelt. Zum ersten Male ist hier, gestützt auf ein umfangreiches Quellenmaterial, eine wirklich authentische Lebensgeschichte dieses Mannes gegeben, dessen Person für die Reuterliteratur von großer Interesse ist.
Und nach all den Rückblicken von 1820 bis 1920 lassen wir unsere Leser noch einen Blick in die Gegenwart tun. An Hand zahlreicher Photographien führen wir sie durch die Geschäftsräume, Redaktion, Setzerei und Druckerei der „Neumärkischen Zeitung“ und schildern anschaulich „Wie heute die „Neumärkische Zeitung entsteht“. Jedermann liest ja heute eine Zeitung, ja aus unserm modernen Leben ist die Zeitung gar nicht fort zu denken. Und doch wissen die wenigsten Zeitungsleser von all der Arbeit und Mühe, die geleistet werden muß, um ihre Zeitung täglich herzustellen. Das soll ihnen in dieser Festgabe auch alles einmal min Wort und Bild geschildert werden.
„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ heißt es im Sprichwort. Auch die Leser unserer Festgabe werden neben nackter Zeitungsgeschichte zahlreiche Begebenheiten aus den Großväter- und Väter- Tagen finden, die weite Kreise interessiert, werden von Landsberger Dichtern und Schriftstellern lesen, deren Namen sie bisher kaum gehört haben. Der Zweck dieser Festgabe wird aber dann am besten erreicht, wenn sie mit Anteil nehmen lernen an dem Werdegang ihrer Zeitung, die heute ihr 100jähriges Bestehen feiern kann.